| 20:28 Uhr

Wheels & Stones
Baltersweiler wird zum Motorrad-Mekka

Die Initiatoren des Wheels & Stones-Festivals (von links): Christoph Gebert auf seiner Honda CB 500 T (Baujahr 1978), Hans Klär mit einer Triumph-speed Tripple (Baujahr 2007) und Helmut Hassel mit seiner BMW R-75/6 ( Baujahr 1979) an der Straße der Skulpturen.
Die Initiatoren des Wheels & Stones-Festivals (von links): Christoph Gebert auf seiner Honda CB 500 T (Baujahr 1978), Hans Klär mit einer Triumph-speed Tripple (Baujahr 2007) und Helmut Hassel mit seiner BMW R-75/6 ( Baujahr 1979) an der Straße der Skulpturen. FOTO: B&K / Bonenberger/
Baltersweiler. Bis Sonntag knattert es beim Wheels & Stones-Festival. Und dabei wird das Herz eines jeden Vintage-Fans höher schlagen. Von Frank Faber

Ab diesem Freitag werden rund um die Kreisstadt St. Wendel Motorräder nicht zu übersehen und zu überhören sein. Heiße Öfen auf Alt getrimmt, zur Rennmaschine umgebaute Serienmotorräder, die als Café Racer bezeichnet werden, rollen auf der Landstraße 132 zwischen St. Wendel und Baltersweiler. Vom 20. bis 22. Juli steigt entlang und auf der Skulturenstraße (Straße des Friedens) die dritte dreitägige Ausgabe des Wheels & Stones-Motorradfestivals. „Die Veranstaltung hat sich voll etabliert, dass es so schnell gehen würde, daran haben wir auch nicht geglaubt“, sagt Christoph Gebert, Vorsitzender des BSC St. Wendel. Der Verein steht für die Motorradbezeichnungen Bobber, Scrambler und Café Racer und zählt gerade mal ein halbes Dutzend Mitglieder. „Deshalb ist die ganze Organisation und die Durchführung eine riesige Herausforderung für uns“, meint Gebert.


Verteilt über die drei Tage rechnet er mit 15 000 Besuchern, die aus halb Europa auf dem Hochplateau zwischen den steinernen Monumenten ihre Maschinen abstellen. Neben Glemseck bei Stuttgart und Biarritz in Frankreich ist Wheels & Stones das dritte große Zweirrad-Ereignis dieser Art rund ums Thema Café Racer. Den Namen hört man weniger, sieht aber täglich Bikes in diesem Stil auf den Straßen.

Und was sagt uns das? Es ist das Ergebnis eines individuellen Motorrad-Umbaues mit Fokus auf Purismus und Design, mittlerweile mit einer riesigen Fangemeinde, die sich dem Vintagestil der 60er-Jahre verpflichtet fühlt. „Mit der Retrowelle bei Motorrädern wurden vor ein paar Jahren Café Racer wieder modern“, erklärt Gebert. Die Szene repräsentierten Biker, so Gebert, die Haus und Hof bezahlt hätten und wieder zu Kindern geworden seien. „Jeder schraubt selbst an seiner Maschine, und das will er auf einem Festival dann auch zeigen“, so Gebert. Gesehen und gesehen werden.



Meist geht es bei den Maschinen mehr um Individualität und Optik, als um eine möglichst hohe Leistung. Mit dem Festival bietet der BSC auch Ausstellern und innovativen Jungunternehmern eine Plattform, die Neues und Bekanntes rund um die Retro-Motorräder, Zubehör und für das Lebensgefühl die dazugehörige trendy Mode präsentieren. Dabei sind zudem Barber, Tätowierer und alles, was in der Szene hip ist. Streetfood-Trucks stehen neben einer Feldbeckerey, Holzöfen und Smokern.

Am Samstagmittag dröhnen die Motoren bei den moderierten Show-Runs (Bewegungsfahrten) über die Achtelmeile auf dem Asphalt der gesperrten L 132. „Dabei geht es ausschließlich um die Präsentation der verschiedenen Motorräder“, stellt Gebert klar. Wie im vergangenen Jahr seien unterschiedliche Klassen geplant, sodass über einen Show-Run der beteiligten Händler, von Spezialumbauten ohne Zulassung bis hin zu einem offenen Lauf straßentauglicher Fahrzeuge ein breites Spektrum angeboten werden könne.

In den Abendstunden wird dann gerockt – und das zusätzlich für die gute Sache. Die Band Firebirds aus Saarbrücken gibt am Freitag, 20 Uhr, ein Benefizkonzert. Der Erlös kommt dem Kinderhospizdienst Saar zugute. Gegen 22.30 Uhr folgt eine DJ-Session mit HP and the Vinylators. Am Samstag, 20 Uhr, spielt die Final Heat Band, anschließend gibt es von Jörg Biedka und Rumblin KC Hits aus der Konserve.

Übrigens, der Name Café Racer ist folgendermaßen entstanden: Junge Männer trugen damals schwarze Lederjacken mit Nieten, Pins und Clubabzeichen. Zwischen ihren Beinen klemmten heiß gemachte Motorräder mit Höckersitzbank und Stummellenker, optisch an die damaligen Rennmaschinen angelehnt.

Damals, das war das England der 60er-Jahre. Die Maschinen waren mehr als nur Fortbewegungsmittel. Sie waren ein Ausdruck einer Haltung, eine Flucht aus gesellschaftlichen Zwängen. Die Männer trafen sich an Straßencafés und Truck-Stops an den Ausfallstraßen Londons. Besonders beliebt war das Ace Café in London, von wo aus die Rennen in die Umgebung starteten. Daher stammt der Name für diese Maschinen – Café Racer.