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Geigenvirtuose und Schnellduscher

„Timeless“ heißt das jüngste Album von David Garrett, mit dem Israel Philharmonic Orchestra und Zubin Mehta. Am Bostalsee spielt er Musik, die es von ihm noch nicht auf CD gibt. Foto: Universal
„Timeless“ heißt das jüngste Album von David Garrett, mit dem Israel Philharmonic Orchestra und Zubin Mehta. Am Bostalsee spielt er Musik, die es von ihm noch nicht auf CD gibt. Foto: Universal FOTO: Universal
Nohfelden. Star-Geiger David Garrett macht am Freitag, 26. Juni, Station am Bostalsee. Sein erstes Interview zur aktuellen Open-Air-Tour „Classic Revolution“ gab er der SZ. Beim Telefonat mit SZ-Redakteurin sprach er über seine Musik, über die Faszination der Geige und darüber, wieviel Zeit er im Bad verbringt. Melanie Mai

"Classic Revolution" heißt Ihre Tour. Wollen Sie die Klassik revolutionieren und die Masse an die Musik heranführen?

Garrett: Das will ich mir nicht anmaßen. Es ist ein schönes Programm, das ich im letzten Jahr in großen Hallen gespielt habe. Unter freiem Himmel - das hat nun einen besonderen Reiz. Es sind alles Sachen, die ich noch nicht aufgenommen habe, die es also nicht auf CD gibt. "Classic Revolution" deshalb, weil ich klassische Stücke zeitgemäß arrangiere, umgekehrt spiele ich klassische Versionen von Pop-Titeln.

Es kommen auch viele junge Leute zu Ihren Konzerten. Bekommen Sie eigentlich mit, wie die Altersstruktur ist?

Garrett: Ja, das wird mir erzählt. Von der Bühne sehe ich gar nichts, es ist, als würde ein schwarzer Vorhang vor mir hängen. Ich konzentriere mich nur auf die Musik. Was ich mitbekomme, ist die Stimmung im Publikum. Die spüre ich, und sie schwappt auf die Bühne über.

Wie schaffen Sie es, dass zu Ihren Konzerten auch Menschen kommen, die normalerweise mit Klassik nichts am Hut haben?

Garrett: Ich versuche, meine Konzerte generationengerecht zu gestalten. Ich suche Stücke aus, die mir selbst sehr gut gefallen, die Spaß machen. Zwischendurch erkläre ich auch, warum ich die Stücke ausgesucht habe. Und ich erzähle auch mal einen Schwank aus meinem Leben. Das alles soll unterhaltsam sein.

Wahrscheinlich spielt auch die Optik eine Rolle. Warum haben Sie für sich entschieden, dass ein Geiger keinen Anzug tragen muss?

Garrett: Ich will mich auf der Bühne wohl fühlen. Was wirklich zählt, das ist zu hören. Aber es ist wie im Leben: Mit dem, was man trägt, kommt auch Selbstbewusstsein. Und umgekehrt: Wenn man etwas anzieht, was einem nicht gefällt, fühlt man sich nicht wohl. Ich trage auf der Bühne, was ich auch privat trage. Es heißt nicht, dass ich gar keine Anzüge trage. Aber das ist nicht meine Welt. Hinzu kommt, dass ich so mehr Bewegungsfreiheit beim Spielen habe.

Ich komme wieder zurück auf die Optik . Verraten Sie Ihren weiblichen Fans, wieviel Zeit Sie im Bad brauchen?

Garrett: Ganz kurz, vielleicht zehn Minuten - und das mit Duschen.

Sie kombinieren gerne Klassik mit Pop - machen Sie das auch am Bostalsee ?

Garrett: Absolut. Die Besucher können sich auf ein besonderes Programm einstimmen. Ich denke, es ist eines der schönsten Programme, das ich je gespielt habe.

Sie haben mit vier Jahren eine Geige geschenkt bekommen. Warum eine Geige ? Wollten Sie das so - oder Ihre Eltern?

Garrett: Mein großer Bruder hat angefangen, Geige zu spielen. Und da wollte ich es natürlich auch.

Die Geige ist in der öffentlichen Wahrnehmung nicht das populärste Instrument. Trotzdem schaffen es immer wieder gerade Geiger, sich einen Namen außerhalb der Klassik-Szene zu machen. Warum ist das so?

Garrett: Es ist ein sehr angenehmes Instrument für die Ohren, wenn es gut gespielt wird. Andersherum ist es grauenvoll, wenn es schlecht gespielt wird. Die Tonfarbe kommt der menschlichen Stimme relativ nah. Mal abgesehen vom Klang, auch visuell passiert sehr viel. Mann kann auf der Bühne wahnsinnig viel machen. Aber ehrlich gesagt, ich habe dieses Thema noch nie so richtig analysiert.

Karten gibt es unter anderem in den Pressezentren der Saarbrücker Zeitung und unter Tel. (06 51) 9 94 11 88.