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Pastor Marx lüftet das „Mysterium von Notting Hill“

Eppelborn. . Das Matthias Marx, Pastor in Eppelborn, einmal seinen „Appendix“ einem Buch beifügen würde, hätte er wohl kaum gedacht. cim

"Doch genau unter diesem Titel erschienen meine Anmerkungen, die ich nach der umfangreichen Übersetzungsarbeit an dem Roman "Das Mysterium von Notting Hill" von Charles Warren Adams, unseren Ausführungen beigefügt habe", erzählt er amüsiert. Weniger humorvoll dürfte es in der Schaffenszeit des Hauptübersetzers Boris Greff, von Beruf Lehrer, zugegangen sein, als er sich an das Übersetzen der zahlreichen Zeugenaussagen machte, die das Buch weniger als Roman, als vielmehr als eine Art Sammlung von Kriminalakten erscheinen lassen. Denn, das hört der Zuhörer gleich bei der Lesung am Mittwochabend im Jean-Lurcat-Museum: Der Schreibstil des Autors mit seinen unendlich langen, verschachtelten Sätzen ist alles andere als einfach. "Dazu kommt, dass es ja nicht wie eine Übersetzung klingen soll", erklärt Marx.

Diese Aufgabe haben die beiden Krimi- und Literaturfans bestens bewältigt, aus der reinen Übersetzung des ersten Kriminalromans ist ein wahres Leseerlebnis geworden. Das stellten Greff und Marx in den Passagen, die Lust auf mehr machten, eindrücklich dem Publikum vor. Aber nicht nur der Inhalt, der, so schätzen die beiden Übersetzer, von dem damals erst 29 Jahre alten, sonst kaum in Erscheinung getretenen Schriftsteller Adams erfunden wurde, stand bei der Arbeit von Marx und Greff im Mittelpunkt. So haben sich die Krimifreunde mit der Entstehungsgeschichte des Kriminalromans im Zusammenhang mit der Historie beschäftigt. So kam Marx zu seinen Gedanken, die im Anhang veröffentlicht wurden. "Ich glaube, dass der junge Autor vielleicht auf Reisen mit den Geschichten um Hypnose in Berührung kam, und diese in dem Kriminalroman verarbeitet hat", sagt er. Erschienen ist die Sammlung übrigens erstmals im Jahr 1862/63 in einer Zeitschrift, blieb bis 1945 in der Versenkung, wurde schließlich 2012 erstmals wieder gedruckt und ist nun in deutscher Sprache erhältlich. "Das Mysterium von Notting Hill ist vielschichtig, zum einen in der Geschichte selbst, aber auch in der Person des Schriftstellers, der mit einem Pseudonym arbeitet. Zuletzt aber auch, dass es vielleicht gerade die moderne Form war, die das Buch so viele Jahrzehnte in der Versenkung verschwinden ließ", fasst Marx die zahleichen Rätsel zusammen. Aus der haben es die beiden Übersetzer dank der Unterstützung der Anderen Bibliothek nun herausgeholt.