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Das Modell und das Jesuskind

Neunkirchen. Viele Jahre hat Margarete Frick ihr Geheimnis bewahrt. Nur wenige wussten davon. Gretel Frick ist durch ihr Engagement in der traditionsreichen Karnevalsgesellschaft Neinkeijer Plätsch in Neunkirchen bestens bekannt. Mit ihrer Schwester Monika war sie schon als Kind in dem Karnevalsverein tätig Von SZ-Mitarbeiter Gerd Meiser

Neunkirchen. Viele Jahre hat Margarete Frick ihr Geheimnis bewahrt. Nur wenige wussten davon. Gretel Frick ist durch ihr Engagement in der traditionsreichen Karnevalsgesellschaft Neinkeijer Plätsch in Neunkirchen bestens bekannt. Mit ihrer Schwester Monika war sie schon als Kind in dem Karnevalsverein tätig. Auch die Eltern Herbert und Gretel Prokaska waren wesentliche Mitarbeiter im Vereinsgeschehen.Erst dieser Tage aber offenbarte Gretel Frick geborene Prokaska ihr Geheimnis. Das Jesuskind über dem ehemaligen Seitenportal der Marienkirche in der Marienstraße trägt die Gesichtszüge von Frick als Vierjähriger. Die Geschichte beginnt an einem Tag im Jahre 1954. In der Gaststätte ihres Großvaters Georg Litzenburger im Erdgeschoss des Elternhauses gegenüber der Marienkirche nimmt ein unbekannter Gast Kost und Logis. An einem der nächsten Tage bittet der fremde Gast Gretel und ihre ältere Schwester Monika, ihm Modell zu sitzen. Der Gast war der in Saarbrücken geborene Bildhauer Willi Hahn. Pastor Johannes Schmitt (von gegenüber) hatte ihn beauftragt, zum Marianischen Jahr (1954) in die Tympanons (Bogenfelder) über den vier Portalen der Marienkirche marianischen Szenen einzumeißeln. Die Szenen hatte Pastor Schmitt selbst vorgegeben. "Wie das damals genau war, weiß ich nicht mehr", verrät heute Gretel Frick der SZ, "Ich weiß nur, dass der Mann uns gebeten hat, im Opa seiner Wirtschaft Modell zu sitzen. Er malte mich und Monika. Die Zeichnung soll noch im Familienbesitz sein. Wir finden sie aber derzeit nicht." Pastor Michael Wilhelm, Kenner der Marienkirche und ihrer Geschichte, erfuhr von diesem Geheimnis der Margarete Frick von deren Mutter, Gretel Prokaska. "Schade, dass dieses wunderschöne Werk, das ein Stück Neunkirchen darstellt, so wenig beachtet wird", bemerkt Pastor Wilhelm. Und er weiß: "Unter dem Mantel Marias befinden sich verschiedene Personengruppen, darunter auch kniend ein Priester, der unverkennbar den ziemlich markanten Hochwaldkopf und die Gesichtszüge des damaligen Pastors Johannes Schmitt trägt. Aber auch der Künstler Willi Hahn hat sich dabei unter dem Mantel dargestellt."




HINTERGRUND Für das von Papst Pius XII. ausgerufene Marianische Jahr 1954 ließ Pastor Johannes Schmitt nicht nur vom Neunkircher Künstler Hans Bogler die Mariensäule gestalten, er gab dem Bildhauer Willi Hahn auch marianische Szenen für Reliefs über den Kirchenportalen in Auftrag. Über dem Hauptportal ist die Krönung Mariens mit dem Hinweis: "Veni, sponsa mea, coronaberis." Übersetzt: "Komm, meine Braut, du sollst gekrönt werden." Über dem linken Portal ist "das große Zeichen am Himmel" aus der Offenbarung zu erkennen: die Jungfrau mit dem siebenköpfigen Drachen. In der Szene ist auch der heilige Michael dargestellt. Das Relief rechts zeigt Maria inmitten der zwölf Apostel am Pfingstfest. Und dann ist da noch die Bogenfläche über dem ehemaligen Seitenportal in der Marienstraße mit der Schutzmantel-Madonna. Für den Priester verdeutlicht dieses Relief: "Der Glaube ist schützend und bergend wie ein Mantel. Jeder kann und soll Jesus in unserer Zeit sein Gesicht geben." gmAuf einen BlickHeute befindet sich anstelle der ehemaligen Wirtschaft Litzenburger ein Beerdigungsinstitut. Zudem gibt es dort ein Musikgeschäft und ein türkisches Restaurant. Enge Nachbarn gegenüber der Marienkirche waren damals die Neunkircher Druckerei, eine Hutmacherin, Gretel Fricks Großmutter, die Gaststätte Litzenburger, das Café Litzenburger und das Schmuck- und Uhrengeschäft Karl Zimmermann. gm