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Chronist holt die vergangene Zeit zurück

Dieses Bild von Max Scheler weckt Erinnerungen an die Zeit des Wiederaufbaus. Foto: Max Scheler
Dieses Bild von Max Scheler weckt Erinnerungen an die Zeit des Wiederaufbaus. Foto: Max Scheler FOTO: Max Scheler
Saarlouis. Kein Wunder, wenn sich jemand in den Bildern von Max Scheler festliest. Sind sie doch eine Zeitreise in die 50er, 60er und 70er Jahre. Eröffnet wurde die Ausstellung „Von Konrad A. bis Jackie O.“ mit Fotografien von Max Scheler im Museum Haus Ludwig in Saarlouis. Von SZ-Mitarbeiterin Jutta Stamm

Beinahe wäre Max Scheler, 1928 in Köln als Sohn des gleichnamigen Philosophen geboren, in Vergessenheit geraten. Doch Nachlassverwalter Peer-Olaf Richter, Hamburg, hatte fünf Jahre nach seinem Tod (2003) mit Freunden des Verstorbenen angefangen, dessen Werk zu sichten. Schnell wurde klar, "Ost-West war die Achse, an der Max Scheler sich abarbeitete, und Ost-West sollte auch die Spanne unserer Bildreise sein", so Richter. Von China im Osten zu den USA im Westen; als Schnittstelle in der Mitte das in Ost und West geteilte Deutschland.

2009 gab es die erste Ausstellung im Hamburger Haus der Photografie. Danach wanderte sie in andere renommierte Museen. In Saarlouis gibt es eine Besonderheit: Erstmals werden 30 von weit über 100 Aufnahmen gezeigt, die Scheler 1952 im Auftrag der Schweizer Illustrierten "Die Woche" im Saargebiet gemacht hat. Zeugnisse der Kriegszerstörung und des Wiederaufbaus wecken Erinnerungen. Scheler berührt mit einer "Bildsprache des Übergangs und der Ungewissheit", so Laudator Richter.

1941 lernt Scheler in München Herbert List kennen. Fasziniert vom Leben des reisenden Fotografen folgt er ihm, assistiert ihm, bricht sein Studium ab. Mit 22 nimmt er eine Wohnung in Paris, wird Junior-Mitglied bei "Magnum". Er zieht nach Rom, kann seine Bilder jetzt in Picture Post, Look, Life, Paris Match, Epoca, vor allem in der Münchner Illustrierten veröffentlichen.

1959 krönt er seine Karriere mit einem Ruf nach Hamburg zum stern. Dann wechselt er die Seite des Redaktionstisches, wird 1974 leitender Bildredakteur, hebt "GEO" aus der Taufe und verpasst "Merian" ein Facelifting.

Die Ausstellung ist eine Bilderreise durch drei Kontinente. Eine "undercover"-Reportage führt ihn 1967 nach China, wo er die Kulturrevolution erlebt. Schon 1956 reist er in die USA, lernt die Kennedys und Martin Luther King kennen. 1963 und 1968 werden seine Reisen zum Kondolenzbesuch.

Was macht den Fotoreporter Max Scheler zum Fotokünstler? Es sind der geschichtliche Augenblick, die einmalige Geste wie die von Adenauer, der einzigartige Gesichtsausdruck wie der von Heinemann, die kreative Einschätzung einer Szene, die Komposition wie das Bild im Bild - und seine Nähe zu den Menschen.

Bis 11. Mai. Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag, 10 bis 13 Uhr und 14 bis 17 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 14 bis 17 Uhr. Geschlossen: montags, 4. März, 18. und 22. April. Infos unter Telefonnummer (0 68 31) 12 85 40.


Im Museum Haus Ludwig ist die Ausstellung mit Werken von Max Scheler eröffnet worden. Foto: Stadt Saarlouis
Im Museum Haus Ludwig ist die Ausstellung mit Werken von Max Scheler eröffnet worden. Foto: Stadt Saarlouis FOTO: Stadt Saarlouis