| 20:06 Uhr

Kappensitzung
Bauer sucht Frau im Sportheim

 Bauer sucht Frau war das Motto und wurde nicht nur verbal, sondern auch tänzerisch bestens umgesetzt. Bei den Dommerschbachern wurde das Landleben zur Kunst erhoben.
Bauer sucht Frau war das Motto und wurde nicht nur verbal, sondern auch tänzerisch bestens umgesetzt. Bei den Dommerschbachern wurde das Landleben zur Kunst erhoben. FOTO: Ralf Mohr
Mosberg-Richweiler. Ländlich derb ging es zu bei der Fasenacht der Dommerschbacher. Mit dabei waren Witwen, Pfarrer und Märchenerzähler. Von Ralf Mohr

Wie die Hühner auf der Stange saß der Elferrat auf der Bühne im Sportheim in Mosberg-Richweiler. Denn das passte prima ins Bühnenbild, war doch „Bauer sucht Frau“ das Motto der diesjährigen Fasenacht der Dommerschbacher. Nach dem Einmarsch wurde beim Bauernkaffeeklatsch recht schnell klar, dass es manchmal mit der sprichwörtlichen Bauernschläue auch nicht so weit her ist. Zumindest kamen die Bauersfrauen auf der Bühne zu dieser Überzeugung und standen ihren Angetrauten dabei in nichts nach.


Etwas fürs Auge war die Darbietung des Funkenmariechens Lara Decker. Was da auf der doch recht beengten Bühne im Sportheim fast schon akrobatisch gezaubert wurde, das war schon aller Achtung wert und so tobte die Menge nicht zu Unrecht. Dass auch ein „Wutzebauer“ einen Führerschein für den Traktor braucht, das erklärten Olli Klein und Daniel Barth den Gästen.

Wer bisher die schwarze Witwe nur als giftige Spinne kannte, der wurde bei den Dommerschbachern eines Besseren belehrt. Vier ganz in schwarz gehüllte Damen waren wieder zu haben, denn zuvor hatten ihre Gatten wohl das Zeitliche gesegnet. Die näheren Umstände gaben durchaus Grund zu der Annahme, dass die lustigen Witwen daran nicht ganz unschuldig waren. Man soll halt als Mann nie sagen, „Die Mama kochte besser.“, sonst läuft man anschließend in ein Messer. Und fährt der Bauer zu einer jüngeren nach Bali, dann gibt’s den Wurstsalat eben mit Zyankali. So einfach ist das.



„Ohhhjeh“, so begann der Fan des SVM, des Mosberger Sportvereins, seinen Vortrag. Ja, Sie haben richtig gelesen. Es gibt da tatsächlich einen Fan. „Wisse ihr eigentlich, wann die Truppe vom SVM es erschde Mol erwähnt genn es? Em alte Testament schonn. Do steht nämlich geschrieb: Sie trugen seltsame Gewänder und irrten planlos umher“, klärte er das Publikum auf. Ebenso hätte da gestanden: „Michi stand im Tor von Mosberg und seine Jünger standen abseits.“ Das Publikum kriegte sich während des Vortrags kaum mehr ein. Der Fan war übrigens der Trainer des SVM, Maik Wilhelm.Wie mühsam es ist, als Knecht eine Schar Hühner zu bändigen, wenn man stottert, das veranschaulichten Lisa Wendel und Laura Decker:

Horst Keßler, der übrigens wie gewohnt souverän und mit viel Witz und Humor durch den Abend moderierte, ließ es sich nicht nehmen, kurz vor der Pause auch noch in die Bütt zu steigen. In dem Fall hätte man wohl besser Kanzel gesagt, denn er kam als Pfarrer Merkwürden. Er sprach sogleich den Segen „Urpils et Orpils“ über der Festversammlung aus und hatte damit die Lacher schon gleich zu Anfang auf seiner Seite. „Nachdem Gott den Himmel und die Erde erschuf, kreierte er zuerst den Menschen, dann die Frau“, wandelte er die biblische Schöpfungsgeschichte nur unwesentlich ab. Das Publikum schrie und prustete um die Wette.

Nach der Pause gab es eine kleine Showeinlage. Selina Becker und Lisa Wendel erklärte dann den Unterschied zwischen Stadt- und Landleben. Ein äußerst schwieriger Vortrag wurde von Julia Wagner dargeboten. Sie kombinierte die verschiedensten sprachlichen Ticks zu einem unglaublich fesselnden Ausflug in das Reich des Touret-Syndroms. Die reinste Verbalakrobatik auf wirklich erstklassigem Niveau. Danach ging es magisch Weiter. Zauberer Olli ließ die Dinge verschwinden und wiedererscheinen – oder auch nicht. Auf jeden Fall hatten die Leute ihren Spaß. Tänzerisch ging es weiter mit lateinamerikanischen Klängen und fetzigen Hip-Hop-Rhythmen.

Immer wieder ein absolutes Highlight sind die Old Ladies – Birgit Decker und Sybille Arendt. Was da an Gags und Sprüchen von der Bühne flog, ist kaum mehr zu überbieten. Vor dem großen Finale wurde das Märchen „Der Fischer und seine Frau“ kurzer Hand auf den Bauernhof verlagert und unter dem Titel „Der Bauer und seine Frau“ wurde viel Klamauk mit musikalischen Einlagen geboten. Nach dem Finale war Open-End im Sportheim.

 Horst Keßler brachte die Stimmung einmal mehr zum Kochen: Als Pfarrer Merkwürden fing er bei Adam und Eva an und hörte beim Zöllibat noch lange nicht auf.
Horst Keßler brachte die Stimmung einmal mehr zum Kochen: Als Pfarrer Merkwürden fing er bei Adam und Eva an und hörte beim Zöllibat noch lange nicht auf. FOTO: Ralf Mohr