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Trödelmarkt
Ein kleines Paradies für Trödelfans

Gut besucht war am Wochenende der Flohmarkt am Bostalsee – der letzte in diesem Jahr.
Gut besucht war am Wochenende der Flohmarkt am Bostalsee – der letzte in diesem Jahr. FOTO: Frank Faber
Bosen. Zum letzten Mal in diesem Jahr trafen sich Händler und Trödelfreunde am Bostalsee. Da wurde gestöbert und gefeilscht. Und so manche Kuriosität wechselte den Besitzer. Von Frank Faber

Tschüss, bis zum nächsten Jahr: Am Wochenende ist die Veranstaltungsserie am Bostalsee mit dem Markt für Schnäppchenjäger und Stöberfreunde für 2018 zu Ende gegangen. Mehr als 60 Händler hatten ihre Stände, Camping- oder Tapeziertische aufgebaut. Vier laufende Meter Verkaufsfläche kosteten am Samstag 22 Euro, am Sonntag fünf Euro mehr.


Durch eine neue Anordnung der Schnäppchen sind die Marktgassen auf der Festwiese am Bostalsee deutlich verbreitert worden. Der Antik- und Trödelmarkt brachte vieles aus vergangenen Zeiten aus Haushaltsauflösungen, Schränken und Dachböden zutage. „Sobald die Sonne scheint, ist der Betrieb auch gut“, sagte ein Antikhändler aus Morbach im Hunsrück. Er hatte zwei ältere Kaufhauspuppen, die in einer Kleiderabteilung an- und ausgezogen worden sind, auf einen Tisch gestellt. Sein Angebot an Oldiekram reichte bis in die 1930er-Jahre zurück. Hier eine Lötlampe, da ein Wurstabfüller, mit dem früher der Metzger den Darm füllte.

„Früher wurden hier drin die Kinder einzeln gebadet“, erklärte der Antiquitätenhändler aus Chemnitz. Die alten Zinkwannen nebst Gießkannen seien mittlerweile als Dekoration für den Garten gefragt. Vom nostalgischen Telefonapparat bis zum Henkelmann der Nationalen Volksarmee (NVA) stellte der Sachse nach eigenen Angaben etliche Raritäten aus.



Sein Standnachbar nennt sich einfach „Tant Johanna“, der einiges an uralten Schriftstücken präsentieren konnte. So wie die Auszüge aus der Rheinischen Zeitung aus dem Jahre 1843, als ein gewisser Karl Marx dort noch als Chefredakteur fungierte. Von 1812 stammt das 23. Tagblatt der Großen Armee. Als Besonderheit zeigte „Tant Johanna“ aus Bosen den Aufsatz für einen afghanischen Hirtenstab und ein Kaffeeservice aus dem Hotel Adlon in Berlin.

Die dazugehörige Kaffeemühle aus Uromas Zeiten konnte man sich an einem anderen Stand zum Preis von 20 Euro aussuchen. In einer weiteren Marktgasse waren die Hobbytrödler aneinandergereiht. Auf den ersten Blick schien es, als hätten sie ihren ganzen Hausstand angeschleppt, um damit auf einen Kunden zu warten. Flohmarkt bedeutet für sie auch ein Gespräch zu haben, für die Antikhändler geht es dagegen auch oft darum, neue Kontakte mit Menschen knüpfen zu können, die sich von ihrem überflüssigen Kram trennen wollen.

Die ausgemusterten Kaufhauspuppen verrichteten früher in der Kleiderabteilung eines Geschäftes ihren Dienst.
Die ausgemusterten Kaufhauspuppen verrichteten früher in der Kleiderabteilung eines Geschäftes ihren Dienst. FOTO: Frank Faber