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| 19:56 Uhr

Bombenjob mit Knalleffekt

Damit es beim Feuerwerk, wie hier am Sonntagabend am Bostalsee, so schön blitzt und knallt, sind viele Vorkehrungen zu treffen. FOTO: Bonenberger&Klos
Damit es beim Feuerwerk, wie hier am Sonntagabend am Bostalsee, so schön blitzt und knallt, sind viele Vorkehrungen zu treffen. FOTO: Bonenberger&Klos
Bosen. Zum Abschluss des Festes am Bostalsee gab es ein Musik-Feuerwerk. Erstmals ist das Himmelsspektakel von drei Plattformen abgeschossen worden. Die SZ hat das Experten-Team aus der Eifel bei der Arbeit begleitet. Frank Faber

Sonntagnachmittag, 17 Uhr: Fünf Pyrotechniker aus dem Eifelort Müllenbach treffen in Bosen ein. 330 Minuten Zeit hat das Team, dann soll der Himmel über dem See eine Bühne für ein Lichter-Schauspiel mit Musik werden. "Wir haben jede Menge zu tun. In diesem Jahr ist das Feuerwerk relativ aufwendig gestaltet, wir schießen erstmals von drei Plattformen ab", sagt Helmut Reuter. Seit 1991 feuert sein Unternehmen Knallkörper und Raketen am Bostalsee ab. Zuletzt gewann es 2011in Kanada den Weltmeistertitel im Bereich Musikfeuerwerk.

"Man hat schon Routine drin, aber jedes Feuerwerk ist anders, und dabei steht die Sicherheit an erster Stelle", betont der 59-Jährige. Im Laufe der Woche ist das Musikprogramm konzipiert worden, Kabel, Zundschnüre beschriftet und mit Feuerwerkskörper in Kisten verstaut worden. Abbrennplatz sind drei schwimmende Plattformen (Pontons), die zunächst an einem Steg befestigt wurden. Auf dem Boden werden unzählige gelbe Röhren (Mörser) positioniert und von Metallkonstruktionen gehalten. Aus jeder dieser Stangen ragt eine rote Schnur, ein für den Laien unübersichtliches Gewirr von gelben Schnüren verbinden diese. "Die gelben Leitungen laufen in einem Empfänger zusammen. Damit die Feuerwerkskörper in der geplanten Reihenfolge abbrennen, sind Verzögerungszünder installiert", erklärt der 22-jährige Feuerwerker und Juniorchef Patrick Reuter. 19.45 Uhr: Der Abbrennplatz ist bestückt und installiert. Dort wartet nun ein explosives Arsenal auf den Abschuss, darunter sogenannte Bomben, die 125 Millimeter stark sind. "Netto haben wir 180 Kilogramm reine Explosivsprengstoffmasse eingebaut, mit Farbe sind es dann 500 Kilogramm", sagt Patrick Reuter.

Jeder Abbrennplatz, so der 22-Jährige, habe für ihn seinen eigenen Reiz. "Am Bostalsee besteht die Möglichkeit, dass sich die Farben auf der Wasseroberfläche spiegeln", beschreibt der Experte. Dies will das Unternehmen am Himmel in diversen Farben mit Spezialeffekten wie Kometenschweife , Goldregen, Fontänen, knisternde Palmen und Sterne erzielen. Und alles muss zur Musik passen. Pyrotechniker sind zugleich Regisseure und Choreografen. "Am Anfang steht der Bostalsee, und bei uns entstehen dazu Bilder im Kopf, die wir mit Musik unterlegen wollen. Ein Musik-Feuerwerk ist eine Choreografie in Bildern", skizziert Patrick Reuter, was in ihm bei der Konzeption des Feuerwerkes vorgegangen ist. Alles ist programmiert, der Testlauf hat gepasst, doch er wirkt nervös. "Die Zeit vor und bis zum Ende des Feuerwerks ist ganz schlimm", gesteht er und zündet sich eine Zigarette an.

21.30 Uhr: Uwe Balzer und Uwe Rosenzweig von der Rettungswache rücken mit dem Boot an und schleppen die drei Pontons auf den See. "Wir haben 125er-Bomben drauf, und müssen 100 Meter vom Ufer entfernt sein. Die Pontons müssen 40 Meter auseinanderstehen", sagt Pyromann Michael Tillmann. Die Abstände legt er mittels eines Entfernungsmessers fest. Die ausgerichteten Schwimmkörper werden dann von Balzer verankert.

22.15 Uhr: Die zentrale Steuerung des Feuerwerks befindet sich an der Promenade. Helmut Reuter und der St. Wendeler Markus Knecht, der für die Beschallung zuständig ist, sind ein eingespieltes Team. Der Startschuss für jede Bombe kommt von der Musik-CD. Sie hat neben der Tonspur eine weitere Spur für die Zündungen.

22.30 Uhr: Signalraketen knallen, kurz darauf steht für elf Minuten der Himmel über dem See im Flammen, Funken sprühen und Farben explodieren im Rhythmus zur Musik.

23 Uhr: Nachprüfung sowie Sicherheitsfeststellung von Helmut Reuter und Uwe Balzer. "Es können ja Sachen übrig sein, die nicht hochgegangen sind", sagt Balzer.

23.45 Uhr: Das Team lässtsich das Feierabendbierchen schmecken.

Zum Thema:

Hintergrund Pyrotechniker ist in Deutschland kein Ausbildungsberuf, wie Patrick Reuter erklärt. Es gibt den Pflichtlehrgang Grundlagen Großfeuerwerke, den man an spreng- und chemieindustriellen Schulen besuchen kann. Um am Lehrgang für Großfeuerwerke teilnehmen zu können, muss man mindestens 21 Jahre alt sein und eine Unbedenklichkeitsbescheinigung vorlegen. Außerdem muss man bei 26 Feuerwerken als Praktikant mitgeholfen haben. frf

Zum Thema:

Auf einen Blick Die musikalische Choreografie des Musik-Feuerwerkes am Bostalsee. Einstieg: "Engel" (Rammstein ) 40 Sekunden, "Thunderstruck" (David Garett), Mittelteil: "I will always love you (Whitney Houston ), "Entre dos tierras" (Héroes del Silencio), Vorfinale: "Insomnia" (Faithless), Finale: "Hurricane 2000" (Scorpions). frf