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Sternenpark
Landkreis will nach den Sternen greifen

Blick von der Walhauser Höhe auf Center-Parcs: Das Gebiet ist so hell beleuchtet, dass der Schein über den Hügel zu sehen ist.
Blick von der Walhauser Höhe auf Center-Parcs: Das Gebiet ist so hell beleuchtet, dass der Schein über den Hügel zu sehen ist. FOTO: Christoph Pütz
Bosen. Ein Projekt „Gesundes Licht für Natur und Mensch“ ist gestartet. Die Gemeinden Nohfelden und Nonnweiler sind Vorreiter. Der Tourismus soll auch profitieren. Von Melanie Mai

„Wir wollen die Region ins rechte Licht rücken“, sagte der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald (CDU), als er vor wenigen Tagen das Projekt „Gesundes Licht für Natur und Mensch“ in der Tourist-Information am Bostalsee vorstellte. Schon mit diesem Satz wurde deutlich, wie viele Redewendungen sich mit diesem Projekt verbinden lassen. Recktenwald liefert gleich die nächste: „Das St. Wendeler Land greift nach den Sternen.“ Die Wortspielereien zeigen aber auch, dass das Projekt „Sternenland“ – so der Arbeitstitel – touristisches Potenzial besitzt. Davon ist Martina Scheer von der Tourist-Information St. Wendeler Land überzeugt: „Wir können interessante touristische Produkte anbieten.“ Sie denkt an geführte Wanderungen, an Vorträge oder an eine Glamping-Station (Glamping steht für glamouröses Campen) an der Sternwarte.


Schließlich ist die Sternwarte Peterberg ein wichtiger Partner bei diesem Projekt. So kam auch Christoph Pütz und Sebastian Voltmer vom Verein der Amateurastronomen die Aufgabe zu, den Hintergrund zu diesem Projekt zu liefern. Es gehe um das Thema Lichtverschmutzung. Dabei sei der Begriff an sich nicht richtig. Schließlich werde nicht das Licht verschmutzt, vielmehr die natürliche Dunkelheit. Denn beleuchtete Werbe- und Gewerbeflächen, Skybeamer oder veraltete oder falsche Straßenbeleuchtung hätten Auswirkungen auf die Gesundheit des Menschen, auf den Biorhythmus, auf das Schlafverhalten, aber auch auf die Natur. Denn das Ökosystem habe sich in Millionen von Jahren dem Wechsel von Tag und Nacht angepasst. Das viele Licht in der Nacht irritiere beispielsweise die Pflanzen und die Vögel. Das habe Folgen. Pütz nennt ein Beispiel: „Insekten werden von den hellen Laternen angezogen und verenden dort.“ Diese Insekten fehlten Vögeln, Fröschen oder auch Fledermäusen in der Nahrungskette und zur Bestäubung von Nutzpflanzen. Eine Straßenlaterne vernichte in der Nacht 100 bis 200 Insekten und es gibt etwa neun Millionen Straßenlaternen in Deutschland.

In der Gemeinde Nohfelden gibt es 1220 Laternen. Das sagte Bürgermeister Andreas Veit (CDU). Nohfelden ist neben Nonnweiler Pilotgemeinde für das Projekt. 2013 habe die Gemeinde begonnen, auf LED umzustellen. Vor der Umrüstung seien in der Gemeinde für die Straßenbeleuchtung 340 000 Kilowattstunden im Jahr verbraucht worden, heute seien es 265 000 Kilowattstunden. Die Kosten würden von 80 000 auf 54 000 Euro im Jahr reduziert. Damals sei von dem jetzt gestarteten Projekt noch nicht die Rede gewesen. „Sonst hätten wir auf die Beleuchtungsmittel umgestellt, die jetzt empfohlen werden“, so Veit. Und weiter: „Chance vertan.“ Denn es sei Unsinn, die gerade ausgetauschten Lampen wieder auszubauen. Das werde jetzt schrittweise gemacht, so wie neue Lampen notwendig werden. „Seit März 2017 tauschen wir nur noch nach der neuen Richtlinie aus.“ Von den 323 LED-Leuchten seien bereits neun umgerüstet. Im Neubaugebiet Beim Stollenborn in Neunkirchen/Nahe sei ganz unbewusst schon mit dem Projekt gestartet worden. Dort sei bereits warmes Licht in vier abgeschirmten Lampen eingebaut.



Abgeschirmte Lampen, das ist ein weiteres Kriterium für die Zukunft. Denn das Licht soll möglichst nur das beleuchten, wofür es gedacht ist, und nicht in die Umgebung, in den Himmel strahlen. Das sei auch unbewusst schon in der Trierer Straße in Nonnweiler passiert, wie Bürgermeister Franz-Josef Barth (parteilos) erzählt: „Ohne, dass wir es wussten, haben wir genau die richtige Beleuchtung rausgesucht.“

80 Prozent aller Laternen müssen übrigens den Richtlinien entsprechen, damit der Ort zertifiziert werden kann. Das sei erklärtes Ziel, sind sich alle Beteiligten einig. Denn noch gebe es in Deutschland keinen Ort, den die „Dark Sky Association“ zertifiziert hat. Die kleinste Einheit, die zertifiziert werden kann, ist ein Ort. Das soll Eiweiler werden. „Das Ziel ist, Eiweiler flächendeckend umzustellen“, sagt Veit. Dort werden nach seinen Worten die vorhandenen LED-Leuchten aus- und in andere Laternen eingebaut.

Das Projekt soll sich aber nicht nur auf die beiden Nationalpark-Gemeinden Nohfelden und Nonnweiler beschränken. Geht es nach Recktenwald, ziehen alle anderen Gemeinden im Landkreis nach.

Nicht nur die Art der Beleuchtung ist dabei ein Thema. Auch die Dauer. Ist mancherorts wirklich eine 24-Stunden-Beleuchtung notwendig? Müssen Werbetafeln stets angestrahlt werden? Voltmer rät, „bedarfsorientiert“ zu beleuchten. Der Stromversorger denke auch über Bewegungsmelder nach. Ziel sei es, durch die Abdunkelung des Nachthimmels auch die Sterne wieder sichtbar zu machen. Davon profitiere nicht nur die Umwelt, sondern auch der Tourismus. Die Hotels, freut sich Scheer, seien begeistert von der Idee. Und Pütz betont, dass dank des Bostalsees und der Hotels in dessen Nähe der Tourismus bereits boome, der müsse nicht erst mit „Sternenland“ erschlossen werden: „Wir bringen die Sterne zu den Touristen zurück.“