| 21:29 Uhr

Der Meeresgott am Angelhaken

Neunkirchen. Eine 36 Tonnen schwere Wandscheibe in rund 20 Metern Höhe aus einer Bauruine herauszuschneiden ist kein Pappenstiel. Doch Uwe König, Geschäftsführer der Firma Laubscher Abbruchtechnik und sein Bauleiter Claudio Morrone strahlten gestern Nachmittag große Zuversicht aus. "Wir machen solch komplizierten Abbrüche schon seit 20 Jahren und haben alles gut durchdacht Von SZ-Redakteurin Heike Jungmann

Neunkirchen. Eine 36 Tonnen schwere Wandscheibe in rund 20 Metern Höhe aus einer Bauruine herauszuschneiden ist kein Pappenstiel. Doch Uwe König, Geschäftsführer der Firma Laubscher Abbruchtechnik und sein Bauleiter Claudio Morrone strahlten gestern Nachmittag große Zuversicht aus. "Wir machen solch komplizierten Abbrüche schon seit 20 Jahren und haben alles gut durchdacht." Sie waren zuversichtlich, dass der von Meeresjungfrauen begleitete Poseidon, der mit einem Dreizack auf einem Delphin reitet, unversehrt auf dem Boden der Tatsachen landen wird. Das Mosaik soll bald vor dem Kombibad Die Lakai einen neuen Platz finden und für die Nachwelt erhalten werden.Doch die großen Kräne, die zur Abtrennung der zirka acht mal sieben Meter großen Wand aus den Resten des Stadtbades unbedingt notwendig waren, ließen gestern auf sich warten. Mit rund zweistündiger Verspätung fuhren die Spezialkräne um 15 Uhr endlich vor. Sie standen auch nur am Mittwoch zur Verfügung, deshalb musste die Aktion auf jeden Fall beendet werden. Erst gegen Mitternacht, so schätzte Claudio Morrone am Abend, werde man das gewichtige Kunstwerk auf einem abgetrennten Stück des Parkplatzes ablegen können. Zuvor hatten sich Thorsten Zakreis und sein Kumpel Mario Treder von der Firma Florch Zentimeter für Zentimeter mit der hydraulikbetriebenen Betonsäge, die sie von ihrem Korb auf dem Kran mit der Fernbedienung bewegten, senkrecht durch den harten Beton gearbeitet. Bereits am Dienstag hatten sie die Kernbohrung durchgeführt, um die Ketten einzuhängen, am Morgen folgte dann der waagerechte Schnitt.Aufmerksam guckten gestern auch einige Neunkircher zu, die den Abriss des Stadtbades seit Monaten mitverfolgen. "Was das e Uffwand is", staunte Michael Seibert, der über 1500 Fotos in den vergangenen Wochen "geschossen" hat. Er hat schon den Abriss des Eisenwerks für sein privates Archiv fotografiert. So wie Karl Höfner, der mit seiner Frau Irmtraud aus Wellesweiler gekommen ist. Sie wollen den spannenden Moment mit ihrer Kamera festhalten, wenn Neunkirchen sich von einem Stück Stadtgeschichte verabschiedet.Am Morgen war bereits die Uhr am Turm in den Bauschutt gekracht. Auch die hätten viele Neunkircher Bürger gerne gerettet. Dafür wäre allerdings ein teures Gerüst nötig gewesen. Dabei betragen nach Auskunft der Stadt die Gesamtkosten für die Rettung des wertvollen Poseidon-Mosaiks bereits rund 60 000 Euro!




HintergrundDas Neunkircher Stadtbad, das im Januar 2006 wegen gravierender Schäden an der Dachkonstruktion geschlossen wurde, wird seit Herbst Stück für Stück abgerissen. Integraler Bestandteil des Bad-Gebäudes war die Kunst am Bau in Form einer aufwendigen dekorativen Ausgestaltung der Wandflächen durch Mosaiken und Kachelbilder von Karl-Heinz Grünewald, Franz Mörscher und Franz Schnei. red