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Bostalsee
Dauercamper und Landkreis einigen sich

Teurer Spaß: Seit Anfang des Jahres sind die Preise am Campingplatz Bostalsee deutlich erhöht worden.
Teurer Spaß: Seit Anfang des Jahres sind die Preise am Campingplatz Bostalsee deutlich erhöht worden. FOTO: Frank Faber
Türkismühle. Es bleibt dabei: 170 Euro müssen die Dauercamper am Bostalsee in diesem Jahr mehr für ihren Stellplatz hinlegen. Im Gegenzug sollen sie mehr Mitspracherecht erhalten. Das ergab eine Infoveranstaltung. Von Frank Faber

Seit Januar müssen die Dauercamper am Bostalsee höhere Entgelte bezahlen. Der Jahresstandplatz kostet nun 1160 Euro, zuvor waren es 990 Euro. Dagegen hatten sie protestiert. Vergangenen Freitag fand nun ein klärendes Gespräch zwischen dem Landkreis St. Wendel, der als Eigenbetrieb das Freizeitzentrum Bostalsee betreibt, und den Dauercampern in der Gemeinschaftsschule in Türkismühle statt. Landrat Udo Recktenwald (CDU) konnte den Ärger der Camper über die Mieterhöhung nachvollziehen, bekräftigte aber auch, dass an der Kostensteigerung nichts zu ändern sei. Dies begründete er mit der EU-Beihilferegelung, die es untersage, Defizite durch Zuschüsse öffentlicher Gelder auszugleichen. „Die öffentliche Hand darf demnach keine Angebote subventionieren, die nicht zur Daseinsvorsorge gehören und prinzipiell auch privat betrieben werden könnten“, konkretisierte der Landrat.


Seit Jahren pendelt der Jahresverlust beim „Zusatzgeschäft Bostalsee“ zwischen 1,5 und 2,5 Millionen. Auch der Campingplatz schreibt rote Zahlen. 2015 betrug das Defizit laut Landkreis etwa 435 000 Euro. „Der Platz muss ohne Defizite betrieben werden – und das geht nur durch höhere Einnahmen und niedrigere Kosten“, sagte Recktenwald. Für den defizitären Campingplatz bedeutet das, dass die Miesen ausgeglichen werden müssen, wozu eine Personaleinsparung sowie Mieterhöhungen fällig sind. „Weiter wollen wir die Zahl der Tourist-Camper erhöhen, Stornogebühren für fernbleibende Touristen und eine Benutzungsgebühr für das Duschen von externen Gästen einführen“, erklärte Recktenwald, wie Mehreinnahmen generiert werden sollen. Den an ihn herangetragenen Vorschlag, mehr Plätze für Dauercamper vorzuhalten, dadurch gleichzeitig Kräfte beim Sicherheitspersonal einzusparen, lehnte er sofort ab.

Nach Angaben des Landrates sind in den vergangenen zehn Jahren 3,5 Millionen Euro in den Campingplatz investiert worden. Der Kreistagsabgeordnete Werner Wilhelm (CDU) verwies darauf, dass der Campingplatz mit fünf Sternen (zuletzt im November 2015 vom Deutschen Tourismusverband) zertifiziert sei. Postwendend bekam er von den Dauercampern eine Mängelliste präsentiert. „Einiges ist aber den Bach runtergegangen, und es kann so nicht weitergehen“, konterte der St. Wendeler Jochen Merten, seit 2006 Dauercamper. So wurden hygienische Miss-Stände im Sanitärgebäude Süd samt Kinderdusche bemängelt. „Das haben wir schon mehrfach reklamiert, dagegen getan worden ist nichts, aber wir sollen in jedem Jahr mehr zahlen“, schallten mehrere Zwischenrufe aus den Reihen der 130 anwesenden Dauercamper dem Podium entgegen. Wilhelm und sein Kreistagskollege Heinz-Detlev Puff (SPD) erklärten, dass ihnen die Mängel bislang nicht bekannt seien.



„Wo kommt das Defizit von 400 000 Euro her? Wie setzen sich die Kosten zusammen“, wollte nicht nur Camper Merten vom Landrat wissen. Der lenkte ein und bot an, sich demnächst mit einer kleineren Gruppe zusammenzusetzen. „Viele Beschwerden kommen doch erst gar nicht beim Landrat an“, sagte Waltraud Bastuck aus Nalbach und ergänzte: „Er hat uns die Gründe für die Mieterhöhung nachvollziehbar dargelegt.“

Die Camper haben mittlerweile ein Gremium gegründet, das Beschwerden und Verbesserungsvorschläge an den Landrat übermittelt. Es verlangt außerdem Einblicke in die Finanzlage des Campingplatzes, ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis und mehr Mitspracherecht. Im Gegenzug wollen die Camper bis auf ein paar Ausnahmen die Mieterhöhung um 170 Euro für ihre Stellplätze akzeptieren. Sabine Magewirth aus Spicheren distanzierte sich von den Forderungen ihrer Nachbarn auf der Anlage. „Ich würde auch 1500 Euro bezahlen. Wichtig ist, dass kein Personal entlassen wird“, so die Französin.

Nicht nur die Dauercamper müssen ab 2018 auf dem Campingplatz am Bostalsee höhere Entgelte bezahlen. Der Sommer-Saisonstandplatz kostet nun 870 Euro statt bisher 750 Euro. Das Entgelt für einen Wohnwagen-Standplatz für Tourist-Camper erhöht sich beim Komfort-Platz von 31 Euro pro Nacht auf 36 in der Hauptsaison, beim Basis-Platz von 27 auf 32 Euro. Wer in einem Klein- und Familienzelt bis sechs Personen auf dem Campingplatz übernachtet, zahlt neun statt sieben Euro pro Nacht.

Waltraud Bastuck, hier bei der Infoveranstaltung, wird dem neu gegründeten Gremium der Dauercamper angehören.
Waltraud Bastuck, hier bei der Infoveranstaltung, wird dem neu gegründeten Gremium der Dauercamper angehören. FOTO: Frank Faber