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Trickbetrug
Leichte Beute: wie Kriminelle absahnen

Betrüger, die sich als Beamte ausgeben, treiben in ganz Deutschland ihr Unwesen. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen warnt mit diesem Plakat.
Betrüger, die sich als Beamte ausgeben, treiben in ganz Deutschland ihr Unwesen. Die Polizei in Nordrhein-Westfalen warnt mit diesem Plakat. FOTO: dpa / Martin Gerten
Saarbrücken . Ob Lügen an der Haustür oder eiskalt durchgezogene Diebstähle: Verbrecher sind ständig in der Region unterwegs, um abzusahnen. Aber die Bürger können sich schützen. Und sie können der Polizei helfen, weitere Taten zu verhindern. Von Sarah Konrad

Der Rempler im Gedränge war kein Versehen, sondern ein Trick. Er sollte das Opfer, eine ältere Frau, lange genug ablenken, um sie zu bestehlen. Ein unbemerkter Griff und die Geldbörse war weg. Wieder ein Taschendiebstahl in der City. Tatort war am Donnerstag ein Geschäft an der Bahnhofstraße.


Eng geht es fast immer auch in Bussen und Bahnen zu. Das mögen Diebe, wie gleich mehrere Trickdiebstähle in Bussen der Linien 107 und 108 bewiesen.   Die Opfer stiegen ein und nahmen den Geldbeutel heraus, um zu bezahlen oder ihre Karte zu zeigen. Sie ahnten nicht, dass sie jemand beobachtete.

Sobald die Fahrgäste das Portemonnaie wieder verstaut hatten, folgte der Rempler, der Griff in den  Mantel oder in die Handtasche. „Die Täter bereichern sich feige an Menschen, die sie für hilflos halten“, sagt Mathias Biehl von der Polizeiinspektion Alt-Saarbrücken. Er  warnt davor, Geldbeutel in offenen Taschen durch die Gegend zu tragen oder Portemonnaies unbeaufsichtigt im Einkaufswagen liegen zu lassen. „Die Überwachungsanlage eines Discounters zeigte uns gestochen scharf, wie die Täterinnen ein Opfer ausspähten und nur darauf warteten, bis die Gelegenheit zum Griff in den Wagen da war.“



Biehl sagt, jeder könne Diebstähle am besten verhindern, indem er  Geldbeutel und anderes von Wert so nahe wie möglich am Körper trägt. Am besten in einer Jacke oder einem Mantel mit verschließbarer Innentasche.

Noch größeren Schaden hinterlassen oft Kriminelle, die sich unter einem Vorwand Zugang zu Wohnungen verschaffen, dort die Opfer ablenken und bestehlen. Den jüngsten schweren Fall in St. Johann gab es am 12. Januar. Zwei Frauen klingelten und sagten dem späteren Opfer, sie wollten einen Zettel für die Nachbarin hinterlassen. In der Küche lenkte eine Täterin mit dem Schreiben dieses Zettels die Hausbesitzerin ab. Die Komplizin schaute sich unterdessen in der Wohnung um und stahl Schmuck im Wert von 8000 Euro.

Und noch ein Trick, mit dem Verbrecher in der Region unterwegs sind. Tattag: 11. Dezember. Täter: zwei Männer in Arbeitskleidung. Sie gaben sich als Dachdecker aus und sagten einer Hauseigentümerin, sie hätten einen Schaden auf ihrem Dach entdeckt. Daraufhin gingen die beiden mit der Frau ins Obergeschoss. Unter einem Vorwand ging dann einer der „Dachdecker“ nach unten und durchsuchte das Haus. Als die beiden weg waren, hatten sie Schmuck im Wert von 15 000 Euro sowie 400 Euro Bargeld erbeutet. Das war einer von inzwischen sechs Fällen mit einem Gesamtschaden von 60 000 Euro (SZ vom Freitag).

Ein Experte vom Landespolizeipräsidium sagt, dass Trickdiebe und Betrüger es meist auf ältere Menschen abgesehen haben. Außerdem hätten Senioren nach wie vor großen Respekt vor Ärzten, Bänkern und Polizisten. „Dadurch fallen sie leichter auf vermeintliche Amtsträger rein“, sagt der Kommissar. Er rät, Fremden gegenüber misstrauisch zu sein und Unbekannte nicht in die Wohnung zu lassen. Und er warnt davor, an der  Haustür etwas zu kaufen oder zu unterschreiben.

„Klingelt der Mitarbeiter einer Behörde und will ins Haus, ist es nicht unhöflich, ihn nach dem Ausweis zu fragen.“ Eine weitere Möglichkeit sei es, sich direkt bei der betreffenden Behörde nach dem Besuch zu erkundigen. Es sei wichtig zu überprüfen, wer die Person ist, die einem gegenübersteht. Das gelte auch, wenn ein Handwerker vor der Tür ist, den man gar nicht bestellt hat. Der Kommissar empfiehlt, an solche Situationen mit gesundem Menschenverstand heranzugehen und auf sein Bauchgefühl zu hören. Opfer würden im Nachhinein oft zugeben, dass ihnen „irgendetwas komisch vorkam“.

Eine beliebte Masche ist der Anruf von falschen Polizisten. Die Täter teilen Senioren mit, sie könnten demnächst Opfer eines Einbruchs werden. Dann fordern die vermeintlichen Beamten, ihnen Geld oder Wertgegenstände zu übergeben. „Die Betrüger sind geschult. Sie wissen, wie sie ihr Opfer in ein Gespräch verwickeln können“, sagt der Kommissar.

Das Gespräch sei immer der erste Schritt. „Die Täter wollen das Vertrauen ihrer Opfer gewinnen.“ Davon sollte man sich jedoch nicht beeindrucken lassen. „Die Polizei würde niemals dazu auffordern, Geld oder Schmuck herauszugeben“, betont der Kommissar. Generell gelte: nie am Telefon Auskunft über persönliche Daten geben und sich nicht unter Druck setzen lassen „Wenn man sich nicht sicher ist, sollte man einfach auflegen.“