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Fiese Masche
Betrüger schaden gemeinnützigem Projekt

 Betrüger sind in Marpingen unterwegs und geben vor, Spenden für die Luftrettung zu sammeln.
Betrüger sind in Marpingen unterwegs und geben vor, Spenden für die Luftrettung zu sammeln. FOTO: dpa-tmn / Caroline Seidel
Marpingen. Die Björn Steiger Stiftung ist derzeit in Marpingen unterwegs, um Spenden zu sammeln. Gleichzeitig ziehen auch Gauner von Tür zu Tür. Von Sarah Konrad

Was hat es mit den betrügerischen Spendensammlern in Marpingen auf sich? Diese Frage kann zurzeit noch niemand beantworten. Klar ist nur: Sie verunsichern die Bürger und schaden so einem gemeinnützigen Projekt. Denn momentan sind in der Gemeinde rechtmäßig vier Männer der Björn Steiger Stiftung unterwegs, um Gelder zu akquirieren. Allerdings ziehen gleichzeitig auch Betrüger von Tür zu Tür, geben sich als Mitglieder im Rettungswesen aus und zocken ihre Opfer ab.


Das ist bereits am Donnerstag bekannt geworden. Ann-Iren Ossenbrink, Sprecherin des Allgemeinen Deutschen Automobil-Clubs (ADAC), hatte die SZ über die dubiose Drückerkolonnen informiert (wir berichteten). Demnach seien Kriminelle darauf aus, falsche Mitgliedschaften gegen Bargeld zu verkaufen oder Spenden für Luftrettungsorganisationen zu erschleichen. Sie würden falsche Infos verbreiten und ohne Scheu abkassieren. „Die wohlwollend gespendeten Gelder versickern in den dunklen Kanälen unseriöser Geschäftemacher, der gemeinnützigen Luftrettung kommt davon kein Cent zugute“, warnt der ADAC. Für die schnelle Hilfe aus der Luft seien weder Mitgliedschaften notwendig, noch entstünden den Patienten zusätzliche Kosten. „Über den Einsatz des ADAC Rettungshubschraubers Christoph 16 entscheidet generell die Rettungsleitstelle“, erklärt Ossenbrink weiter.

Bei den Marpingern ist dieser Hinweis wohl angekommen. Klingen Spendensammler an der Haustür, schrillen bei vielen jetzt die Alarmglocken. Sehr zum Leidwesen von Christian Schmidt und seinem Team. Denn sie suchen im März nach Unterstützern für ein Projekt der Björn Steiger Stiftung. Doch die Menschen würden teils ungehalten darauf reagieren. „Einige halten uns wohl für die Betrüger und sagen: ,Ihr habt doch schon mal hier geklingelt’“, schildert Schmidt seine Erfahrungen. Geldgeber zu finden, sei unter diesen Umständen schwierig.



Dabei könnten die Bürger die Mitglieder der gemeinnützigen Organisation ganz einfach von den Kriminellen unterscheiden. „Wir betreiben gar keine Luftrettung und können daher auch keine Spenden dafür sammeln“, stellt Schmidt klar. Die Stiftung möchte mit dem Geld das Projekt „Mobile Retter“ vorantreiben. „Wir wollen Schulen und Sportvereine mit sogenannten AED-Geräten (Automatisierten Externen Defibrillatoren) ausstatten und so dem Herztod den Kampf ansagen“, verkündet er. Außerdem würden die Betrüger ihren Opfern Bargeld abknöpfen. Bei der Stiftung laufe hingegen alles über Lastschriften oder Überweisungen.

Wie Schmidt weiter mitteilt, sind in Marpingen auch lediglich vier Organisations-Mitglieder im Einsatz: er selbst, Björn Krick, Peter Hess und Christian Probst. „Wir haben immer unsere Personal- und Stiftungsausweise dabei und legen diese gerne vor.“ Wer auf Nummer sicher gehen möchte, könne zusätzlich nach der offiziellen Sammelerlaubnis vom Innenministerium und der Gemeinde fragen. Die St. Wendeler Polizei bestätigte auf SZ-Nachfrage, dass diese Dokumente der Stiftung vorliegen. Weitere Hinweise auf die Betrüger hat die Polizei bisher allerdings nicht. „Wir sind erst heute durch die Meldung des ADAC auf den Sachverhalt aufmerksam geworden“, erklärt ihr Sprecher Marco Ames.

Der ADAC selbst hat es einem aufmerksamen Bürger zu verdanken, dass die Betrugsmasche unter seinem Namen aufgeflogen ist. „Ein Mann hat sich bei uns gemeldet und gesagt, dass ihm jemand eine Mitgliedschaft an der Tür verkaufen wollte“, erzählt die ADAC-Sprecherin. Da der Club keine Mitglieder auf diese Art und Weise werbe, hat sie Alarm geschlagen.

Alle Betroffenen hoffen nun, dass sich weitere Zeugen bei der Polizei melden, die Angaben zu den Betrügern machen können. Denn nur so haben die Ermittler Möglichkeit herausfinden, was es mit den dubiosen Spendensammlern auf sich hat.

Die Polizei sucht Zeugen. Wer etwas Verdächtiges beobachtet hat, kann sich wenden an Tel. (06 8 51) 89 80.