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Fest
Wo die Café-Racer daheim sind

Wheels & Stones kommt an: Viel Betrieb herrschte am Wochenende bei herrlichem Sommerwetter auf dem Veranstaltungsgelände nahe Baltersweiler.
Wheels & Stones kommt an: Viel Betrieb herrschte am Wochenende bei herrlichem Sommerwetter auf dem Veranstaltungsgelände nahe Baltersweiler. FOTO: Frank Faber
Baltersweiler. Wheels & Stones-Festival lockte zahlreiche Motorrad-Liebhaber auf die Landstraße zwischen St. Wendel und Baltersweiler. Von Frank Faber

Auf zwei oder vier Rädern haben sich die Motorradfreunde am Wochenende zum Wheels & Stones-Festival auf das Hochplateau an der voll gesperrten L 132 zwischen St. Wendel und Baltersweiler aufgemacht. Es ist eine Welt für sich, wenn Tausende Biker bei einer derart großen Marken- und Typen übergreifenden Motorradveranstaltung zusammentreffen. „Der Freitag war schon die Hölle“, freut sich Christoph Gebert, Vorsitzender des 1. BSC St. Wendel (steht für die Motorradbezeichnungen Bobber, Scrambler und Café Racer), der zum dritten Mal in Zusammenarbeit mit der Stadt St. Wendel und der Gemeinde Namborn die Großveranstaltung initiiert und realisiert hat, über eine sagenhafte Besucherresonanz.


Auch alle namhaften Hersteller und Tuning-Spezialisten sind auf der Freiluftmesse vertreten. Hier tummeln sich Entwickler, Designer, Konstrukteure, Garagenschrauber im Vintage-Stil, direkt neben Sternerestaurants auf Rädern, dem Barber, Tätowierer und Lifestyle-Modemachern. Der Song „Sharp dressed man“ (zu deutsch: scharf gekleideter Mann) von der US-Band ZZ Top tönt über das Gelände. Im Parc ferme an der Straße des Friedens parken auf das Notwendigste reduzierte Café Racer, die an die revolutionäre Zweiradzeit in den 1960er-Jahren erinnern. Die Einzelteile kosten oft mehr als ein Luxusschlitten. Für die original englischen Fabrikate Triumph, Norton oder BSA muss der Liebhaber ganz tief in die Tasche greifen. Doch nicht nur die gibt es zu sehen. „Die Vielfalt der Motorräder macht das Festival so besonders“, stellt Szene-Fotografin Kati Dalek fest. Ihr Papa Reinhard zuckelt noch immer am Gasgriff. Der 72-Jährige fährt mit einer Bell Zweitakter bei der Bewegungsfahrt (Showrun) über eine Achtelmeile mit. Der Showrun mit 43 angemeldeten Bikern beginnt mit Verspätung. Weil die Lautsprecheranlage streikt, springt das Deutsche Rote Kreuz (DRK) kurzfristig mit seinem Fahrzeug für die Beschallung ein.

Oh je, ein Teilnehmer kommt auf gerader Strecke von der Asphaltpiste ab und die Bewegungsfahrt endet unverletzt für den Piloten im Bauzaun. Eben, live to ride. Denn letztendlich geht es hier vielen der Motorradfahrer darum ein beklopptes Hobby zu haben, und dabei etwas Schönes zu gestalten. Wie der Bulgare Schorsch, der mittlerweile bereits 24 Jahre an seiner Moto Guzzi rumbastelt, und die Maschine samt Zwischenergebnis beim Showrun präsentiert. Der Ex-Supermoto-Elitepilot Dirk Spaniol aus Hirzweiler hat sich vor einem Jahr aus dem aktiven Renngeschehen zurückgezogen. Der 49-Jährige betätigt sich schon seit 2012 als sogenannter Kradwandler, zwischendrin auch mal als Stuntfahrer. Bei einem Dreh für einen E-Bike-Streifen hat sich Spaniol 48 Mal vom Rad stürzen müssen. Mit seiner Maschine signiert er, umgeben von einer Qualmwolke, auf einem Rad ein Autogramm auf den Belag der Landesstraße.



In den Abendstunden stehen die dröhnenden und röhrenden Motoren still, dafür gibt es Livemusik auf die Ohren. Die Final Heat Band hat am Samstag eingeheizt, tags zuvor waren die Firebirds mit einem Benefizkonzert zugunsten des Kinderhospizdienstes Saar auf der Bühne.

Am Sonntag war Abreisetag für die Motorradfahrer. Doch schon am kommenden Samstag werden sich viele wieder auf den Weg in Richtung der Kreisstadt machen. Es geht in den Stadtteil Winterbach, dort steht am 28. und 29. Juli das achte Harley-Davidson-Treffen an. Zwei Wochen später wird es erneut nostalgisch. Vom 10. bis 12. August sind dann die historischen Rennmaschinen an der Reihe. Die MCW-Motorsporthistoriker aus St. Wendel präsentieren an dem Wochenende die sechste internationale Klassikveranstaltung im Wendelinuspark inklusive einer Stadtrundfahrt.

Nicht nur eingefleischte Supermoto-Fans kennen den Herrn, der hier ordentlich die „Schlappen qualmen“ lässt: Es ist Dirk Spaniol aus Hirzweiler.
Nicht nur eingefleischte Supermoto-Fans kennen den Herrn, der hier ordentlich die „Schlappen qualmen“ lässt: Es ist Dirk Spaniol aus Hirzweiler. FOTO: Frank Faber
Stefan Schäfer bot umgebaute BMW-Bobber an. An seinem Stand war der Name des Festivals perfekt in Szene gesetzt.
Stefan Schäfer bot umgebaute BMW-Bobber an. An seinem Stand war der Name des Festivals perfekt in Szene gesetzt. FOTO: Frank Faber
Am vergangenen Wochenende gehörte die L 138 zwischen St. Wendel und Baltersweiler komplett den Bikern.
Am vergangenen Wochenende gehörte die L 138 zwischen St. Wendel und Baltersweiler komplett den Bikern. FOTO: Frank Faber