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Musik
Von Kühen, Künstlern und einer Platin-Schallplatte

Erfolgreich: Seit 2009 komponiert und produziert Boris Fleck Songs im Studio in Urexweiler.
Erfolgreich: Seit 2009 komponiert und produziert Boris Fleck Songs im Studio in Urexweiler. FOTO: Frank Faber
Urexweiler. Auf Goldkurs folgt Platin: Die Musikbranche hat den Urexweiler Produzenten Boris Fleck alias Stard Ova nochmals geadelt. Für 400 000 verkaufte Singles des letztjährigen Sommerhits „Señorita“, den er zusammen mit dem Rapper Kay One und Pietro Lombardi aufgenommen hat, wurde ihm vom Bundesverband der Musikindustrie die Platin-Schallplatte verliehen. Von Frank Faber

Wahnsinn. In nur 20 Minuten rotierte das preisgekrönte Video 1000 Mal, in den ersten 48 Stunden nach der Veröffentlichung wurde es drei Millionen Mal angeklickt. 100 Streams zählen als ein Download oder verkaufte Einheit. Mittlerweile ist der Filmchen des vier Minuten langen Ohrwurms „Señorita“ 84 Millionen Mal beim Internet-Videoportal YouTube angesehen worden.


„Es ist schon unglaublich“, sagt der Musikproduzent. Komponiert und produziert hat Fleck den Song im Kellerstudio eines Wohnhauses in Urexweiler. Dort schmückt nun die Platin-Auszeichnung neben einer Goldenen Schallplatte die Wand. Die „Goldene“ hat der 32-jährige Popsound-Tüftler im September 2017 gemeinsam mit dem deutschen Rapper Kay One für die Produktion der Modern-Talking-Coverversion „Louis, Louis“ (Originaltitel „Brother Louie“) abgeräumt. Fleck selbst, im Studio Herr über 134 Tonspuren, bezeichnet sich als Autodidakt. „Im Alter von vier Jahren habe ich den ganzen Tag auf dem Klavier rumgeklimpert und eigene Melodien gespielt“, erinnert er sich. Das im Sommer 2009 gegründete Dance-Label PMR – Production-Management-Recording — entwickelte sich über die Zeit zur festen Größe im internationalen Dance-, Electro- und House-Business. Flecks musikalischen Stilrichtungen sind Pop, Rap, Hip Hop und Dance. Sänger Patrick Miller landete mit dem Titel „Dancing in London“ auf Platz 25 der deutschen Media-Control-Charts, der Künstler Mr. Da-Nos jubelte in der Schweiz über den ersten Platz in der Dance-Hitparade und das Projekt „Buena Vista Dance Club“ kam in der deutschen Ausgabe auf Platz 34. Vor gut vier Jahren war ein Remix von DJ Al Walsers Hit „I can‘t live without you“, den das Label mitproduziert hat, gar für den Musikpreis Grammy in Los Angeles nominiert.

„Seit ich in Urexweiler bin, läuft’s, meint der aus Saarbrücken stammende Herr der Tonregler. Neben dem Gründer und kreativen Kopf Fleck gehört Peter Huber, der sich unter anderem um die Rechteverwaltung und Vertragsgestaltung kümmert, zum Team. „Wir wollten Social-Media-mäßig durchstarten. Die Chart-Erfolge zeigen uns, dass wir mit unseren vielfältigen Projekten auf dem richtigen Weg sind“, freut sich Fleck, der früher als Mediengestalter beim Radiosender „bigFM Saarland“ seine Brötchen verdient hat. Und über Anfragen von Klienten, auch wenn Urexweiler nicht zu den bekanntesten Musikmetropolen in der Popwelt gehört, kann er sich nicht beschweren. „Den Künstlern, die zu uns kommen, zeige ich zuerst die Kühe“, scherzt Fleck. Bei verschiedenen Projekten habe er mit ihnen sogar die Wohnung geteilt.



„Wenn es gut läuft, sitze ich über die Komposition und Produktion eines Songs vier bis fünf Tage am Mischpult, es können aber auch zwei, drei Wochen werden. Manchmal gibt es keinen Feierabend“, berichtet er. Kürzlich hat er noch mit dem glamourösen Kölner Jetset-Ehepaar Carmen und Robert Geiss zusammengearbeitet. Aktuell will das Softpornofilm-Sternchen und YouTuberin Katja Krasavice mit Flecks Hilfe hinter dem Mikrofon als Sängerin groß rauskommen.