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Flüchtlingshlfe
Flüchtlingshilfe setzt auf Dialog

Die Flüchtlingshelfer Siegmar Fritsch (von links), Fatima Issa, Ulla Faber, Hubertus Wilhelm und Rosalinde Barth organisieren den Nachmittag. Diskussionen sind ausdrücklich gewünscht.
Die Flüchtlingshelfer Siegmar Fritsch (von links), Fatima Issa, Ulla Faber, Hubertus Wilhelm und Rosalinde Barth organisieren den Nachmittag. Diskussionen sind ausdrücklich gewünscht. FOTO: Melanie Mai
Nohfelden. Ein Film-Nachmittag und Gespräche im Rathaus sollen die Scheu auf beiden Seiten abbauen helfen. Von Melanie Mai

 „Alles gut“ ist der Titel eines Film, der am Samstag, 10. März, im Rathaussaal in Nohfelden gezeigt wird. Die Flüchtlingshilfe  der Gemeinde Nohfelden hatte diesen Film bereits in Kusel gesehen, auf Einladung der dortigen Bildungskoordinatorin Caitlin Strange aus Sötern. „Wir wollen Bürger anspornen, sich mit der Thematik zu befassen und Verständnis aufzubringen“, erklärt Siegmar Fritsch, Sprecher der Flüchtlingshilfe, warum sie den Film nun auch im Saarland zeigen. Der Film ist aber nicht einziger Programmpunkt der Veranstaltung, die um 15 Uhr beginnt. Vor der Vorführung kommen geflüchtete Menschen, die in der Gemeinde Nohfelden wohnen, zu Wort.  Sie erzählen unter anderem, warum sie geflüchtet sind, wie ihre ersten Eindrücke in Deutschland waren und was sie am Leben in Deutschland schätzen — oder auch nicht. Auch über ihre Zukunft werden sie sprechen: Welche Sorgen, Wünsche und Hoffnungen haben sie, wie stellen sie sich ihr künftiges Leben vor?


Bei der Auswahl der Flüchtlinge spielten vor allem die Deutschkenntnisse eine Rolle. Zu Wort kommen werden ein 14-jähriges Mädchen aus Afghanistan, ein 28-Jähriger Syrer (beide aus Sötern) und ein Ehepaar aus Syrien, das derzeit in Nohfelden lebt. Alle seien „sofort dabei gewesen“, als man sie gefragt habe, erzählt Rosalinde Barth von der Gemeinde Nohfelden. Nach einer Talkrunde wird auch Zeit für Diskussionen sein. Diese sei ausdrücklich erwünscht, sagt Hubertus Wilhelm, bei der Gemeinde zuständig für die Unterbringung der Flüchtlinge.

Die Flüchtlingshilfe gibt es seit 2015. Etwa 30 Paten kümmern sich um die Belange der Neubürger. Zunächst einmal sei es schwierig gewesen, Unterkünfte für die mehr als 200 Personen zu finden.  Das sei derzeit das geringere Problem, Auch die Integrations- und Sprachkurse seien absolviert. Jetzt gehe es vielmehr darum, die Flüchtlinge „auf das Leben vorzubereiten“, wie es Patin Ulla Faber, die auch Deutschkurse gibt, ausdrückt.  Wichtigster Punkt dabei: Arbeits- und Ausbildungsplätze finden. Von den 190 Flüchtlingen in der Gemeinde, das erzählt Barth, sind mittlerweile zwölf in Arbeit und acht in Ausbildung. Einige davon auch in der Hotellerie und Gastronomie am Bostalsee.



Ein großes Problem sei außerdem die Mobilität. Kaum ein Flüchtling habe ein Auto. „Da ist es schon ein Problem, wenn ein Gerichtstermin in Saarlouis morgens um 9 Uhr angesetzt wird“, sagt Fritsch. Was tun? In einem solchen Fall springen die Paten ein. Viele Wege legen die Flüchtlinge mit dem Fahrrad zurück. Gut angenommen werde daher auch die Fahrradwerkstatt in Sötern. „Ist ihr Rad kaputt,  bekommen die Flüchtlinge dort eine Anleitung; reparieren müssen sie aber selbst“, erklärt Fritsch.

Was zeigen sonst die Erfahrungen der Flüchtlingshilfe in der Gemeinde Nohfelden? „Die Leute werden gut aufgenommen; es gibt aber kaum echten Kontakt“, so Faber. Die Scheu auf beiden Seiten sei oft zu groß. Daher hoffen die Veranstalter, dass der Film-Nachmittag im Rathaus ein wenig dazu beiträgt, dass Kontakte geknüft werden und vielleicht Freundschaften entstehen.