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Känguru unterwegs
Känguru stirbt auf Straße bei Nohfelden

Als würde es dem Fotografen direkt in die Augen sehen — dieses Känguru hat Lukas Utzig aus St. Wendel bei Wolfersweiler gesichtet und fotografiert.
Als würde es dem Fotografen direkt in die Augen sehen — dieses Känguru hat Lukas Utzig aus St. Wendel bei Wolfersweiler gesichtet und fotografiert. FOTO: Lukas Utzig
Wolfersweiler. Ist es das Tier, das der SZ-Leserreporter in Wolfersweiler ein Känguru aus nächster Nähe fotografiert hat? Von Melanie Mai

Einer ungewöhnlichen Nachricht folgte die traurige. Erst meldete sich ein SZ-Leserreporter, der ein waschechtes Känguru vor die Linse bekommen hat. Am Montag berichtet die Polizei Nordsaarland dann, dass ein Känguru bei einem Verkehrsunfall gestorben ist. Am Sonntagabend teilte ein Autofahrer bei der Polizeiinspektion Nordsaarland mit, dass er zwischen Walhausen und Wolfersweiler ein Känguru angefahren habe. Vor Ort konnten die Beamten tatsächlich ein Känguru feststellen, das durch den Zusammenstoß mit dem Auto getötet wurde. Nach Angaben des Autofahrers haben plötzlich 2 Kängurus vor ihm die Fahrbahn überquert. Trotz einer Bremsung konnte er den Zusammenprall mit einem der Tiere nicht verhindern, während das zweite Tier weiter in das angrenzende Feld sprang.


Aber: Es soll ein zweites Känguru geben, das in der Region heimisch ist.

Normalerweise leben sie in Australien oder Neuguinea. Mit dem Saarland werden sie eher nicht in Verbindung gebracht. Oder doch? Marco Ames von der St. Wendeler Polizei bringen die Kängurus jedenfalls nicht aus der Fassung.  „Immer wieder gibt es Sichtungen von Kängurus im Bereich Wolfersweiler, Eitzweiler oder Asweiler.“ Tatsächlich berichtete auch die SZ im Jahr 2017 mehrfach über Kängurus, die in dieser Gegend gesehen worden waren. Sie seien friedlich, auch Unfälle in Zusammenhang mit den Beuteltieren seien bis zum Wochenende (siehe Info) noch keine registriert. „Sie sind einfach nur unglaublich ungewöhnlich“, sagt Ames. Einen Zusammenhang der Tiere mit dem Naturwildpark in Freisen schließt er aus: „Der Besitzer sagt, die Tiere stammen nicht von ihm“, so Ames.

Im konkreten Fall hat SZ-Leserreporter Lukas Utzig aus St. Wendel vor wenigen Tagen von einem Känguru in Wolfersweiler berichtet. „Ich konnte mich sehr behutsam und mit sehr viel Geduld nähern. Ich würde sagen, Menschen sind sie gewöhnt, ja, aber nicht gerade zutraulich“, schildert Utzig sein Erlebnis, das keineswegs ein Zufall war. Denn ein Arbeitskollege aus Hermeskeil habe ihn auf das Tier aufmerksam gemacht. Er hatte das Känguru morgens auf dem Weg zur Arbeit zwischen Wolfersweiler und Walhausen am Straßenrand gesehen. Sichtlicht aufgeregt habe er auf der Arbeit davon erzählt. „Als Hobbyfotograf war ich  direkt begeistert und habe mich gleich samstags auf den Weg gemacht, um nach dem Tier Ausschau zu halten“, berichtet Utzig. Nach einer Stunde habe er das Tier etwa einen Kilometer entfernt von der Stelle, wo es sein Kollege gesehen hatte, vorbeihuschen gesehen. „War das jetzt ernsthaft ein Känguru?“, habe er bei sich gedacht. Nachdem er seine Gedanken wieder sortiert hatte, war er sich sicher: „Ja es war eins — und ich brauche ein Foto.“



Allerdings wollte er das Tier nicht erschrecken oder bedrängen. Daher habe er sich zurückgezogen und abgewartet. „Als ich eine Stunde später vorsichtig das Gebiet abgelaufen bin, hat es mich auf einmal aus einem Gebüsch heraus mit großen Augen angesehen.“ Utzig ging langsam in die Hocke und richtete rasch seine Kamera aus, um ein paar Aufnahmen zu machen. Etwa zehn Meter war er von dem Känguru entfernt.

Anschließend habe er gemerkt, dass er bei dem Tier eine gewisse Neugier geweckt hat. Utzig: „Es hat es durchaus toleriert, dass ich mich weiter annähere. Der Moment war echt toll.“ Schlussendlich habe er sich aber doch zurückgezogen. Und das Känguru habe sich langsam hüpfend in die Tiefen der Büsche verschlagen. Vielleicht zu seinem Gefährten, den es nun nicht mehr gibt. Oder vielleicht ist es auch Utzigs fotografiertes Tier, das auf der Straße sein Leben ließ.

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