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Frischer Wind in die Bahnhofstraße

Neunkirchen. "Alles hat seine Zeit", sagen die alten Häuser in der Oberen Bahnhofstraße, und warten darauf, dass ihnen die Bagger die Fassade eindrücken. Die Häuser Nummer 2 bis 8 stehen vor ihrem Abriss. Zurzeit laufen die vorbereitenden Arbeiten. Vieles ist zu entkernen, aus- und abzuräumen Von SZ-Mitarbeiter Gerd Meiser

Neunkirchen. "Alles hat seine Zeit", sagen die alten Häuser in der Oberen Bahnhofstraße, und warten darauf, dass ihnen die Bagger die Fassade eindrücken. Die Häuser Nummer 2 bis 8 stehen vor ihrem Abriss. Zurzeit laufen die vorbereitenden Arbeiten. Vieles ist zu entkernen, aus- und abzuräumen. Gerade sind Martillotto Ferrneccio, Werner Wissig und Heinrich Neuhauser von der Firma Biehl dabei, Flächen vor den Häusern zu verdichten. Es wird noch einige Zeit ins Land gehen, bis Bagger und Fallbirne mit ihrem Werk beginnen. Amtsleiter Manfred Moser, "Herr der Häuser" in Neunkirchen, rechnet "bis Mitte Juni" bis die Häuser endgültig das Zeitliche gesegnet haben. Wo einst das berühmte Gasthaus "Einszweidrei" beheimatet war, später sich "Charly versteckte", wo die ehedem Papageien (Aras) der Apotheke Meissner den benachbarten Affen die Ohren voll quäkten, wo einst die Handelsschule Baumann etabliert war und ein Metzger seine Waren feilgeboten hat, purzeln bald Mauern in dichte Staubwolken. Stadtforscher Horst Schwenk erinnert sich noch an das aus Halbedelsteinen gebaute Modell der Felsenkirche in Idar-Oberstein im Schaufenster des Juweliers Ohlmann oder auch an das Atelier Brincourt. Wie Horst Schwenk werden viele ältere Bürger, so sie die Abrissmaßnahmen in der Oberen Bahnhofstraße wahrnehmen, mancher Gebäude und ihrer Besitzer gedenken. Jüngere erinnern sich aber noch an das Unternehmen Guillaume, Fachhaus für Reit- und Angelartikel, das hier einmal ansässig war. Jetzt greift auch hier der "selektive Rückbau" im Rahmen des "Stadtumbau West", so Bauamtsleiter Jürgen Detemple. Manfred Moser, Amtsleiter für Gebäudewirtschaft, der die Abrissmaßnahme verantwortlich überwacht (geschätzte Kosten 110 000 bis 120 000 Euro), verweist auf die Problematik dieser Maßnahmen. "Wir müssen sehr vorsichtig zu Werke gehen. Je näher wir beispielsweise dem Haus zehn kommen, umso fachmännischer muss gearbeitet werden. Die Giebelsicherung ist sehr wichtig", stellt Moser fest. Für dieses fachmännische Arbeiten ist das Abbruchunternehmen "Laubscher-Abbruchtechnik" aus Worms zuständig. Moser verweist zudem auf die notwendigen Entrümpelungs- und Entkernungsarbeiten hinter den Häusern Bahnhofstraße in Richtung Gustav-Regler-Straße, die derzeit in vollem Gange sind. Verkehrsbehinderungen aber sollen möglichst vermieden werden. Derweil ist zu erkennen, dass die Besitzer der Häuser, die überleben, um ansehnliche Fassaden bemüht sind. An einigen Bauten stehen Gerüste. Andere Häuser demonstrieren bereits ein respektables Äußere. Bis zur Realisierung der Parkfläche wird eine geschotterte Fläche nur noch vage an die alten Häuser erinnern. Diese Häuser wurden um die wende vom 19. zum 20. Jahrhundert oder in den ersten beiden Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts errichtet. Allerdings bekamen sie auch den Krieg zu spüren. Das aber ist Geschichte.



HintergrundDie Abbruchmaßnahme dürfte sich auf 110 000 bis 120 000 Euro belaufen, schätzt Amtsleiter Manfred Moser. Für die noch zu planende Grünanlage, die dann die Portalsituation der Stadt Neunkirchen in diesem Bereich wesentlich verändern wird, sind im Haushalt nochmals 100 000 Euro veranschlagt. gm