| 20:42 Uhr

Gemeinderat
80 000 Euro für den FC Selbach

So sah der Saal zu Beginn der Gemeinderatssitzung aus.
So sah der Saal zu Beginn der Gemeinderatssitzung aus. FOTO: Melanie Mai
Nohfelden. In der jüngsten Sitzung des Nohfelder Gemeinderates ging es turbulent zu. Die Finanzierung des geplanten Umbaus des Selbacher Sportplatzes führte zu Streit.

 Ein vollbesetzter Sitzungssaal, Applaus nach Redebeiträgen und eine geheime Abstimmung: Das alles zeigt die Brisanz, die hinter dem vierten Tagesordnungspunkt der Nohfelder Gemeinderatssitzung am Donnerstagabend (wir berichteten) steckte. Dabei klang „Abschluss eines Erbbaurechtsvertrages mit dem FC Selbach“ und „Gewährung eines Zuschusses“ gar nicht so spannend. Schließlich stehen diese Themen immer mal wieder auf dem Programm.


Aber dieses Mal waren CDU und SPD absolut nicht einer Meinung. Für den abwesenden SPD-Fraktionsvorsitzenden Eckhard Helymann verlas Jörg Vogt eine lange Erklärung. Vogt  erinnerte daran, dass Anfang der 2000-er-Jahre mehrere Fußballvereine in der Gemeinde ihre Hart- in Rasenplätze umbauen wollten. Alle Fußballvereine wurden befragt, eine Kommission gebildet, die den Bedarf ermittelte und eine weitere Vorgehensweise festlegte. Dazu Vogt: „In den gemeindlichen Gremien war man sich einig, dass für jede Rasensportanlage ein Zuschuss in Höhe von 50 000 Euro bereitgestellt werden sollte.“ Das allerdings nur, wenn die Plätze dann auch an die Vereine übergehen und keine weiteren Kosten mehr für die Gemeinde entstehen. Das geschieht mit  Erbbaurechtsverträgen.

Nun möchte auch  der FC Selbach seinen Hartplatz in einen Kunstrasenplatz umbauen.  Das kostet nach Angaben des Vorsitzenden Norbert Haupenthal 350 000 Euro. Er rechnet mit 75 000 von der Sportplanungskommission, 110 000 Euro würde der Verein aufbringen — ob finanziell oder in Form von Eigenleistung. Das funktioniere aber nur, wenn die Gemeinde Nohfelden einen Zuschuss in Höhe von 80 000 Euro beisteuert.  „Sobald das Geld fließt, können wir loslegen“, sagte Haupenthal.



Da hat die SPD allerdings etwas dagegen. Vogt listet im Namen Heylmanns gleich mehrere Gründe auf, die ihrer Ansicht nach dagegen sprechen. Zum einen gibt er zu bedenken, dass die anderen Vereine lediglich 50 000 Euro bekommen haben.  Außerdem erwähnte er den Sparhaushalt der Gemeinde. „Es ist beabsichtigt, die Grundsteuern für privates bebautes Besitztum erneut zu erhöhen, um den Gemeindehaushalt zu konsolidieren.“ Auch Neubaugebiete sowie Straßen  blieben aus Geldmangel auf der Strecke.  Daher sei es nicht nachzuvollziehen, einem Fußballverein 80 000 Euro zu geben. Vogt kündigte in diesem Zusammenhang an, gegen die Erhöhung der Realsteuerhebesätze zu stimmen, sollte der Zuschuss gewährt werden. Und er beantragte geheime Abstimmung.

Auch Michael Dietz von der CDU-Fraktion hatte die Geschichtsbücher gewälzt. Und herausgefunden, dass der Gemeinderat festgelegt habe, über „weitere Investitionssummen von Fall zu Fall zu entscheiden“. Schließlich sei es ein Ansinnen der Gemeinde, sich von den Sportanlagen freizukaufen. Dieses Konzept habe sich bewährt. Dietz: „Wir mussten uns hier im Rat lange nicht mehr mit Sportanlagen befassen.“ Daher sollte auch die Sportanlage des FC Selbach auf den Verein übertragen werden. Gegen die Summe hat er auch nichts einzuwenden. Schließlich seien „50 000 Euro von damals heute nicht mehr 50 000 Euro“. Dietz erinnerte außerdem an die Jugendarbeit der Fußballvereine — und die sei ohne entsprechende Plätze nicht möglich. Dazu Dietz: „Wir müssen heute froh sein für jeden, der ehrenamtliche Jugendarbeit leistet.“

Thomas Fries von der UBNN sieht in der ganzen Diskussion zu viel „Kirchturmdenken“.  Er  hält es für sinnvoll, die Plätze in Verantwortung der Vereine zu übergeben. „Aber nicht um jeden Preis“, erklärte Fries. Er könnte sich vorstellen, sich „irgendwo in der Mitte, vielleicht bei 65 000 Euro“ zu treffen.  Der jetzt zu beschließende Erbbaurechtsvertrag ist für ihn die Gelegenheit, „den Platz wegzukriegen“. Mit Blick auf die Realsteuerhebesätze sagte Fries wohl nicht ganz ernst gemeint: „Gebt dem FC Selbach 100 000 Euro, damit die SPD gegen die Steuererhöhung stimmt.“

 Heike Kugler von den Linken betonte die wichtige Jugendarbeit und die Tatsache, „dass Hartplätze heute nicht mehr das Maß der Dinge sind“.  Für ihr „Plädoyer für die 80 000 Euro“ erhielt sie langen Applaus aus dem Publikum.

Auch Christoph Schröder (CDU) aus Selbach plädierte für den Zuschuss: „Mit 50 000 Euro wird das Projekt nicht realisiert werden können.“  Und ein Rasenplatz sei das Fundament für den Erfolg der Vereine.  Dabei sprach er sich gegen eine geheime Abstimmung aus: „Wir sind alle erwachsen und alt genug — da muss jeder in der Lage sein, den Mut zu haben, in der Öffentlichkeit abzustimmen.“ Es nutzte nichts. Es gab eine geheime Abstimmung. Diese endete aber nicht im Sinne der SPD: Bei einer Enthaltung und elf Nein-Stimmen der Sozialdemokraten ging der Zuschuss an den FC Selbach durch.  Dazu Haupenthal: „Ich bin sehr, sehr glücklich.“

Was die anschließende Abstimmung zu den Realsteuerhebesätzen angeht, so gab es weitere Turbulenzen.

> Bericht folgt

Der Sitzungssaal nach Tagesordnungspunkt vier.
Der Sitzungssaal nach Tagesordnungspunkt vier. FOTO: Melanie Mai