| 20:21 Uhr

Feier
Mettenschicht im Barbara-Stollen

Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger bekommt von Bernd Mathieu (links) und Klaus Hiery den Ehrenhauerschlag verpasst. RAG-Regionalbeauftragter Uwe 
Penth (rechts) beobachtet lachend das Ritual.
Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger bekommt von Bernd Mathieu (links) und Klaus Hiery den Ehrenhauerschlag verpasst. RAG-Regionalbeauftragter Uwe Penth (rechts) beobachtet lachend das Ritual. FOTO: Frank Faber
Gonnesweiler. Zum runden Geburtstag der traditionellen Gonnesweiler Veranstaltung erhielt Ministerin Anke Rehlinger den Ehrenhauerschlag. Von Frank Faber

Kurz vor dem Weihnachtsfest wurde im brechend vollen Gonnesweiler Barbara-Stollen ein runder Geburtstag gefeiert. Zum 20. Mal zelebrierten die Saarbergleute in traditionellen Trachten ihrer Vereine den alten Brauch einer Mettenschicht. „Die Industrialisierung hat unser Land mehr als zwei Jahrhunderte intensiv geprägt und gleichzeitig die Menschen geformt. Die Industriekultur ist das Symbol dieser Zeit“, sagte Klaus Hiery, seit 1987 Landespräsident der Bergmanns-, Hütten-, und Knappenvereine. Das Festhalten an Traditionen im Saarland möge nicht allein eine Huldigung an die Vergangenheit sein, denn was gäbe es an dieser Zeit schon zu loben. „Die saarländischen Bergleute gehörten nicht zu denen, die das Schicksal verwöhnte. Für kargen Lohn schufteten sie halbe Tage unter der Erde, und mancher ließ gar sein Leben unter Tage“, gab Landespräsident Hiery zu bedenken. Der Bergbau sei ein Gemeinschaftswerk gewesen, jeder Bergmann dort ein wichtiges und anerkanntes Mitglied in einem großen Kreislauf. „Diese zwingende Zusammenarbeit wie im Bergbau könnte auch Vorbild für eine Gesellschaftsstruktur in der Welt sein“, spannte der 76-Jährige aus Fraulautern den Bogen in die Gegenwart.



Doch was ist vom Steinkohleberg- 
bau außer nostalgischen Erinnerungen, Folkloreveranstaltungen und Industriedenkmälern übrig geblieben? „Die nun schon 20. Mettenschicht liefert den Beweis für den nachhaltigen Willen der Zusammengehörigkeit der Bergmänner und Hüttenleute. Wenn wir die Zukunft erfolgreich gestalten wollen, dann müssen wir an den Prozessen teilnehmen und sie nicht als Bedrohung, sondern als Chance empfinden“, sagte Hiery. Saar-Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD) meinte, dass der Zusammenhalt im Saarland ausgeprägter als in anderen Bundesländern sei. „Es gibt uns eine Rückbesinnung und der Zusammenhalt hat etwas mit der Geschichte des Saarlandes zu tun“, sagte die Ministerin und betonte: „Wer den Bergbau versteht, der versteht das Saarland.“ Und deshalb seien Veranstaltungen wie die Mettenschicht immens wichtig, um die Tradition an die nächste Generation weiterzutragen. Überhaupt hat die Ministerin in der Post-Berg-bau-Ära eine beachtliche Karriere hingelegt. Im vergangenen Jahr hielt sie die Bergpredigt, nun hat sie der Landesverband zur Ehrenhauerin ernannt. Nach Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) im Jahre 2012 und ein Jahr später Quierschieds Ex-Bürgermeisterin Karin Lawall (SPD), wurde Rehlinger als dritte Frau diese Ehre zuteil. Für Hiery kein Grund, der Ministerin den Ehrenhauerschlag mit der Schaufel nicht zu verpassen. Das Ritual ließ auch der RAG-Regionalbeauftragte Uwe Penth gerne über sich ergehen, der ebenfalls zum Ehrenhauer aufgestiegen ist.

Zuvor hatte Penth in Form einer Rückschau die Bergpredigt gehalten. Abschließend schallte der Evergreen der Bergmänner „Glückauf, der Steiger kommt“, durch den Barbara-Stollen. Zum zehnten Mal war das Brass Ensemble der Bergkapelle Saar unter der Leitung von Hans-Georg Schmitt dabei.