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Stichwahl
Glückliche Gewinner und faire Verlierer

Magnus Jung
Magnus Jung FOTO: SPD-Landtagsfraktion/Tom Gundelwein
Namborn. Am Tag nach der Entscheidung lassen SPD und CDU die Stichwahl ums Namborner Bürgermeisteramt noch einmal Revue passieren. Von Sarah Konrad

Für eine Pause hat Sascha Hilpüsch keine Zeit. Viel Party, wenig Schlaf und erste Sitzungen – das Leben als frisch gewählter Bürgermeister ist ganz schön anstrengend. „Aber das bin ich ja von meinem Beruf als Polizeibeamter gewöhnt“, sagt der 47-Jährige. Er entschied am Sonntag die Stichwahl in Namborn für sich. 2460 Personen setzten ihr Kreuz bei dem Einzelbewerber. Das waren 70,8 Prozent aller abgegebenen Stimmen. „Dieses Ergebnis ist wirklich ein Traum“, schwärmt Hilpüsch am Tag nach der Entscheidung.


Obwohl er seinen Sieg bis spät in die Nacht hinein gefeiert hatte, war er am Montagmorgen schon wieder früh auf den Beinen. „Ich wurde direkt eingeladen, an der SPD-Fraktionssitzung in Saarbrücken teilzunehmen“, erzählt er. Und sein Terminplan sei auch in den kommenden Tagen gut gefüllt. „Ich muss zu Hause mal ein bisschen was erledigen“, sagt der fünffache Familienvater. In den vergangenen Wochen sei einiges liegen geblieben. Außerdem stehe ein Treffen mit Judith Jung (CDU) auf der To-Do-Liste. „Von der anderen Seite gab es einzelne Attacken. Da sind noch ein paar Vier-Augen-Gespräche zur Klärung notwendig“, sagt Hilpüsch.

Er spielt auf einen Beitrag der CDU-Kandidatin an, den sie kurz vor der Stichwahl in Facebook veröffentlicht hatte. Darin warf Jung ihrem Kontrahenten vor, in der Öffentlichkeit das Gerücht verbreitet zu haben, dass sie den Erziehungsauftrag für ihre Kindern nicht mehr erfüllen könnte, wenn sie Bürgermeisterin werden würde. Hilpüsch ärgert sich über diese Anschuldigung und deren Verbreitung im sozialen Netzwerk. „Wenn man ein Problem mit jemandem hat, sollte man das auch ansprechen. Aber das mache ich unter vier Augen. Nicht über Facebook“, erklärt Hilpüsch. Jung kontert: „Wenn jemand in der Öffentlichkeit unwahre Dinge über mich erzählt, kann ich das auch in der Öffentlichkeit dementieren.“



Für die 37-Jährige ist die Sache damit erledigt. Zwar bestätigte sie, dass es noch weitere Gespräche mit dem neu gewählten Bürgermeister geben wird. „Aber der Wahlkampf ist jetzt vorbei“, sagt Jung. Die Kulturwissenschaftlerin möchte nun wieder in ihren gewohnten Alltag starten. Jiu-Jitsu-Training, Job im Weltkulturerbe Völklinger Hütte, Gemeinderatssitzungen – das Leben gehe weiter. Und auch die politische Karriere. „Ich werde jetzt nicht alles hinschmeißen, nur weil ich keine Bürgermeisterin geworden bin“, versichert Jung. Bei den Kommunalwahlen im nächsten Jahr will sie sich wieder für den Gemeinderat aufstellen lassen. Auch dort könne sie dazu beitragen, die Gemeinde voranzubringen. „Wenn man verliert, muss man fair verlieren und trotzdem weitermachen“, erklärt Jung.

Als fairer Verlierer gibt sich auch der CDU-Kreisvorsitzende Andreas Veit. „Das Ergebnis ist ziemlich eindeutig“, sagt er. Seine Parteigenossin erzielte bei der Stichwahl nur 29,2 Prozent aller Stimmen. Ausschlaggebend dafür sind laut Veit vor allem zwei Faktoren. Zum einen habe es zwei Kandidaten aus dem Lager der CDU gegeben. Neben Jung meint er damit Konrad Haßdenteufel. Dieser hatte seinen Hut zwar für die Freie Liste Namborn in den Ring geworfen, dorthin ist er jedoch erst Anfang des Jahres gewechselt. „Das ist bei den Wählern nicht so gut angekommen“, vermutet Veit. Zum anderen sei Sascha Hilpüsch ein eingesessener Namborner, während Jung gerade mal seit ein paar Jahren in der Gemeinde lebe. „Die Wahlen zum Bürgermeister haben eine eigene Dynamik. Sie sind sehr personenorientiert“, erklärt Veit. Dennoch sei es bitter, dass selbst in CDU-Hochburgen wie Namborn und Furschweiler keine besseren Ergebnisse erreicht wurden. Vor den Kommunalwahlen müsse sich die Union daher schon Gedanken machen, wie sie sich für die Gemeinderats- und Ortsratswahlen aufstelle.

„Die CDU hat viele Fehler gemacht und dafür ihre Quittung bekommen“, kommentiert der SPD-Kreisvorsitzende Magnus Jung die Wahlschlappe der gegnerischen Partei. Diese sei schon zerstritten in den Wahlkampf gestartet und habe es bis zum Schluss nicht geschafft, eine Geschlossenheit hinzubekommen. „Die CDU-Mitglieder haben die Partei manchmal in einer selbstherrlichen Art und Weise in den Vordergrund gestellt und so viel Prominenz nach Namborn gebracht, dass die Kandidatin teilweise untergegangen ist“, findet Jung klare Worte. Er kritisiert auch den Wahlflyer der CDU. Auf dem habe Namborn, St. Wendel, Saarbrücken und Berlin gestanden. „New York hat leider gefehlt“, fügt Jung ironisch hinzu. Sascha Hilpüsch habe sich hingegen viel mehr auf die Gemeinde konzentriert und seine Flyer mit den Ortsnamen Gehweiler, Eisweiler und Hirstein bedruckt. „Das ist der Unterschied und die Leute haben dafür ein Gespür“, erklärt Jung. Hilpüsch sei bodenständig, sympathisch und natürlich. Außerdem habe er schon erfolgreiche Arbeit als Ortsvorsteher geleistet. „Es haben alle Voraussetzungen gestimmt“, erläutert Jung.

Auch Vize-Ministerpräsidentin Anke Rehlinger (SPD) ist von dem Ergebnis begeistert. Das sei ein toller Erfolg insbesondere für Sascha Hilpüsch – aber auch für die SPD. Die Sozialdemokraten haben den 47-Jährigen offiziell unterstützt, obwohl er als Einzelbewerber angetreten ist. „Sascha Hilpüsch hat einen glaubwürdigen und engagierten Wahlkampf geführt und wurde von den Bürgern belohnt“, sagt Rehlinger. Für die Gemeinde Namborn sei es gut, einen jungen Bürgermeister zu haben, der sich in den Vereinen auskenne und wisse, wie wichtig Familienpolitik ist.

Wichtig ist Sascha Hilpüsch aber auch, seine aktuellen Verpflichtungen noch gewissenhaft zu erledigen. „Im Moment bin ich erleichtert und zufrieden, wie das Ganze gelaufen ist. Aber ich bin mit dem Kopf noch nicht im Rathaus“, erzählt Hilpüsch. In den nächsten Monaten werde er weiterhin seinen Job als Polizist ausüben. Außerdem habe er als Baltersweiler Ortsvorsteher noch einige Aufgaben zu bewältigen. So stehe die Organisation des Kinderferienprogramms und des Begegnungstages im Oktober an. Bevor er am 1. Dezember das Bürgermeisteramt  übernimmt, möchte sich Hilpüsch auch noch die Arbeitsabläufe in anderen Rathäusern anschauen. „Ich will nicht unvorbereitet in meinen neuen Job starten“, betont er. Zeit für eine Pause bleibt dem Politiker also nicht.

Andreas Veit.
Andreas Veit. FOTO: Bonenberger & Klos
Die CDU-Kandidatin Judith Jung und Wahlsieger Sascha Hilpüsch im Bürgerhaus in Hofeld-Mauschbach. Dort präsentierte die Gemeindeverwaltung die einlaufenden Ergebnisse der Stichwahl auf einer Leinwand.
Die CDU-Kandidatin Judith Jung und Wahlsieger Sascha Hilpüsch im Bürgerhaus in Hofeld-Mauschbach. Dort präsentierte die Gemeindeverwaltung die einlaufenden Ergebnisse der Stichwahl auf einer Leinwand. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos