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Ein Biergarten im Reich des mächtigen Schorschi

Neunkirchen. Lieber Neunkirchen-Neuling, wenn Du mal aus der Stadt raus willst, wird Dir der Eschweiler Hof an der Straße nach Kirkel empfohlen. Hier lebt Schorschi. Er ist einer der jüngsten von derzeit 76 Einwohnern des Eschweiler Hofes. Schorschi wurde im Januar gerade mal zwei Jahre alt Von SZ-Mitarbeiter Gerd Meiser

Neunkirchen. Lieber Neunkirchen-Neuling, wenn Du mal aus der Stadt raus willst, wird Dir der Eschweiler Hof an der Straße nach Kirkel empfohlen. Hier lebt Schorschi. Er ist einer der jüngsten von derzeit 76 Einwohnern des Eschweiler Hofes. Schorschi wurde im Januar gerade mal zwei Jahre alt. Er wiegt zwei Zentner und ist der Liebling von Inge Groß und Helge Kupplich, den beliebten Gastronomen im Gasthaus Eschweiler Hof. Vor allem Inge Groß hat Schorschi ins Herz geschlossen. Sie hat ihn groß gezogen. Poetische Typen sagen: "Sie hat ihn an ihrer Brust genährt." Als winzigen Frischling bekam sie den Schorschi von einem Spieser Jäger zur Hege und Pflege. Heute ist der Keiler Liebling der großen Gästeschar, die täglich und an Wochenende sommers wie winters seit vier Jahren zum neu eröffneten Eschweiler Hof pilgert. Allerdings kommen die Gäste nicht nur wegen Schorschi, sondern auch wegen der guten Küche, die auch im großzügig angelegten Biergarten serviert wird. Du, Neunkirchen-Neuling, wirst nicht umhinkommen, den Eschweiler Hof zu besuchen. Denn hier ist Neunkirchen am ländlichsten und sittlichsten. Hier ähnelt Neunkirchen sehr dem Schwarzwald oder dem Bayerischen Wald. Kein Wunder, dass dieser Flecken eine beachtliche Historie nachweisen kann, lieber Neunkirchen-Neuling. Helge Kupplich, nicht nur Gastronom, auch Jäger und Kenner der Geschichte des Eschweiler Hofes, bestätigt den Historiker und verweist auf Schweizer Einwanderer als die Väter des Eschweiler Hofes nach dem 30jährigen Krieg. "Es sind rechtschaffene Leute, die hier wohnen", versichert Helge Kupplich und nennt als Beispiel unter anderen die Landwirte Karl Heinz Schleppi, Karl und Karin Leibrock sowie Willi Balthasar und Erna Leibrock, die fleißigen Landwirte des Eschweiler Hofes. Ihre "Hoffeste" sind so legendär wie der Biergarten des Restaurants Eschweiler Hof im Reich des mächtigen Schorschi. Den Eschweiler Hof, lieber Neunkirchen-Anfänger, musst Du besuchen. Und sag Schorschi einen schönen Gruß. gm




HintergrundRichard Hilgers, Jahrgang 1950 und studierter Historiker, Germanist und Romanist, schreibt im Neunkircher Stadtbuch, dass im Gebiet Eschweiler Hof Überreste einer römischen Siedlung gefunden wurden. Urkundlich erwähnt wurde der Ort 1212. Er habe früher wohl Weiler des Agi oder Egi geheißen. Um 1400 wurde das Dorf verwüstet. Doch 1696 kam der Schweizer Einwanderer Nikolaus Weber und baute ihn neu auf. Fünf Jahre später bauten zwei Landsleute je ein neues Haus, so der Historiker Hilgers. Heute bilden 30 Wohnhäuser, dazu etliche Stallungen und Scheunen, den Eschweiler Hof. In ihnen leben besagte 76 Einwohner. Bis 1974 gehörte die Siedlung zur Gemeinde Kirkel. Dann "erbeutete" sie die Stadt Neunkirchen (Quelle: Neunkircher Stadtbuch). gm