| 21:08 Uhr

Ferienhaussiedlung
„Das Landschaftsbild wird total zerstört“

Der Bau der Ferienhaussiedlung in Eiweiler zerstört ein malerisches Landschaftsbild, mahnt der ehemalige Naturschutzbeauftragte Martin Rausch.
Der Bau der Ferienhaussiedlung in Eiweiler zerstört ein malerisches Landschaftsbild, mahnt der ehemalige Naturschutzbeauftragte Martin Rausch. FOTO: Frank Faber
Eiweiler. In Eiweiler soll ein Ferienhausgebiet mit mehr als 40 Häusern entstehen. Einem 83-Jährigen Anwohner passt das gar nicht. Von Frank Faber

Martin Rausch steht am Rande des Peterbergs auf einer grünen Wiese und blickt nachdenklich auf sein Heimatdorf Eiweiler. Der frühere Naturschutzbeauftragte sieht sich derzeit mit einer neuen Situation konfrontiert, die er schon einmal erlebt hat. Vor mehr als 30 Jahren hat er den Bau einer Wochenendsiedlung kritisiert, nun ist auf der gleichen Fläche das Ferienhausgebiet Sangheck geplant. Das Projekt ist Rausch ein Dorn im Auge. „Dadurch wird das Landschaftsbild total zerstört“, kritisiert er das Vorhaben.


Der 600-Einwohner-Ort sei malerisch in ein Tal eingebettet und dazu würden einfach keine 42 Ferienhäuser passen, findet Rausch. „Gegen sanften Tourismus habe ich gar nichts, doch Eiweiler soll im Zuge des Bostalsees ein ruhiger Rückzugsort bleiben“, appelliert der 83-Jährige. Rund um das Dorf seien 400 Hektar als Schutzgebiete ausgewiesen, 82 Hektar davon Natura-2000-Gebiete. „Die Fläche, die bebaut werden soll, ist kein Naturschutzgebiet“, stellt der Ex-Naturschutzbeauftragte fest. Allerdings noch viel zu jung sei der bestehende Baumbestand, der auf der Fläche abgeholzt werden müsste.

Zudem würden schwere Baumaschinen zum Einsatz kommen und einen Lohhecken-Hang niederwalzen, da die Zufahrt ins Ferienhausgebiet über die Landesstraße 326 führen soll. „Damit verschwindet der Lebensraum von der Haselmaus bis zu den Wildschweinen“, kritisiert Rausch.



Rückblick: Gut drei Jahrzehnte sind ins Land gegangen, da hat er mit Professor Heinz Quasten vom Institut für Landeskunde im Saarland an gleicher Stelle vom Peterberg auf Eiweiler heruntergeschaut. 1981 wurde der Plan für eine Siedlung mit Wochenendhäusern in der Sangheck bekannt, die ein Unternehmer aus Bliesen bauen wollte. „Schon damals war ich dagegen“, sagt Rausch. Aus dem Projekt ist nichts geworden. 1985 war Feierabend, weil es Probleme mit der Abwasserbereitung gab. „Der Querschnitt für den Abwasserkanal war zu klein“, weiß Rausch noch.

Im Dezember 2016 ist dann der seit den 1970er-Jahren gültige Bebauungsplan geändert worden, aus den Wochenendhäusern sind Ferienhäuser geworden mit einer Grundfläche von jeweils rund 60 Quadratmetern und einer überdachten Freifläche.

„Die Kommunalpolitiker wollen sich mit solchen Projekten profilieren, aber sie merken nicht, dass der Lebensraum immer mehr eingeschränkt wird“, bemängelt Rausch. Was ihm jedoch nicht einleuchtet, dafür zieht er einen Vergleich heran. Im Dorf sei nach seinen Angaben eine Anfrage für einen Bauplatz abgelehnt worden, auf der Gegenseite werde ein ganzes Tal weggemacht. „Wo ist denn da eigentlich die Logik?“, fragt sich der Senior. Ob 1981 die Wochenendhaussiedlung oder das aktuell geplante Ferienhausgebiet – deren Realisierung ist für Rausch damals wie heute ein massiver Eingriff in ein Landschaftsbild.

Der Entwurf des Bebauungsplans Ferienhausgebiet Sangheck liegt noch bis einschließlich Freitag, 19. Oktober, zur öffentlichen Einsicht im Rathaus Nohfelden aus.