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Regionalentwicklung
Die Dörfer fit machen für die Zukunft

Wie können die Dörfer auch in Zukunft attraktiv bleiben? Antworten auf diese Frage werden im Projekt Landaufschwung gesucht. Unser Archivfoto zeigt den Nohfelder Ortsteil Eiweiler.
Wie können die Dörfer auch in Zukunft attraktiv bleiben? Antworten auf diese Frage werden im Projekt Landaufschwung gesucht. Unser Archivfoto zeigt den Nohfelder Ortsteil Eiweiler. FOTO: Bonenberger & Klos / B&K
St. Wendel. Rund um das Thema Landaufschwung tagten in St. Wendel die Vertreter von 13 Modellregionen. Im Mittelpunkt stand dabei der Erfahrungsaustausch. Von Volker Fuchs

Sie vertreten 13 Landkreise in Deutschland, von Vorpommern-Rügen ganz im Norden über Mittelsachsen im Osten, Sigmaringen im Süden, aber auch Neunkirchen und St. Wendel im Südwesten. Ihre 13 Landkreise nehmen seit Mitte 2015 am Modellvorhaben „Landaufschwung“ des Bundeslandwirtschaftsministeriums teil. Dabei geht es um die Zukunft des ländlichen Raumes.


Und sie treffen sich regelmäßig in einer der Modellregionen zum Erfahrungsaustausch. So seit Dienstagabend in St. Wendel. Rund 40 Projektmitarbeiter tagten bei ihrem siebten Vernetzungstreffen bis Donnerstag im Unternehmer- und Technologiezentrum (UTZ) in der Kreisstadt. Bei dem Bundesprogramm Landaufschwung geht es darum,  strukturschwachen ländlichen Regionen zu helfen, mit dem demografischen Wandel vor Ort besser umzugehen, die Wertschöpfung in der Region zu erhöhen und die Beschäftigung zu sichern.  Regionale Daseinsvorsorge also.

2,25 Millionen Euro stehen jedem der ausgewählten Landkreise bis Ende 2019 für verschiedene Projekte zur Verfügung. Dabei geht es auch darum, zu erkunden, welche Vorhaben letztlich  erfolgreich sind und auch von anderen übernommen werden können.



Bei den Vernetzungstreffen der 13 Regionen stehen der Erfahrungs- und Wissensaustausch im Vordergrund. Das betonte ebenso  der St. Wendeler Landrat Udo Recktenwald am Mittwochmorgen: „Das Vernetzungstreffen dient auch dazu, voneinander zu lernen und  über den Tellerrand hinauszublicken.“

So stellten die Vertreter der Regionen an beiden Tagen ein Dutzend verschiedener Projekte vor. Unter anderem das Programm „Generationen verbinden“  des Landkreises Greiz. Hier wollen die Akteure ältere Menschen mit jungen Familien zusammenbringen, die sich dann gegenseitig unterstützen. Zum Beispiel, indem die Senioren schon mal auf die Kinder aufpassen, die Jüngeren dann für die Älteren einen Einkauf erledigen. „Wir wollen die Menschen vor Ort in Kontakt bringen“, sagte David Kaeß vom Landkreis Greiz.

Den Kontakt herstellen will auch der Landkreis Neunkirchen mit einer Ehrenamtsplattform im Internet, die Ina Klein vorstellte und die jetzt online geht.  Auf dieser können sich interessierte Bürger melden, die sich engagieren wollen, aber auch Vereine und Verbände, die Mitstreiter suchen.

Verbindungen schaffen wird auch das Vorhaben Walderlebnis Wittmund, das Karin Garlichs präsentierte. Hier wird am Rand eines Waldes ein Areal entwickelt mit Jugend-Zeltplatz und im ersten Schritt einem Gebäude mit Küche, Toiletten und Aufenthaltsraum. Die Gäste sollen Wissenswertes über den Wald und die Natur erfahren. Das Projekt stoße auf großes Interesse, so Garlichs: „Es ist schön, die Vielfalt an Vereinen zu sehen, die hier zusammenkommen.“ Von Imkern bis zu Sportvereinen. Sie betonte aber auch: „Das Ganze wäre nicht möglich gewesen, wenn es den Landaufschwung nicht geben würde.“

300 Einzelprojekte werden aktuell in den 13 Kreisen mit Mitteln von Landaufschwung gefördert. Beim Treffen in St. Wendel ging es natürlich auch um die im gastgebenden Landkreis. Im Mittelpunkt stand dabei des Projekt Zukunft Dorf mit der Smart Village Remmesweiler und dem Einkaufen der Zukunft, dem sozialen Dorf Hasborn und dem Energiedorf Oberkirchen. Am Mittwochabend besuchten die Teilnehmer  den Wendelinushof, erfuhren einiges über die Zusammenarbeit mit der Kulturlandschaftsinitiative St. Wendeler Land.

In zwei Arbeitsgruppen befassten sich die Experten an beiden Tagen zudem damit, wie über die aktuelle Förderung durch das Bundesministerium hinaus der langfristige Erfolg der Projekte gesichert werden kann, wie nachhaltige Strukturen geschaffen werden können. Auf die Bedeutung der Nachhaltigkeit hatte der St. Wendeler Landrat schon in seiner Begrüßung hingewiesen. Man dürfe die Projekte nicht 2020 enden lassen. Die Vorhaben, die man anschiebe, müssten auch nachhaltig betrieben werden können.

Grundsätzlich werden die Regionen wohl auch nach 2020 mit der Unterstützung des Bundeslandwirtschaftsministeriums rechnen können. So sagte Stefan Taxis, Regierungsdirektor beim Bundesministerium und dort für ländliche Entwicklung zuständig, dass das Ministerium die Dinge, die gut seien, in die Breitenförderung übernehmen werde.

Ina Klein präsentierte beim Vernetzungstreffen das neue Ehrenamtsportal im Landkreis Neunkirchen, ein Projekt von Landaufschwung.
Ina Klein präsentierte beim Vernetzungstreffen das neue Ehrenamtsportal im Landkreis Neunkirchen, ein Projekt von Landaufschwung. FOTO: Volker Fuchs