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Interview
Abschied vom erfüllten Lebenstraum

Noch die letzten Unterlagen abarbeiten, dann ist Feierabend: Namborns Bürgermeister Theo Staub räumt an diesem Freitag nach 18 Jahren im Amt seinen Schreibtisch.
Noch die letzten Unterlagen abarbeiten, dann ist Feierabend: Namborns Bürgermeister Theo Staub räumt an diesem Freitag nach 18 Jahren im Amt seinen Schreibtisch. FOTO: Thorsten Grim
Nach 18 Jahren als Verwaltungschef geht Namborns Bürgermeister Theo Staub heute in den Ruhestand. Von Thorsten Grim

Gestern leitete Theo Staub (SPD) als Bürgermeister von Namborn seine letzte Gemeinderatssitzung, heute wird er den Chefsessel im Namborner Rathaus für seinen Nachfolger Sascha Hilpüsch (SPD) frei machen. SZ-Redakteur Thorsten Grim hat den scheidenden Verwaltungschef während seiner letzten Tage im Amt interviewt.


Herr Staub, vor fast 18 Jahren haben Sie Ihren Dienst als Bürgermeister von Namborn angetreten. Können Sie sich noch an Ihren ersten Tag im Amt erinnern?

Theo Staub: Sehr gut sogar. Dazu sollte man vielleicht sagen, dass es schon 1970 – damals war ich als Mittlerer-Dienst-Anwärter des Finanzministeriums zur Fremdausbildung bei der Gemeindeverwaltung Marpingen – mein Lebenstraum war, irgendwann einmal Bürgermeister zu werden. An den ersten Tag in Namborn erinnere ich mich ganz genau. Ich bin durch das Haus gegangen, habe mich jedem vorgestellt und war einfach nur überglücklich, dass sich mein Lebenstraum erfüllt hatte. Ich habe mein Büro eingerichtet und dem Zimmer mit Bildern und Einrichtungsgegenständen eine persönliche Note gegeben.



Wie haben die Namborner den Bürgermeister „von auswärts“ empfangen?

Staub: Aufgeschlossen. Es war aber auch einfach für mich, da ich von 1980 bis 1988 beim Gemeindeprüfungsamt des Innenministeriums war und meinen Dienstsitz im St. Wendeler Landratsamt hatte. Als Prüfer war ich sechs Mal in Namborn – jedes Mal sechs Wochen lang – und kannte praktisch jeden im Rathaus. Ich konnte direkt loslegen und musste mich nicht großartig einarbeiten. Ich musste mich nur an die örtlichen Gegebenheiten anpassen.

13 Jahre haben Sie kommunale Finanzen geprüft und haben Bürgermeistern auf die Finger geschaut. Nun waren Sie plötzlich auf der anderen Seite. Wie war das für Sie?

Staub: So ganz neu war das ja nicht, da ich nach meiner Zeit als Prüfer, also von Oktober 1992 bis März 2001, geschäftsführender Beamter der Stadt Sulzbach war. Allerdings bin ich hier in eine Gemeinde gekommen, die defizitär war und ist und seit 1992 einen unausgeglichenen Haushalt hat. Aufgrund meines Wissens und der Vorkenntnisse konnte ich einiges bewegen, Zuschüsse beantragen oder andere Dinge anschieben – zum Wohle der Gemeinde. Beispielsweise haben wir aus Zinsderivaten 1,8 Millionen Euro bekommen, weil wir unsere Zinsen abgesichert haben. Übrigens konnten wir die Schulden der Kommune in den vergangenen Jahren von 24 auf 20,5 Millionen senken.

Was trieb Sie seinerzeit an, Bürgermeister von Namborn zu werden?

Staub: Der damalige Staatssekretär und heutige SR-Intendant Thomas Kleist sowie der SPD-Landtagsabgeordnete Armin Lang hatten mich sozusagen auf die Spur gesetzt, mich bestärkt und gesagt: Du kannst das. Mache einen guten Wahlkampf und dann gewinnst Du auch. Wobei der letzte Wahlkampf zeitintensiver war als der erste, weil die Leute mich da schon kannten und mir ihre Probleme schilderten. Der erste war eher ein Vorstellungswahlkampf, der letzte ein Arbeitswahlkampf. Zum ersten Wahlkampf noch eine kleine Anekdote: Eine ältere Dame sagte beim Hausbesuch zu mir: Dich wähle ich, der Mäbinger soll bleiben, wo er ist.

Wo haben Sie in Namborn wirklich etwas bewegt, wo haben Sie die Gemeinde in Ihrer Zeit als Bürgermeister nach vorne gebracht?

Staub: Alles, was ich gemacht habe, ging nur in Zusammenarbeit mit dem Gemeinderat. Und da muss ich den Räten an dieser Stelle danken, dass sie vieles mitgemacht haben, obwohl die Mehrheit ja ein anderes Parteibuch besitzt. Als ich kam, gab es das Einkaufszentrum Allerburg mit der heutigen Vielzahl von Geschäften sowie der Apotheke und dem Arzt noch nicht. Vier Neubaugebiete sind entstanden, ein kleineres wird im kommenden Jahr noch hinzukommen. Die Liebenburg wurde für mehr als 100 000 Euro aufgerüstet und die jährlichen Ritterfeste sind inzwischen fester Bestandteil unseres Dorflebens. Unsere drei Kindergärten in Namborn, Hirstein und Furschweiler wurden für rund zwei Millionen Euro saniert beziehungsweise ausgelagert. Unsere Bürgerhäuser wurden saniert, ebenso alle Friedhofshallen. Das Rad- und Wegenetz wurde ausgebaut, der Baubetriebshof erweitert, modernisiert und maschinell sowie personell aufgerüstet. Auch die interkommunale Zusammenarbeit wurde voran gebracht. In einigen Bereichen funktioniert sie schon richtig gut, etwa im Abwasserbereich, beim Standesamt, dem Forstbetrieb und demnächst bei der gemeinsamen  Grüngutsammelstelle. Und wir haben in allen Ortsteilen schnelles Internet.

Gibt es etwas, was Sie gerne noch in Angriff genommen hätten?

Staub: Es sind viele Dinge angestoßen worden, die ich nicht fertig machen kann. Etwa die Digitalisierung der Verwaltung. Ich bedauere, dass wir das interkommunale Gewerbegebiet Dommersbach mit Nohfelden und Freisen nicht hinbekommen haben. Und, dass wir in der Verwaltung aufgrund des Haushaltssanierungsplanes leider viele Stellen nicht mehr besetzen durften – was zu einer gewissen Überalterung geführt hat. Der große Teil der Mitarbeiter ist heute zwischen 55 und 60 Jahren alt. Um das in den Griff zu bekommen, wird sich mein Nachfolger etwas einfallen lassen müssen.

Apropos Nachfolger. Auf Bundesebene steckt die SPD in der tiefsten Krise ihrer Geschichte. Dennoch entschied mit Sascha Hilpüsch – auch wenn er als Einzelbewerber angetreten ist – ein Sozialdemokrat den Kampf um den Sessel des Namborner Bürgermeisters für sich. Was hat er richtig gemacht?

Staub: Sascha ist menschlich, kommt gut an und kann mit den Leuten reden. Sascha ist Ortsvorsteher, Jugendtrainer und allgemein engagiert in Ehrenämtern. Außerdem sind wir verwandt: Meine Ur-Ur-Ur-Oma stammte aus Baltersweiler. Ihr Name war Anna Maria Loch. Sie war die Tochter von Nikolaus Loch und Susanna Marx aus Baltersweiler und sie war die Ur-Ur-Ur-Ur-Oma von Sascha Hilpüsch, geborener Loch. Das Namborner Bürgermeisteramt bleibt also fest in Familienhand (lacht).

Am 29. November leiten Sie Ihre letzte Gemeinderatssitzung, tags drauf geht die Amtskette an ihren Nachfolger über. Kommt so langsam Wehmut auf?

Staub: 30 Prozent ist Wehmut, aber zu 70 Prozent freue ich mich auf den Ruhestand und mehr Zeit für meine Enkel. Ich war sehr gerne Bürgermeister von Namborn. Im Laufe der Jahre sind viele echte Freundschaften mit Mitarbeitern und Bürgern entstanden – und zwar auf Augenhöhe. Dass ich ein gutes Verhältnis zu meinen Mitarbeitern hatte, zeigt meiner Ansicht nach die Tatsache, dass ich zur Abschlussfeier nur elf Absagen bekommen habe – von 133. Das macht mich stolz und ist Anerkennung für mich.

Was macht der Pensionär Theo Staub?

Staub: So ganz in den Ruhestand werde ich mich nicht verabschieden, ich doziere ja nach wie vor an der Fachhochschule für Verwaltung sowie an der Verwaltungsschule Saarland, wo ich jeweils zwei Mal in der Woche unterrichten werde. Ansonsten werde ich mich Familie, Haus und Garten widmen. Wobei meine Frau schon Sorge hat, wenn ich den ganzen Tag daheim sein werde, weil ich ja doch immer irgendetwas unternehmen muss.

Welchen Tipp können Sie Ihrem Nachfolger geben?

Staub: Er soll nicht alles auf einmal wollen, seine Amtszeit langsam angehen und immer dran denken, dass er zum Wohl der Gemeinde da ist. Und wenn er gerade in der Anfangsphase Unterstützung braucht, soll er mich bei Bedarf einfach anrufen und von meinem Wissen Gebrauch machen.