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Kirchliches
Gottes Wort in moderne Melodien gefasst

Sabine Müller macht eine Ausbildung zur Kantorin im Bistum Trier.
Sabine Müller macht eine Ausbildung zur Kantorin im Bistum Trier. FOTO: Müller/Bischöfliche Pressestelle
Marpingen. Am 22. September absolviert Sabine Müller aus Marpingen ihre Abschlussprüfung – dann ist sie Kantorin. Von red

Seit mehr als 30 Jahre singt Sabine Müller im Kirchenchor. Doch künftig wird sie während der Messe alleine am Ambo stehen: Die Lehrerin absolviert zurzeit beim Bistum Trier eine Ausbildung zur Vorsängerin und Kantorin. „Ich war mir anfangs unsicher, ob das wirklich etwas für mich ist, ganz alleine am Ambo zu stehen“, erzählt sie. „Das ist einfach anders als im Chor zu singen. Gesang hat für mich damit zu tun, etwas Inneres preis zu geben; es ist mehr als Noten und Worte.“ Diese Hemmschwelle stand der Ausbildung entgegen. Doch mit der Unterstützung ihrer Familie und ihres Chorleiters hat sie sich schließlich doch getraut.


Zusammen mit elf weiteren Personen aus dem ganzen Saarland hatte sie vor fast zwei Jahren den ersten Kurs – die Ausbildung zur Vorsängerin – begonnen. „Wir haben zunächst viel Theorie gelernt: Musiktheorie, Notenwerte, Töne und so weiter.“ Neben den Grundlagen der Musik erfuhren die Teilnehmer auch viel über Kirchenmusik: den Aufbau von Kirchentonarten, Liturgiegesänge und wie die Liturgie aufgebaut ist, aber auch besondere Gesänge wie Psalmen. „Das war neu für mich. Ich kannte Psalmgesänge zwar zum Teil aus dem Chor, aber die Feinheiten waren mir neu. Psalmen verkünden das Wort Gottes und sollen als solche Verkündigung auch herüberkommen. Dafür gibt es eigene Melodien, sogenannte Psalmtöne.“ Die Psalmen im Gotteslob orientieren sich stark an gregorianischer Musik, es gebe aber auch spezielle Kantorenbücher, in denen die Psalmtöne auskomponiert sind und moderner klingen, sagt Müller.

Im Laufe der Ausbildung gibt es einmal im Monat ein Seminar, zu dem sich die Teilnehmer treffen. „Während der Kurse hatten wir ungefähr 60 Minuten Theorie und die restliche Stunde haben wir zusammen gesungen.“ Auch Dirigieren gehörte zum Kurs dazu, um die übrigen Teilnehmer beim Singen anzuleiten. Zusätzlich zu den monatlichen Seminaren gibt es auch zwei Intensivwochenenden, zu denen alle Auszubildenden aus dem ganzen Bistum Trier zusammen kommen. „Alle zwei Wochen habe ich auch noch Gesangsunterricht“, erzählt die zweifache Mutter. „Mit den Frauen, die auch in dem Unterricht sind, haben wir eine kleine Schola gegründet und auch schon im Gottesdienst gesungen.“



Am 22. September hat Müller ihre Abschlussprüfung. Danach ist sie Kantorin und darf auch vom Ambo aus singen. Vorsänger stehen meist auf der Empore bei der Orgel. In der Prüfung gibt es einen schriftlichen und einen mündlichen Teil. „Wir müssen Lieder vorbereiten und vortragen, darunter auch ein Hallelujah mit einem improvisierten Teil; da müssen wir einen Text frei interpretieren, ohne vorher Melodien oder Noten zu haben.“

Die Ausbildung, aber auch das Singen in der Kirche machen ihr großen Spaß – und die Rückmeldungen bestärken sie: „Ich kriege auf die modernen Psalmtöne viele positive Reaktionen. Meine Kinder finden das cool. Mein Sohn geht dann auch mal mit in die Messe, wenn ich singe und gibt mir dann Feedback: das hast du gut gemacht, das nicht so. Und die Leute sagen, das sollte ich ruhig öfters machen.“