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Einen Kaffee für arme Leute

Andrea Dumont in ihrem Café in der Mainzer Straße. Foto: Dietze
Andrea Dumont in ihrem Café in der Mainzer Straße. Foto: Dietze FOTO: Dietze
Saarbrücken. Man bezahlt nicht nur seinen Kaffee, sondern im Voraus auch einen für jemanden, der er es sich nicht leisten kann. Die Chefin des Hotels Kaiserhof wirbt für diese Idee und geht mit gutem Beispiel voran. Von SZ-RedakteurMartin Rolshausen

Es war gar nicht so einfach, eine gute Idee unters Volk zu bringen - bis Andrea Dumont die Idee mit der Toilette hatte. "Aufgeschobener Kaffee" - damit konnte niemand etwas anfangen. Und die Flugblätter, die Dumont im Café ihres Hotels Kaiserhof in der Mainzer Straße ausgelegt hatte, halfen auch nicht weiter. Offenbar nahm sich niemand Zeit, sie zu lesen. Bis Dumont sie auf der Toilette aufhängte.

"Dort haben die Leute Zeit zum Lesen", sagt sie. Und plötzlich fingen Gäste in den vergangenen Tagen an, das zu tun, was sie schon hätten seit November tun können: Nicht nur den Kaffee zu bezahlen, den sie selbst getrunken haben, sondern auch einen für jemanden, der ihn sich nicht leisten kann.

Aufgeschobener Kaffee - die Idee, die in einigen europäischen Städten zu funktionieren scheint, ist einfach: Man bezahlt nicht nur sein eigenes Getränk, sondern gleich eins oder zwei mehr. Diese zusätzlich bezahlten Kaffees nennt man "aufgeschoben". Sie sind vorbezahlt für Menschen, die sich keinen Kaffee leisten können. Menschen, die dann ins Café kommen und fragen, ob es aufgeschobenen Kaffee gibt.

Wenn jemand ein Frühstück oder einen Kuchen für ärmere Leute vorbezahlen will, gehe das natürlich auch, sagt Dumont. Die Spende wird neben der Kaffeemaschine notiert. Wenn jemandem eine solche Spende serviert wird, wird das einfach durchgestrichen auf dem Zettel.

Es gehe dabei nicht nur um Obdachlose, betont Dumont. Es gebe auch andere Menschen, die verschämt an einem Café oder einer Kneipe vorbeigehen, weil sie es sich nicht leisten können, sich reinzusetzen - womöglich auch Leute, denen man es nicht ansieht. Deshalb werde sie niemanden, der nach einem aufgeschobenen Kaffee oder Kuchen oder Frühstück fragt, nach einen Sozialhilfebescheid oder so etwas fragen, versichert Dumont.

Klar, da könne auch mal ein Kaffee an jemanden verschenkt werden, der ihn eigentlich bezahlen kann. Und natürlich müsse der Gast, der einen Kaffee aufschieben lässt, dem Kellner auch vertrauen. Aber Dumont ist sicher, dass das gut läuft. "Man denkt viel zu schlecht von den Menschen."

Nun sucht sie Kollegen, die auch andernorts in Saarbrücken und Umgebung bei dieser Aktion mitmachen. Vielleicht könne man ja ein einprägsames Schild gestalten, das solche Cafés und Kneipen an die Tür hängen, damit Bedürftige auch wissen, wo sie geschobene Getränke oder Speisen bekommen. Denn diese Menschen benutzen ja nicht die Toiletten der Cafés, wo sie die Hinweise in Ruhe lesen könnten.

Wirte, die mitmachen möchten, wenden sich ans Hotel Kaiserhof in Saarbrücken, Mainzer Straße 78, Tel. (06 81) 68 70 60.

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