| 20:23 Uhr

Bürgermeisterwahl in Namborn
Aus dem Ruhestand in den Chefsessel

Sein Lieblingsplatz: Konrad Haßdendeufel, der sich am 27. Mai als FLN-Kandidat um das Bürgermeisteramt in Namborn bewirbt, steht vor dem Holzbackofen in Hirstein. Das Projekt haben die Hirsteiner in viel Eigenarbeit realisiert – gefördert wurde es durch Zuschüsse, die Haßdenteufel als Ortsvorsteher eingeworben hat.
Sein Lieblingsplatz: Konrad Haßdendeufel, der sich am 27. Mai als FLN-Kandidat um das Bürgermeisteramt in Namborn bewirbt, steht vor dem Holzbackofen in Hirstein. Das Projekt haben die Hirsteiner in viel Eigenarbeit realisiert – gefördert wurde es durch Zuschüsse, die Haßdenteufel als Ortsvorsteher eingeworben hat. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos
Namborn. Am 27. Mai wählen die Namborner einen neuen Bürgermeister. Konrad Haßdenteufel wirft für die Freie Liste Namborn seinen Hut in den Ring. Von Thorsten Grim

Tobias Hans (CDU), Ministerpräsident des Saarlandes, rennt mit seinem Ansatz, die Kommunen von den Lasten der Kassenkredite zu befreien, bei Konrad Haßdenteufel offene Türen ein. Denn die Schuldenlast ist für den Hirsteiner Ortsvorsteher, der antritt, um am Sonntag, 27. Mai, zum Nachfolger des Namborner Bürgermeisters Theo Staub (SPD) gewählt zu werden, die größte Baustelle seiner Heimatgemeinde. „Durch die Schulden hat Namborn überhaupt keinen Handlungsspielraum mehr. Wir sind abhängig von Schlüssel- und Bedarfszuweisungen des Landes“, analysiert Haßdenteufel die Lage. Daher müsse „die Landesregierung hingehen und uns ein bisschen Luft verschaffen“. Denn unter den aktuellen Voraussetzungen sei es nahezu unmöglich, die gesetzlichen Aufgaben, die Bund und Länder den Kommunen zugedacht haben, „mit dem bisschen Geld, das wir haben“, zu erfüllen. „Deshalb müssen wir überall Abstriche machen.“ Etwa beim Erhalt oder dem Ausbau der dörflichen Infrastruktur. Als Beispiel nennt er die Allerburg. Dort habe man am Rande des Gewerbegebietes einem Arzt einen Bauplatz für „teures Geld“ verkauft, sei aber nicht in der Lage „einen Bürgersteig dahin zu bauen. Obwohl wir schon einen Zuschuss dafür gekriegt haben“.


Überhaupt treibt das Thema Zuschüsse Haßdenteufel um. „Das ist bei uns sehr schlecht organisiert“, weiß der Beigeordnete der Gemeinde. „Es gibt so viele Zuschüsse von verschiedenen Seiten für die unterschiedlichsten Projekte – aber wir holen sie uns nicht.“ Wir, das ist in dem Fall die Gemeindeverwaltung. In Hirstein selbst laufe das anders. „Wir haben da viele Projekte angestoßen und für alle haben wir Zuschüsse erhalten.“ Etwa für das Anlegen einer Blühwiese. „Dafür haben wir 9500 Euro bekommen. Davon konnten wir Panoramabänke kaufen.“ Auch für sein Lieblingsprojekt „Hirsteiner Backofen“ floss Geld aus Förderkassen. Dazu später mehr. Zuerst möchte der 62-Jährige Polizist im Ruhestand erklären, wie er sich die Zuschuss-Beschaffung vorstellt. „Es müsste sich jemand im Rathaus auf das Thema spezialisieren, der dann die Vereine und die Verfahren begleitet.“ Sonst gingen der Gemeinde und den Vereinen Geld durch die Lappen.

In diesem Zusammenhang erzählt Haßdenteufel, dass für den Umbau der Parkplätze am Feuerwehrgerätehaus in Hirstein knapp 16 500 Euro Fördergelder flossen, – weil man sich vor Ort selbst darum gekümmert habe. Als auch am Feuerwehrgerätehaus in Namborn Umbauarbeiten anstanden, habe er vom zuständigen Fachbereichsleiter in der Gemeindeverwaltung wissen wollen, was dort an Zuschüssen eingeplant sei. „Da wurde ich gefragt: ‚Wie, Zuschüsse? Die Feuerwehr ist nicht an uns herangetreten.’“ Da sei er, Haßdenteufel, „aus allen Wolken gefallen. Wir als Gemeinde sind doch Bauherr. Woher sollen denn die Feuerwehrleute wissen, wofür es wo Gelder gibt? Daraufhin habe ich gesagt: Stellt sofort alles ein“. Das sei auch so geschehen, und Fördergeld wurde beantragt. „Dann haben sie  39 000 Euro Zuschuss bekommen. Und das ist nicht nur für eine klamme Kommune wie Namborn eine Menge Geld.“

Geld kostete auch der Bau eines Holzbackofens in Hirstein, um den herum sich inzwischen nicht nur eine echte Begegnungsstätte gebildet hat. Auch ein Verein hat sich mittlerweile gegründet, dessen Mitglieder zwischen 20 und 84 Jahre alt sind. Für den Ofenbau und die dazugehörige Anlage flossen ebenfalls Zuschüsse, die nach Ansicht Haßdenteufels gut investiertes Geld sind. Weil sich „Jung und Alt“ hier gemeinsam engagieren und gemeinsam Feste feiern. „Es ist wirklich fantastisch, was aus dieser Idee entstanden ist“, schwärmt der Hirsteiner Ortsvorsteher. Das Beispiel zeige, wie tatsächlich aus Kleinem etwas Großes entstehen könne. Und das könne in jedem der Namborner Ortsteile geschehen, wenn man Ideen entwickele und umsetze. Inzwischen sei der Holzbackofen sogar in das Tourismuskonzept des Landkreises integriert worden.

Integriert ist Haßdenteufel mittlerweile auch in seine neue politische Heimat, der Freien Liste Namborn (FLN). Dorthin ist der Polizist im Ruhestand Anfang des Jahres gewechselt, nachdem er sich in der CDU nicht wertgeschätzt gefühlt hatte. Denn obwohl er vor 20 Jahren den Ortsverein Hirstein mit aufgebaut hatte und seit zwei Jahren sogar Ortsvorsteher des politisch ehemals dunkelroten Dörfchens an der B 41 ist, wurde das Gemeinderatsmitglied bei der unionsinternen Bürgermeister-Kandidatenkür nicht berücksichtigt.



Wie sein Aus- beziehungsweise Übertritt chronologisch ablief, schildert Haßdenteufel so: Nach einem Telefonat mit der CDU-Gemeindeverbandsvorsitzende Kerstin Backes-Ternig habe man sich Ende Oktober des vergangenen Jahres getroffen, um im Vorfeld der Wahl  das Vorgehen abzustimmen und mögliches Interesse an einer Kandidatur abzuklären. Zwei Kandidaten, habe die Vorsitzende gesagt, gebe es bereits. Und auch Haßdenteufel bekundete, interessiert zu sein. „Ich hatte damals gesagt, wenn es so weit ist, werfe ich meinen Hut in den Ring.“

Im Dezember habe Backes-Ternig dann die CDU-Ortsverbandsvorsitzenden angeschrieben. Inhalt des Schreibens: „Wir sollten Kandidaten benennen.“ Haßdenteufel wurde nach eigener Aussage vom Ortsverein Eisweiler-Pinsweiler vorgeschlagen. „Und dann war am 7. Januar die Vorstandssitzung des Gemeindeverbands. Da wurde dann mitgeteilt, dass der Vorstand sich für Judith Jung ausgesprochen hatte.“ Er habe dann angemahnt, dass das doch die Mitglieder zu entscheiden hätten und nicht der Vorstand. Doch ihm sei kein Gehör geschenkt worden. „Da habe ich gesagt: Ich trete trotzdem an zur Wahl, entweder als Unabhängiger oder als Kandidat der Freien Liste.“

Eine interne Kampfabstimmung habe er nicht gewollt. Dennoch sei ihm gesagt worden, „wenn ich antrete oder kandidiere, muss sich die CDU von mir trennen“. Und so trennten sich die Wege nach der späteren Mitgliederversammlung, auf der Judith Jung, wie sich Haßdenteufel erinnert, mit 34 Stimmen von 51 anwesenden Mitgliedern – 203 hat der Gemeindeverband nach Angaben Haßdenteufels – zur Kandidatin gekürt wurde.

Nun kandidiert der Hirsteiner Ortsvorsteher also für die FLN, die ihn mit offenen Armen empfangen habe. Sollte er gewählt werden, müsste er nach derzeitigem Stand im April 2024 sein Amt niederlegen. Im Spätsommer würde dann erneut gewählt. Bis dahin müsste der Beigeordnete die Amtsgeschäfte führen. Doch bis es so weit wäre und der frühere Fußballer seinen Hut nehmen müsste, „will ich die Ortsteile nach vorne bringen. Friedhöfe, Kindergärten, Vereinsheime – das alles muss auf Vordermann gebracht werden“. Zudem müsse im Bereich Tourismus einiges geschehen. Schmugglerpfad, Liebenburg und Bildhauersymposium könnten touristische Schwergewichte im Landkreis sein, wenn sie im Namborner Rathaus eine angemessene Wertschätzung erfahren würden.

Mehr wert schätzen möchte Haßdenteufel auch Ehrenamtler – etwa bei der Feuerwehr. Ginge es nach ihm, bekämen diese für ihren gemeinnützigen Einsatz Punkte auf die Renten angerechnet. Auch einen Nachlass bei der Kraftfahrzeugsteuer könne er sich vorstellen. „Wie auch immer, das Ehrenamt muss gestärkt werden.“