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„Mundart zeigt, wo man zuhause ist“

 Weit über die Landkreis-Grenzen hinzu beliebt: Das Mundartsymposium von SR 3. Foto: Konrad
Weit über die Landkreis-Grenzen hinzu beliebt: Das Mundartsymposium von SR 3. Foto: Konrad FOTO: Konrad
Bosen. Wenn Sven Erik Sonntag irgendwo nach seinem Beruf gefragt wird, antwortet er: Mundartist. Und diesem Beruf machte er am Sonntag beim Mundartsymposium in der Bosener Mühle alle Ehre. Sarah Konrad

Heimat. Was ist das überhaupt? Sven Erik Sonntag muss nicht lange überlegen. "Heimat ist für mich meine Muttersprache", sagt er. Aus diesem Grund bemüht sich der 49-Jährige auch, seinen Dialekt zu pflegen. Seinen Beruf als Feinwerktechnik-Ingenieur hat er aufgegeben. Stattdessen arbeitet er heute als "Mundartist" - einer Mischung aus Autor und Kabarettist. Seine Texte verfasst der am Bodensee lebende Pfullinger ausschließlich auf schwäbisch. "In Mundart kann ich vielmehr ausdrücken als auf Hochdeutsch", erklärt er. Am Sonntag war er somit der perfekte Kandidat für das Mundartsymposium in der Bosener Mühle. Dieses Jahr war er schon zum zweiten Mal bei dem etwas anderen Dichtertreffen dabei. Der Landkreis St. Wendel und SR3 Saarlandwelle laden dazu immer vier Mundartautoren aus unterschiedlichen Regionen Deutschlands ein. Drei Tage lang wohnen die Schriftsteller zusammen, sehen sich die Region an und beschäftigen sich natürlich mit ihrer "Muddasproch". "Dieses Mal haben wir ausschließlich Gäste eingeladen, die schon mal beim Mundartsymposium dabei waren", sagt SR3-Moderatorin Sabine Wachs. Denn im Hinblick auf das bevorstehende 25-jährige Jubiläum hatten die Dichter und Liedermacher einen besonderen Auftrag: Sie sollten die Mundart nicht nur unter die Lupe nehmen, sondern auch zurückblicken. Wachs erklärt: "Die Autoren haben sich etwa mit der Frage auseinandergesetzt, was sich in den vergangenen 24 Jahren getan hat. Und wo die Mundart heute steht."


Die Hauptaufgabe der Schriftsteller war jedoch das Schreiben. "Während den Radio-Liveschaltungen, den Besichtigungen und Empfängen haben wir gedichtet", erzählt Ursula Kerber aus Saarlouis Roden. Die Autoren haben sich sogar auf ein gemeinsames Thema geeinigt: die Liebe . Ihre Ergebnisse präsentierten sie am vergangenen Samstag in der Bosener Mühle. "Die Saarlänner sahn net: ,Ich liebe dich'. Bei us heischd dat: ,Eich han deich ger'", erklärt Kerber. Wenn die Großmutter jedoch die Zuneigung zu ihrem Enkel ausdrücken möchte, sagt sie: "Dau bischd de Oma sei Schatz." Dass auch die Pfälzer lieben können, beweist Ute Zimmermann. Die Wortakrobatin aus Schifferstadt verbindet mit diesem Gefühl jedoch nicht nur Positives. "Zusamme alt werre", sagt sie, "so e Quatsch, wo's allän schon kenna will."

Im Schwäbischen existiere das Wort Liebe erst gar nicht, berichtet Sven Erik Sonntag. "I mog di, heißt das bei uns." Und dafür gebe es auch einen Grund. Aus "mog" lasse sich schließlich "vermögt" ableiten und Geld spiele in der Liebe nun mal eine nicht ganz unwichtige Rolle. Lieder, in denen er seine Liebe zur Gitarre zum Ausdruck bringt, gibt Manfred Pohlmann zum Besten. Der Musiker aus Bendorf Sayen in der Nähe von Koblenz singt schon seit mehr als 40 Jahren in Mundart . "Die Muddasproch is enfach was scheenes", sagt er.



Was die Autoren mit ihren Texten, die während des Symposiums entstanden sind, machen, wissen sie noch nicht. Einige Geschichten hat Reporterin Susanne Wachs bereits in ihrer Show vorgestellt. "Vielleicht werden wir die Lieder und Sprüche in einem Buch veröffentlichen", sagt Zimmermann. Doch das stehe noch in den Sternen. Sicher ist, dass die vier Autoren auch in Zukunft in Dialekt schreiben werden. "Zum Saarländer gehört die Muddasprooch einfach dazu", erklärt Kerber. Sie zeige, wo ein Mensch zuhause ist.