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Köhlertage
Mehr als 715 Schichten rund um die Uhr

Das Foto von den Köhlertagen 2013 in Walhausen zeigt den rauchenden Meiler, bevor die Holzkohle geerntet wird.
Das Foto von den Köhlertagen 2013 in Walhausen zeigt den rauchenden Meiler, bevor die Holzkohle geerntet wird. FOTO: B&K- Fotograf Bonenberger
Walhausen. Auf Hochtouren laufen die Vorbereitungen für die achten Köhlertage in Walhausen. Die sind Ende August, aber ab Samstag wird der Meiler aufgebaut.

Knapp 20 000 Besucher kamen zu den Köhlertagen vor fünf Jahren. Damit die Resonanz in diesem Jahr ähnlich gut ist, hat die Arbeitsgemeinschaft Walhauser Vereine schon jetzt das Programm für die Zeit vom 18. August bis 1. September festgezurrt. Mit den Planungen ging es bereits im Mai des vergangenen Jahres los. Was genau zu tun ist und was die Besucher im August erwartet, das erzählten Horst Künzer, der Vorsitzende der AG, und Dietmar Böhmer, der für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist, im Redaktionsgespräch bei der Saarbrücker Zeitung.


Erste Ideen sammeln, Bands anfragen, das Budget definieren. Das sind die ersten Aufgaben. Und im Februar geht es dann schon an den Holzeinschlag. Dafür war Saarforst zuständig. Aber die Köhler trafen sich seitdem fast  jeden Samstag, um das Holz auf Länge zuzuschneiden. Jeweils ein Meter lang sollen sie sein. Zu jedem Termin kamen, so erzählt Böhmer, um die 20 Köhler. „Mit Beginn der Holzarbeiten wächst die Dorfgemeinschaft wieder mehr zusammen“, so Böhmer. Eine ganz besondere Stimmung sei alle fünf Jahre zu spüren: „Da muss man niemanden motivieren.“ Da der Meilerplatz fünf Jahre ruht, muss nicht nur das Holz gespalten und abtransportiert werden. Der ganze Platz muss auf Vordermann gebracht werden. Brüchige Stämme entfernen, mähen, die Buden aufpolieren.  In diesem Jahr haben die Köhler auch die Meilerküche neu gestaltet. Parallel zu den Arbeiten im Wald wird auch an der Helferliste gefeilt.  „715 Helferdienste zwischen drei und fünf Stunden müssen vergeben werden“, weiß Böhmer. „Und das in einem Dorf mit 580 Einwohnern.“ Böhmer rechnet vor: „Würden selbst der Säugling und die Oma im Rollstuhl Dienste leisten, dann wären das für jeden Bürger 1,5 Dienste.“ Ein weiterer Punkt der Vorbereitung: Alle Schulen im Umkreis wurden angeschrieben. Das hat sich gelohnt: Mehr als 1000 Schüler sind bereits an Führungen interessiert. „Das letzte Mal kamen 1540 Schlüler“, so Künzer. Allein die Grundschule in Oberkirchen sei mit 190 Jungen und Mädchen vertreten gewesen.

Der Meiler wird ab kommendem Samstag aufgebaut. Um 8.30 Uhr treffen sich die Helfer im Wald.  Da gibt es eine Neuerung, wie Künzer erzählt:  Zum ersten Mal wird es einen zweiten, kleineren Meiler geben. Die Idee dafür sei bei der Europäischen Köhlerwoche in Lembach entstanden. Dort haben die Walhauser ein anderes Aufbaukonzept gesehen – ganz ohne Lehm. Das wollen sie nun auch bei ihren Köhlertagen ausprobieren. „Das wird spannend, wird aber irgendwie klappen“, ist Böhmer zuversichtlich.  Mehr Holz brauchen sie durch den zusätzlichen Meiler nicht. Beide fallen etwas kleiner aus, so dass insgesamt die gleiche Menge benötigt werde. Nämlich etwa 50 Raummeter Holz. Die Köhler arbeiten während der Veranstaltungswochen übrigens in drei Schichten – von 6 bis 14, von 14 bis 22 und von 22 bis 6 Uhr. 2013 gab es erstmals eine reine Frauenschicht. „Die wird es auch dieses Jahr wieder geben“, so Künzer.



Schon den Starttag am 18. August zählt Böhmer zu den Höhepunkten. Um 5.30 Uhr gehts los, dann wird der Meiler angezündet. Anschließend gibt es das Köhlerfrühstück. „Das letzte Mal haben wir 650 Portionen verkauft“, spricht Künzer von riesigem Interesse.  Dafür wurden 1500 Eier in die Pfanne geschlagen. Dazu gibs Bauernbrot, Marmelade. „Dafür stehen die Leute Schlange“, fügt Böhmer hinzu. Die Besucher kommen längst nicht nur aus der Gemeinde Nohfelden. Eine Wandergruppe aus Marpingen gehe Jahr für Jahr um 4 Uhr los, um dieses Spektakel zu erleben. Außerdem seien zu allen Köhlertagen – die gibt es seit 1983 – immer Besucher aus Hamburg gekommen.

Zum dritten Mal in Folge ist die SZ-Radtour in die Köhlertage integriert. Böhmer verspricht eine neue Strecke bis zum Bostalsee – familienfreundlich. Jede Menge Musik, der Landestrachtentag, der Kindertag und ein Bauern- und Handwerkermarkt mit etwa 35 Ständen runden das Programm ab.

Der härteste Tag der Köhler wird der Abschluss sein am  1. September. Dann gilt es, die Früchte der Arbeit zu ernten. Die Feuerwehr steht bereit, falls etwas schief gehen würde. „Im letzten Moment könnte uns die Holzkohle noch verbrennen“, sagt Künzer. Und Böhmer meint: „Dann hätten wir Asche statt Kohle.“ Aber bisher ist es immer gut gegangen.  Etwa 80 Zentner Kohle wurden Jahr für Jahr geerntet.