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Der lange Weg zum Vorbild

Saarländische und lothringische Polizisten arbeiten eng zusammen – wie hier bei einer gemeinsamen Verkehrskontrolle in Saarbrücken-Unner. Foto: Becker&Bredel
Saarländische und lothringische Polizisten arbeiten eng zusammen – wie hier bei einer gemeinsamen Verkehrskontrolle in Saarbrücken-Unner. Foto: Becker&Bredel FOTO: Becker&Bredel
Saarbrücken. Auf dem Weg zum „französischsten aller Bundesländer“ sollen die Landespolitik und die öffentliche Verwaltung eine „Vorbildfunktion“ einnehmen – so steht es im Eckpunktepapier der Frankreich-Strategie. Die SZ hat sich umgehört: Wie französisch ist die Landesverwaltung schon heute? Und stellte fest: So genau scheint das keiner zu wissen. Von SZ-RedakteurinNora Ernst

Bei der Saar-Polizei etwa wird bislang nicht erfasst, wie viele der 3000 Beamten Französisch sprechen. "Wir gehen aber davon aus, dass viele wegen ihrer Schulbildung und aus privatem Interesse Französisch sprechen", erklärt Polizeisprecher Stephan Laßotta. Eine eigens angestellte Lehrerin bietet zudem Sprachkurse an, die laut Laßotta "sehr gut besucht" sind.

Wie viele frankophile Polizisten es auch sein mögen - grenzüberschreitende Zusammenarbeit ist seit Jahren gang und gäbe. So treffen sich die Spitzen der Polizeibehörden regelmäßig und auch vor Ort wird zusammengearbeitet. Grenznahe Dienststellen, wie etwa die Polizeiinspektion Merzig und die "Gendarmerie Nationale" in Rettel, tauschen sich häufig aus. Auch gemeinsame Einsätze, etwa Verkehrskontrollen, sind hier an der Tagesordnung.

Grenzüberschreitende Großaktionen wie jüngst im Dezember der Kontrolltag gegen Einbrecher, an dem sich Polizisten aus Rheinland-Pfalz, Luxemburg und Lothringen beteiligten, finden hingegen nur bei konkreten Anlässen statt. Als beispielsweise im Juli vergangenen Jahres in Kleinblittersdorf ein ermordeter Säugling gefunden wurde, arbeiteten deutsche und französische Ermittler eng zusammen. Denn: "Es war durchaus naheliegend, dass die Mutter in Frankreich wohnen könnte", sagt Laßotta.

Auch wie es um die Französisch-Kompetenz in den anderen Teilen der Landesverwaltung bestellt ist, wird bislang nicht erfasst. Doch künftig könnten Französischkenntnisse bei der Einstellung neuer Mitarbeiter eine Rolle spielen - so lautet zumindest die Absichtserklärung der Landesregierung. Darüber hinaus sollen alle Beschäftigten "Anspruch auf eine angemessene Aus- und Fortbildung" im Französischen haben. Schon heute haben sie die Möglichkeit, Französisch zu lernen oder ihre Kenntnisse aufzufrischen - ein gängiges Angebot seit Jahren, wie Thorsten Klein, Sprecher der Staatskanzlei erklärt. Im Jahr 2013 gab es für die rund 6000 Beschäftigten in den Ministerien, Landesämtern und den nachgeordneten Behörden insgesamt 60 Plätze in fünf Französischkursen. Genutzt wurden 32 der 60 Plätze. "Für das laufende Jahr gibt es Überlegungen für weitergehende Angebote", erklärt Klein.

Was das Kabinett betrifft, so können alle Minister mindestens grundlegende Französischkenntnisse vorweisen. Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat mit ihrem Französisch schon für Begeisterung beim französischen Botschafter gesorgt; dank wöchentlichem Sprachunterricht hat sie sich gute Französisch-Kenntnisse angeeignet. Finanzminister Stephan Toscani (CDU) spricht fließend Französisch, seine Frau ist Französin, die beiden gemeinsamen Kinder werden zweisprachig erzogen. Bildungsminister Ulrich Commerçon (SPD) trägt das Französische schon im Namen und spricht ebenfalls gut Französisch, dank Leistungskurs im Gymnasium und Urlauben in der Provence und Camargue. Die übrige Ministerriege - Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD), Innenministerin Monika Bachmann (CDU) und Sozialminister Andreas Storm (CDU) - kann nach eigenen Angaben "Schulfranzösisch" vorweisen. Umweltminister Reinhold Jost (SPD) verfügt über Grundkenntnisse, hat aber angekündigt, im Sommer einen Sprachkurs in der Provence besuchen zu wollen.

Binnen einer Generation soll die Zahl der Französisch sprechenden Landesbeschäftigten deutlich gesteigert werden. Wie das gelingen kann, dazu gibt es bislang nur Überlegungen. Die Linksfraktion hält wenig davon, Französischkenntnisse zur Einstellungsvoraussetzung zu machen - das sei "eher unrealistisch", erklärt Fraktionschef Oskar Lafontaine. Er plädiert dafür, einen "Anreiz zu schaffen" für Beamte, Französisch zu lernen.