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Barbaratag
„Wir müssten die Kohle für den Notfall erhalten“

Die Bergleute marschieren in Marpingen von der Kirche zur Barbarafeier in das Pfarrheim.
Die Bergleute marschieren in Marpingen von der Kirche zur Barbarafeier in das Pfarrheim. FOTO: Frank Faber
Marpingen. Bergleute feierten in mehreren Orten des Landkreises den Barbaratag. Ein Blick nach Marpingen und Eckelhausen. Von Frank Faber

Es ist ein besonderes Jahr für den Steinkohlebergbau in Deutschland. Ein paar Tage wird noch sporadisch weiter gefördert, aber Ende Dezember macht die letzte Zeche in Deutschland dicht. „Wir müssen selbst verinnerlichen, dass der Bergbau ein Ende hat. Es ist schon schade, dass der Kohleausstieg in den vergangenen Jahren so vonstatten gegangen ist“, bedauert German Eckert, Vorsitzender des katholischen Bergmannsverein Marpingen. Seit 151 Jahren begehen die Bergleute am 4. Dezember den Namenstag ihrer Schutzpatronin, der Heiligen Barbara – und das mit einer kirchlichen und weltlichen Feier.


In der Pfarrkirche Maria Himmelfahrt spricht Helmut Reiter das Einfahrtsgebet und äußert sich nach dem Gottesdienst zum Kohleausstieg. „Es ist schon so gewollt und wir müssen die Realität annehmen“, sagt der 66-Jährige, der übertage im Bergwerk gearbeitet hat. Hubert Meisberger stellt hingegen einiges infrage, was den künftigen Kohleimport in Deutschland angeht. „Bei uns ist eine Infrastruktur weggebrochen. In den USA werden in Montana ganze Wälder für die Kohlegewinnung abgeholzt, in Bolivien holen Kinder in Bergwerken die Kohle aus der Erde. Als sogenannter Rohstoff müssten wir die Kohle für den Notfall erhalten“, plädiert Meisberger.

Die Marpinger sind früher überwiegend in den Gruben Reden, Maybach und Jägersfreude eingefahren. „Der Barbaratag war der Nationalfeiertag für die Bergleute“, berichtet Hans Welter (79). Doch was wird nach dem Kohleausstieg mit dem Ehrentag der Schutzpatronin? In Nordrhein-Westfalen läuft eine Petition, damit der 4. Dezember ein Feiertag zum Gedenken an den Bergbau werden soll. Und was soll im einst vom Bergbau geprägten Saarland geschehen? „Der Bergbau darf nun nicht nur in Tradition und Folklore verloren gehen“, mahnt der Marpinger Pastor Volker Teklik. Denn die Verbindung der Menschen und der Region mit dem Bergbau sei enorm. „Die Bruderschaften und Bergmannsvereine waren die Vorläufer der späteren Gewerkschaften“, sagt der Kirchenmann. Den längst nicht mehr so gut besuchten Barbaratag wollen die Marpinger auch künftig feiern. Ein großer Barbaraumzug ist, auch wenn der Bergmannsverein aktuell noch 1850 Mitglieder zählt, längst Geschichte. Der Weg nach dem Gottesdienst führt die Bergleute ins benachbarte Pfarrheim. Vereinsvorsitzender Eckert blickt in seinem Streifzug bis zur Gründung des Bergmannsvereins im Jahre 1867 in die Vergangenheit zurück. Er berichtet von der Einführung der Bergmanns-Sterbekasse und deren Auflösung 1905. Musikalisch begleitet eine Abordnung der Musikgemeinschaft Alsweiler-Marpingen die Barbara-Feier und das Bergmanns-Lied „Glückauf, glückauf, der Steiger kommt“ erklingt und wird geschmettert. Der Klassiker aus der Zeit des Bergbaus soll nicht verstummen, die Tradition weitergeführt werden. Bei der Feier wurde deutlich, es wird nun die gesellschaftliche Aufgabe von Bergmannsvereinen und politisch Verantwortlichen sein, die einst schwere Arbeit unter Tage der jüngeren Generationen zu erklären, damit der Bergbau weiter im Gedächtnis bleibt.



Der Barbaratag wurde auch in anderen Orten im Landkreis St. Wendel begangen. So auch in Eckelhausen.  Im Gasthaus hat die Industriegewerkschaft, Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) Ortsgruppe Bosen/Eckelhausen am Dienstag den Barbaratag gefeiert. Mit dem 84-jährigen Bosener Günter Petry und Werner Finkler (87) aus Eckelhausen sind zwei ehemalige Bergleute für 60 Jahre Mitgliedschaft in der Gewerkschaft ausgezeichnet worden. Die Jubilarehrung nahm der Ortsgruppe-Vorsitzende Jürgen Baltes vor. Neben der Urkunde überreichte er beiden Senioren eine goldene Armbanduhr. In Abwesenheit wurde Jürgen Nachtwey aus Sötern für 25 Jahre geehrt. Die Ortsgruppe besteht seit 1952 und zählt aktuell 21 Mitglieder.