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Wasserschaden
Land unter in der Kita St. Michael

Die kleine Turnhalle des Kindergartens wird derzeit mit Spezialgeräten entwässert und getrocknet. Erst danach kann es mit der Sanierung weiter gehen.
Die kleine Turnhalle des Kindergartens wird derzeit mit Spezialgeräten entwässert und getrocknet. Erst danach kann es mit der Sanierung weiter gehen. FOTO: B&K / Bonenberger/
Marpingen. Ein Wasserschaden in der katholischen Kita Marpingen. Um die Kinder weiter zu betreuen, muss die Einrichtung improvisieren. Von Sarah Konrad

Ein lautes Brummen dröhnt aus der Turnhalle. Statt Spielsachen stehen große Spezialgeräte im Eingangsbereich der Kindertagesstätte (Kita) St. Michael in Marpingen. Kabel hängen von der Decke und Schläuche schlängeln sich am Boden entlang. Eine Woche nachdem sich das Wasser seinen Weg durch die Decken bahnte, ist das Erdgeschoss der Kita noch immer eine Baustelle.


Eine Katastrophe für Elke Ehring. Die Kita-Leiterin entdeckte den Schaden persönlich. „Wir machen jeden Morgen einen Rundgang und gucken, ob alles in Ordnung ist“, erzählt sie. Doch als Ehring und ihre Mitarbeiterinnen am Montag vergangener Woche einen Blick in die Turnhalle warfen, sahen sie sofort, dass etwas nicht stimmte. „Auf dem Boden stand eine riesige Wasserlache.“ Die Quelle des Übels saß ein Stockwerk höher. Dort befindet sich ein Gruppenraum samt Spüle. „Ein Schlauch war an zwei Stellen porös. Daraus ist ziemlich viel Wasser ausgetreten“, sagt Ehring. Genau genommen 10 000 Liter. Das Nass hatte ein ganzes Wochenende Zeit, sich in dem Gebäude auszubreiten. Es sickerte durch den Fußboden des Gruppenraums, staute sich im Zwischenraum der Decke und floss schließlich in die Turnhalle. Auch Teile des Bistros und des Eingangbereiches sind betroffen.

„Kurz nachdem wir den Schaden bemerkt hatten, brachte ein Vater, der Elektriker ist, seinen Jungen vorbei“, erinnert sich Ehring. Der Mann habe sofort den Strom abgestellt und dafür gesorgt, dass die Kühltruhe und andere wichtige Geräte nicht ausfielen. Er habe sozusagen die Notversorgung sicher gestellt. Von nun an arbeiteten alle Hand in Hand. „Wir haben die Eltern gebeten, ihre Kinder abzuholen“, berichtet Ehring. Letztendlich mussten nur noch fünf von insgesamt 85 Kindern in der Kita betreut werden. Dadurch hatten die Mitarbeiterinnen Zeit, das Personalzimmer als Gruppenraum herzurichten. Ein Statiker kontrollierte die Decke. Obwohl keine Einsturzgefahr bestand, entschieden die Verantwortlichen, in der Turnhalle die Gipskarton- und Schallschutzplatten rauszureißen. Auch der Boden musste weg. Die gute Nachricht: Der Boden im Raum über der Sporthalle kann bleiben. Schnell rückte zudem eine Firma mit Spezialgeräten an, um die Räume zu entwässern und zu trocknen. Ein Bauchemiker untersuchte, ob Schimmelpilz-Wachstum droht. Das Ergebnis: Derzeit besteht kein Grund zur Sorge.



Bereits 24 Stunden später war das erste Chaos beseitigt. Am Dienstagmorgen konnte der normale Betrieb in der Kita weitergehen. „Das war perfektes Krisenmanagement“, lobt Bianca Mangione, Gesamtleiterin der Katholischen Kitas im Landkreis St. Wendel. Sie kümmerte sich gleich um Unterstützung für das Team in Marpingen. „In nächster Zeit wird eine externe Erzieherin in der Kita St. Michael eingesetzt. Zwei Mitarbeiterinnen haben außerdem ihre Stundenanzahl aufgestockt“, sagt Mangione.

Auch von außerhalb sei die Hilfsbereitschaft groß gewesen. „Unsere Vorschulkinder dürfen ihre Projekte in der Grundschule durchführen. Wir haben momentan ja keinen Platz“, erzählt Ehring. Darüber hinaus stellte die Gemeinde einen Gymnastikraum direkt gegenüber der Kita zur Verfügung. Und auch der Großvater eines Kindes habe sofort geholfen, als er von dem Unglück erfuhr. „Er ist Inhaber eines Fitnessstudios und hat uns eine dicke Turnmatte gespendet. Außerdem hat er uns in seinem Studio einen Raum für unser Zumba-Projekt angeboten“, sagt Ehring.

Wie es jetzt weitergeht, sei Sache der Versicherung. „Wir gehen von einem Schaden von etwa 50 000 Euro aus“, schätzt Ehring. In den nächsten vier bis sechs Wochen werden Fachleute regelmäßig die Feuchtigkeit nachmessen und die Räume weiter trocknen. Bis die Turnhalle wieder einsatzbereit ist, vergehen wohl noch Monate. „Aber wir hoffen, dass wir das Bistro und den Gruppenraum bald nutzen können“, sagt Ehring. Die beiden Räume hätten oberste Priorität. Momentan frühstücken die Kleinen in den Gruppen und das Mittagessen wird in der Kaffeeküche serviert. „Die Mitarbeiter müssen wirklich strukturiert sein, damit hier alles läuft“, betont Ehring. Den Kindern mache der Trubel hingegen wenig aus. Sie bestaunen die großen Geräte, die Kabel und Schläuche. Die Baustelle ist für sie keine Katastrophe, sondern ein großes Abenteuer.

Hinter dieser Spüle im Gruppenraum  war ein Wasserschlauch defekt und hat den Wasserschaden verursacht.
Hinter dieser Spüle im Gruppenraum war ein Wasserschlauch defekt und hat den Wasserschaden verursacht. FOTO: B&K / Bonenberger/