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Handball
Der nächste Einsatz: Europameisterschaft

Joline Müller lenkt bei Zweitligist Trier das Spiel von der Position in der Rückraummitte aus. Nach ihrem Kreuzbandriss fehlte sie allerdings sieben Monate lang. Mit ein Grund, warum die Miezen im Tabellenkeller festhängen.
Joline Müller lenkt bei Zweitligist Trier das Spiel von der Position in der Rückraummitte aus. Nach ihrem Kreuzbandriss fehlte sie allerdings sieben Monate lang. Mit ein Grund, warum die Miezen im Tabellenkeller festhängen. FOTO: imago/Eibner / imago sportfotodienst
Mosberg-Richweiler. Sie war lange verletzt, wurde gerade noch rechtzeitig fit. Als einzige Saarländerin ist Joline Müller ab heute mit der deutschen Polizei-Nationalmannschaft bei der EM im eigenen Land am Start. Ihr Ziel: den Titel verhaften. Von Frank Faber

Nur sieben Monate nach einem Kreuzbandriss im Knie ist die saarländische Handballerin Joline Müller Mitte Februar auf das Parkett zurückgekehrt. Die 24-Jährige spielt seit 2015 für den Zweitligisten DJK/MJC Trier, zuvor war sie beim SV Zweibrücken und der DJK Marpingen.


Doch nun steht für die Kommissarin ein besonderer Fall an: In dieser Woche ist sie mit der Polizei-Nationalmannschaft bei der Europameisterschaft in Göppingen und Heiningen im Einsatz. „Bei der Europameisterschaft mitzuspielen, war meine Motivation und mein großes Ziel während der Reha. Dafür habe ich bis zu sechs Stunden am Tag ein hartes Programm absolviert“, sagt die im 350-Einwohner-Örtchen Mosberg-Richweiler wohnende Polizistin.

Nur sechs Wochen nach der Kreuzband-OP tauchte sie wieder an ihren Arbeitsplatz bei Polizei-Inspektion in Neunkirchen auf und schob Innendienst. Müller freut sich, dass ihr Knie nach der heftigen Schufterei absolut schmerzfrei ist und den Belastungen des Leistungshandballs standhält. „Mit so einer schnellen Rückkehr ins Training und den Spielbetrieb hat man nicht unbedingt rechnen können“, sagt sie strahlend.



Überhaupt dreht sich bei der im St. Wendeler Stadtteil Werschweiler beheimateten Familie Müller alles um Handball. Jolines Mutter Judith war aktive Spielerin, Papa Jürgen bis vor einem Jahr Trainer des Saarlandligisten HSG Nordsaar. Bruder Jerome steckt momentan mit Zweitligist HG Saarlouis tief im Abstiegskampf. Bei so viel Begeisterung für die Sportart ist klar, dass sich Joline auf schöne Arbeitszeiten während dieser EM-Woche freut: „Ich hoffe, dass sich mein Arbeitgeber genauso freut.“

 Denn neben bekannten Akteurinnen aus der Bundesliga ist sie die einzige Saarländerin im Aufgebot von Trainer Rudi Fritsch, der früher mit dem TuS Schutterwald in der Bundesliga spielte. Nach drei Vorbereitungslehrgängen hat er 16 Spielerinnen für die Heim-EM nominiert. Müller, mit einer Körpergröße von 1,73 Metern nicht gerade die Längste, wird auf der „Königsposition“ im linken Rückraum agieren. „Größe ist im Handball nicht alles“, stellt sie klar. Im Verein lenkt sie das Spiel von der Position in der Rückraummitte – allerdings zuletzt ohne zählbaren Erfolg. Beim Tabellenzweiten, den Kurpfalzbären, hat es am Samstag eine 19:27-Schlappe für den Liga-Elften Trier gesetzt. „Das ist abgehakt, jetzt ist EM“, betont Müller.

Und das Ziel der deutschen Polizistinnen ist ambitioniert. „Wir wollen Europameister werden, bei der letzten EM ist Deutschland Dritter geworden“, sagt Müller voller Selbstvertrauen – auch wenn sie die Leistungsstärke der ausländischen Gegnerinnen nicht einschätzen kann.

Dienstbeginn für das Polizeiteam ist am heutigen Dienstag um 10 Uhr. Im Eröffnungsspiel der Gruppe A trifft Deutschland in der Heininger Voralbhalle auf Frankreich. Danach folgen die Partien gegen die Schweiz (Mittwoch, 15 Uhr) und Ungarn (Donnerstag, 17.30 Uhr). In der Gruppe B treffen Norwegen, Dänemark, Österreich und die Niederlande aufeinander. Das Endspiel steigt am kommenden Samstag, 16 Uhr, in der Göppinger EWS-Arena. Da will Müller dabei sein und die deutsche Nationalhymne hören. Denn dann wäre der EM-Titel verhaftet – und der Einsatz „Europameisterschaft“ erfolgreich beendet.

Weitere Infos zum Team unter www.facebook.com/dpnmepm2018/

Joline Müller sieht gute Chancen für Team bei der Heim-EM.
Joline Müller sieht gute Chancen für Team bei der Heim-EM. FOTO: imago/Eibner / imago sportfotodienst