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Die Hilfsbereitschaft ist groß

Mohammed Swed bedankt sich bei den Besuchern im Jugendcafé für die Hilfe. Foto: Ames
Mohammed Swed bedankt sich bei den Besuchern im Jugendcafé für die Hilfe. Foto: Ames FOTO: Ames
Marpingen. Das Marpinger Netzwerk für Flüchtlinge hat sich zum ersten Mal getroffen. Im Jugendcafé Alte Mühle informierten Manuel Malter (Bürgerforum im Rathaus) und Katrin Rauber (Jugendbüro Marpingen) über die aktuelle Situation. Ihr Ziel: haupt- und ehrenamtlich Engagierte für die Hilfe für die Flüchtlinge gewinnen, die in Marpingenuntergebracht sind. Daniel Ames

Millionen von Menschen sind auf der Flucht vor Krieg und Terror. Der Strom ist längst in unseren Gemeinden angekommen. Im Marpinger Jugendcafé am Kulturzentrum zur Alten Mühle trafen sich über 50 ehrenamtlich Tätige, Interessierte sowie Vertreter der Räte und von Hilfsorganisationen wie der Caritas , Amnesty International , der Arbeiterwohlfahrt , der Stiftung Hospital, dem Jugendrotkreuz und der Kirchen. Mit ihrer Hilfe soll ein Netzwerk für Flüchtlinge aufgebaut werden. "Das Wichtigste ist die Hilfe bei der Ankunft", erklärte die Jugendbeauftragte Kathrin Rauber. Besonders Behördengänge seien für die Neuankömmlinge schwierig, weil nur wenige über Deutschkenntnisse verfügen. Fahrdienste, handwerkliche Arbeiten, Unterstützung bei technischen Problemen - all dies sei von den kommunalen Diensten alleine nicht zu stemmen. Dabei geht's auch um einfache Fragen: Wo ist der nächste Doktor? Wo kann man billig einkaufen?

Mit der Gründung eines Netzwerks soll dem Abhilfe geschaffen werden. Schon beim ersten Treffen gaben zahlreiche Bürger ihre Kontaktdaten an. Rauber: "Bisher läuft die ehrenamtliche Hilfe in unserer Gemeinde sehr gut." Aus persönlicher Ansprache sei oft spontanes Engagement entstanden. Mit dem Netzwerk soll die Hilfe gezielt über das Jugendbüro organisiert werden. Das wird auch nötig sein, da in den kommenden Monaten weitere Flüchtlinge in den Marpinger Ortsteilen ankommen werden.

Die Sorgen der Flüchtlinge beziehen sich aber nicht nur auf die Herausforderungen vor Ort. Mohammed Swed sprach zur Versammlung: "Ich bedanke mich bei den tollen Menschen von Marpingen ." Den Journalisten aus der syrischen Hauptstadt Damaskus bedrückt allerdings die Situation seiner Familie im Heimatland sehr: "Wenn ich mit meiner Mutter telefoniere, höre ich im Hintergrund die Geschosse explodieren." Nach dem Asylrecht ist es ihm nicht gestattet, seine Eltern nach Deutschland zu holen. Er hofft, dass seine Ehefrau ihm bald folgen kann, wenn er einen festen Job hat.

Derweil sind schon einige Kontakte gewachsen. Sabine Theobalt (70) aus Alsweiler hat eine syrische Mutter mit drei Söhnen in ihrer Ferienwohnung aufgenommen. "Am Anfang haben wir uns mit Handzeichen verständigt", berichtet sie. Die Flüchtlinge seien sehr dankbar; sprechen auch schon ein wenig Deutsch. Die drei sechzehn- und siebzehnjährigen Jungen spielen mittlerweile beim Fußballverein SC Eintracht.

Viele Flüchtlinge sind indes traumatisiert. Um ihnen zu helfen, wurden Kontakte mit der St. Wendeler Stiftung Hospital geknüpft. "In der Gemeinde leben momentan 27 syrische Flüchtlinge ", berichtete Manuel Malter. Im Marpinger Rathaus arbeitet er im Bereich Öffentliche Sicherheit und Ordnung und ist für die Zuweisung von Wohnungen und deren Erstausstattung für die Hilfesuchenden aus Syrien verantwortlich. Die Zuweisung erfolge nach dem Königsteiner Schlüssel. 13 Prozent der Flüchtlinge aus dem Saarland, die zunächst in Lebach untergebracht werden, kommen in den Kreis St. Wendel. 11,7 Prozent davon werden wiederum der Gemeinde Marpingen zugeteilt. In diesem Jahr werden noch zirka 70 weitere Flüchtlinge erwartet.

Es werden weiterhin Ehrenamtliche gesucht, die sich in Fahrdiensten, Sprachkurse, Begleitung auf Ämter oder handwerkliche Tätigkeiten engagieren wollen. Möglich sind Patenschaften, auch ehrenamtliche Hilfe von einigen Stunden im Monat ist willkommen. Benötigte Sachspenden sollen zukünftig auf der Internetseite der Gemeinde Marpingen veröffentlicht werden.

Informationen: Jugendbüro Marpingen , Tel. (0 68 53) 92 24 28.