| 22:17 Uhr

Schulden
Beneidenswertes Nohfelden

664 000 Euro sollen in den Straßenausbau fließen – das hat jüngst der Gemeinderat in Nohfelden beschlossen. Foto: Patrick Pleul/dpa
664 000 Euro sollen in den Straßenausbau fließen – das hat jüngst der Gemeinderat in Nohfelden beschlossen. Foto: Patrick Pleul/dpa FOTO: Patrick Pleul/dpa
Nohfelden. Zum vierten Mal in Folge kommt die See-Gemeinde ohne neue Schulden aus. Melanie Mai

Den größten Diskusionsstoff während der Haushaltsberatungen in der Gemeinde Nohfelden lieferte ein Projekt, das gar nicht in Nohfelden angesiedelt ist: Die geplante Sporthalle in St. Wendel. Mit Blick auf die Kreisumlage, für die die Gemeinde Nohfelden 230 000 Euro mehr als im vergangenen Jahr hinlegen muss, kritisiert der SPD-Fraktionsvorsitzende Eckhard Heylmann, "dass wir als Gemeinde unseren Teil dazu beitragen werden". Das sei nicht gerecht und unnötig, meint Heylmann. Vor allem ärgere ihn, dass das Projekt unter dem "Deckmantel Schul- und Sporthalle" verwirklicht werde. Auch Heike Kugler von den Linken stört sich an der Halle. Sie fragt sich, ob ihretwegen in den kommenden Jahren weitere Erhöhungen der Kreisumlage zu erwarten sind. "Und wir dadurch weniger Geld für andere Dinge zur Verfügung haben", fragt Kugler. Grundsätzlich gegen die Halle sei sie aber nicht.


Von Seiten der CDU gibt es Rückendeckung für die St. Wendeler Pläne. "Wenn dort nach mehr als 20 Jahren eine vernünftige Sporthalle gebaut wird, dann sollte uns das was wert sein", sagt Michael Dietz. Und Bürgermeister Andreas Veit (CDU) erinnert daran, dass die Gemeinde Nohfelden "in besonderer Weisen von den Ausgaben des Kreises profitiert". Damit spricht er die Belastungen durch den Bostalsee an. Daher rät er: "Wir sollten uns mit Kritik zurückhalten." Das sieht Heylmann anders: "Der Kreis engagiert sich am See, ja. Aber er wirbt auch damit."

Ein weiterer Diskussionspunkt war das Ortsratsbudget. Dieses solle um einen Euro pro Einwohner erhöht werden, regte Edgar Lorscheider von der UBNN an. Denn derzeit "kann der Ortsrat kaum was machen". Seinen entsprechenden Antrag lehnte der Rat bei nur zwei Ja-Stimmen und sieben Enthaltungen ab. Trotzdem stellte Veit fürs kommende Jahr "Veränderungen der Ortsrats-Budgets" in Aussicht.



Ansonsten herrschte eitel Sonnenschein im Rat. Die niedrigen Zinsen machten sich positiv im Rat bemerkbar, sagte Veit. Genau wie das sparsame Ausgabenverhalten. Es gibt aber auch negative Punkte im Haushalt: Das ist die schon erwähnte Erhöhung der Kreisumlage. Außerdem fallen die Schlüsselzuweisungen um 130 000 Euro geringer als im Vorjahr aus. Mit 900 000 Euro weniger Gewerbesteuer-Einnahmen rechnet die Gemeinde. Das habe aber einen positiven Hingergrund, wie Veit erklärte: Das hänge damit zusammen, dass viele Unternehmen erheblich investiert hätten. "Und das zeigt, dass sie an den Standort glauben."

"Wir kommen zum vierten Mal in Folge ohne neue Schulden aus", freut sich Michael Dietz. "Das ist ein Umstand, um den uns andere Gemeinden beneiden." Sinnvolle, gemeinsame Entscheidungen im Rat sowie eine sparsame Haushaltspolitik sowie stabile Einnahmen seien die Gründe für diese erfeuliche Situation. Daran gelte es fezuhalten, zumal noch immer Kassenkredite in Höhe von rund 18 Millionen zu Buche schlagen. Die Investitionen seien eine "gesunde Mischung": Die vorhandene Infrastruktur werde erhalten, neue Projekte würden geschaffen. Der Haushalt zeige, so Dietz, "dass eine solide Haushaltspolitik in keinem Widerspruch steht zu einer in die Zukunft gerichteten Investitions-Politik."

Ähnlich sieht das auch Heylmann, der sich ebenfalls zufrieden zeigt mit dem Haushalt. Einerseits betonte er die "Zeit guter Rahmenbedingungen". Er würdigte aber auch den Ferienpark am Bostalsee, der sich so positiv auf den Haushalt auswirkt, dass "wir sogar schon Gebühren senken durften". Der touristische Bereich werde auch weiter ausgebaut. 100 000 Euro werden 2017 beispielsweise für die Gestaltung des Umfeldes der Nahequelle Selbach bereit gestellt. Nohfelden sei das touristische Zentrum im Landkreis. Es sei allerdings noch nicht überall angekommen, so Heylmann, "dass wir eine Tourismusgemeinde sind".

Erfreulich sei, da sind sich die Fraktionen einig, dass ungewöhnlich viel Geld in den Ausbau der Straßen gesteckt wird, nämlich mehr als 664 000 Euro. Das ist dem Förderprogramm "Kommunale Straßen" des Landes zu verdanken, das 400 000 Euro in die Nohfelder Kassen spült. Die Investitions sei lobenwert, betonte Heylmann, teile er den Betrag allerdings durch zwölf Ortsteile, so blieben nur etwa 60 000 Euro pro Ortsteil. Und jeder im Rat wisse, wie schnell dieses Geld verbaut sei. Dennoch: "In jedem Ortsteil kann was gemacht werden, das ist gut so."

Zum Thema:

Der Nohfelder Haushalt in Zahlen Ergebnishaushalt: Der Gesamtbetrag der Erträge beläuft sich auf 16 276 304 Euro, die Aufwendungen belaufen sich auf 17 235 908 Euro. Das jahresbezogene Defizit: 959 604 Euro. Finanzhaushalt: Die Einzahlungen aus Investitionstägkeit betragen 2 166 720 Euro, die Auszahlungen 2 636 555 Euro. Neuverschuldung: Etwa 470 000 euro neue Kredite werden aufgenommen, 631 000 Euro werden getilgt. Damit hat die Gemeine etwa 161 000 Euro weniger Schulden. Der Schuldenstand zum 31. Dezember 2016 betrug 25 685 246,90 Euro. Investitionen: Neues Feuerwehrfahrzeug für den Löschbezirk Bosen-Eckelhausen (300 000 Euro), neues Dach historisches Schulgebäude Wolfersweiler (150 000 Euro), Bahnhofsumfeld Türkismühle, Restfinanzierung (500 000), Ankauf und Abriss von Gebäuden (264 000), Ankauf von Grundstücken und Erschließungskosten (500 000), barrierefreier Asubau von Bushaltestellen (760 000).