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Apotheken
Geschäftswelt wird ein Stück ärmer

Ab dem 1. April ist die Burg-Apotheke in Nohfelden dicht.
Ab dem 1. April ist die Burg-Apotheke in Nohfelden dicht. FOTO: Frank Faber
Nohfelden/Türkismühle. Die Burg-Apotheke in Nohfelden schließt, die Türkismühler Hubertus-Apotheke wird unter neuer Regie weitergeführt. Von Frank Faber

Nach insgesamt 176 Jahren wird ab dem 1. April in Nohfelden keine Apotheke mehr existieren. Dann schließt die Burg-Apotheke laut Inhaber Walter Schüler aus Altersgründen für immer. „Dadurch geht in Nohfelden etwas verloren. Die Apotheke hat eine lange und große Tradition“, bedauert Rainer Lünser, Vorsitzender der Heimatfreunde Nohfelden, deren Schließung. Schon vor geraumer Zeit haben sich die Heimatforscher auf Spurensuche begeben, in alten Dokumenten gestöbert und die Geschichte der Apotheke in Nohfelden recherchiert. Im Jahre 1824 ist ein Antrag zur Eröffnung einer dritten Apotheke im Fürstentum Birkenfeld im Amtsort Nohfelden an die Regierung gestellt worden. Wegen der Ärmlichkeit des Ortes und seiner Bewohner hat ein Gutachter zu Birkenfeld der Regierung die Ablehnung des Gesuchs empfohlen. Eine Konzession ist schließlich am 25. Mai 1842 erteilt worden.


Nach mehreren Wechseln hat Johann Gideon Schüler aus Allendorf an der Werra 1861 zum Preis von 8500 Thalern die Apotheke in der Buchwaldstraße gekauft und einen halben Monat später die Konzession erhalten, sie zu betreiben. Seit diesem Zeitpunkt befindet sich die Apotheke im Besitz der Familie Schüler. „Jahrelang war auch die Poststelle im Gebäude untergebracht“, berichtet Horst Peter, stellvertretender Vorsitzender der Nohfelder Heimatfreunde. 2011 habe die Gemeinde das Haus gekauft und 2014 abgerissen, um Bauplätze zu schaffen. Das heutige ortsbildprägende Apothekengebäude ist 1913 am Fuße der Burgruine errichtet worden. Seinerzeit sollen sich die Kosten auf 30 000 Goldmark belaufen haben, was in heutiger Währung 146 000 Euro entspricht.

Früher, zwischen 1868 und 1890, war die Apotheke bis in den Hunsrück für die Herstellung einer speziellen Salbe für Knochenschwäche von Kühen bekannt. „Viele Bestellungen sind per Post zugestellt worden, es ist eine Unmenge an Post eingegangen“, sagt Heimatforscher Lünser. In all den Jahren habe eine enge Verbindung zwischen der Bevölkerung und der Apotheke bestanden. „Nach dem Arztbesuch im Ort haben die Patienten sofort ihr Rezept einlösen können. Das am 1. April jetzt endgültig Schluss ist, ist ein Verlust für Nohfelden“, meint er.



Im Nachbarort Türkismühle wird dann die Kundschaft auch Karl-Heinz Potempa in der Hubertus-Apotheke vermissen. Er geht wie der Nohfelder Kollege in den Ruhestand, die Apotheke wird von Katharina Scheffler aus Namborn übernommen. Im Frühjahr 1972 kam Potempa aus dem Eifelort Kelberg nach Türkismühle und hat als Eigentümer 45 Jahre die Hubertus-Apotheke geführt. Über den gleichen Zeitraum war Roland Bernardon im Schreibwarenladen nebenan sein Nachbar. Im Gleichschritt verabschiedet er sich ab dem 1. April mit dem Apotheker in Pension. Sein Arbeitsplatz und Geschäftsraum wird demnächst in die Hubertus-Apotheke integriert. Im Kräutergarten wird Karl-Heinz Potempa weiterhin Führungen anbieten. „17 Termine stehen schon fest“, teilt er mit. Zudem betreibt der Fachapotheker im Kräutergarten eine Imkerei mit Bienenlehrpfad.

Anmeldung zur Führung unter E-Mail ulrike.potempagmx.de oder Telefon (0 68 52) 8 07 44.

Die Hubertus-Apotheke in Türkismühle bekommt einen neuen Inhaber. Der Schreibwarenladen (rechts) schließt für immer.
Die Hubertus-Apotheke in Türkismühle bekommt einen neuen Inhaber. Der Schreibwarenladen (rechts) schließt für immer. FOTO: Frank Faber