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Jubiläum
Nachwuchsmangel drückt auf der Seele

Dieses historische Foto dokumentiert die lange Vergangenheit des Männergesangvereins Selbach.
Dieses historische Foto dokumentiert die lange Vergangenheit des Männergesangvereins Selbach. FOTO: Jäckel
Selbach. Die Selbacher Sänger haben eine lange Tradition. Jetzt feiern sie das 120-jährige Bestehen des Vereins – natürlich mit jeder Menge Gesang. Von Frank Faber

Der Männergesangverein (MGV) 1898 Selbach feiert am Sonntag, 11. März, seinen 120. Geburtstag. Gemeinsam mit den Männerchören aus Sötern, Eiweiler und dem Selbacher Kirchenchor gestalten die Jubilare ab 14 Uhr einen musikalischen Konzertnachmittag im Dorfgemeinschaftshaus.


Wie in vielen Männerchören, so ist mittlerweile auch der Chor in Selbach wegen akutem Nachwuchsmangel in die Jahre gekommen. Aktuell stehen der Chorleiterin Galina Schmidt noch noch 13 Stimmen zur Verfügung. „Der Besuch der Gesangsproben ist sehr gut“, sagt Schriftführer Paul-Heinz Schröder. Aus Altersgründen findet das Gros der Auftritte in Seniorenheimen statt. „Mit einem Altersdurchschnitt von Mitte 70 machen wir noch das, was wir können“, meint Schröder. Man sei keineswegs blauäugig und wisse, es zeichne sich ab, dass der Abgesang des Chors nicht mehr in weiter Ferne sei. „Wir haben auch unser Fest an der Nahequelle einstellen müssen, seitdem fehlen uns die finanziellen Einnahmen“, erklärt der 79-jährige Schriftführer.

Ein Blick in die Vereinschronik verrät, dass der MGV im August 1898 gegründet wurde. 50 Sänger waren es um die Jahrhundertwende, die im Selbacher Männerchor musizierten. Vorsitzender war der Bergmann Peter Sell, Lehrer Hoffmann aus Neunkirchen/Nahe dirigierte die Sänger. Die Fahnenweihe mit Sängerfest im Jahre 1909 war damals ein großer Höhepunkt für den MGV. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges schlossen sich die Sänger dem Kirchenchor an. Dass der Männerchor zwischendrin solo auftrat, führte allerdings zu Ärgernissen beim Kirchenchor. Im Vereinsregister von Birkenfeld wurde der Chor 1932 noch als Gesangverein aufgeführt. Von 1939 bis 1946 ruhten die Aktivitäten des Vereins nach außen hin. Fünf Jahre später versuchten mehrere Männer sich aus dem Kirchenchor zu lösen und einen eigenen Chor zu gründen, was zunächst abgelehnt wurde. Offiziell hat sich der MGV 1898 dann am 19. September in einer vom Kulturverein einberufenen Versammlung gegründet.



56 Sänger standen beim 70-jährigen Vereinsfest 1968 auf der Bühne. In der Sendereihe „Chöre des Saarlandes“ stand der Chor 1969 vor der Fernsehkamera des Saarländischen Rundfunks. Später waren die Stimmen der Sänger in einer Rundfunksendung zu hören. 1976 folgt sogar eine Schallplattenaufnahme im Schulzentrum Türkismühle. Vor 32 Jahren trennte sich der Chor vom Kulturverein und fungiert seither mit eigenem Vorstand. Martin Gierend, ist von 1976 bis 1992 und von 2006 bis heute Vorsitzender des MGV.

Die Bliesenerin Galina Schmidt dirigiert seit 2002 die Sänger. „Sie hat ein sehr gutes Gespür dafür, uns mit ihrer Literatur noch zu beglücken“, lobt Schröder die Taktgeberin. Vier Jubilare werden am Ehrentag des Vereins für ihre Treue und Engagement vom Saarländischen Chorverband ausgezeichnet. Edwin Klemm, Aloysius Müller und Hans-Dieter Müller für 60 Jahre, Ewald Stoll für 50 Jahre. „Der Verein wird zusätzlich noch einige inaktive Mitglieder ehren“, sagt Schröder.