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Das Schweigen der Redakteure

Es ist mucksmäuschenstill. Nur der ums Haus pfeifende Wind ist zu hören. Hätte ich eine Stecknadel und würde sie fallen lassen - nein, das ist zu viel des Guten. Man würde sie nicht hören. Wir haben Teppich in der Redaktion. Auslöser des eisigen Schweigens ist eine simple Frage. "Wer hat eine Idee für unsere Woche?", will meine Kollegin wissen. Ups, schon wieder Freitag? Der Wochenrückblick ist fällig. Den kann man schlicht und einfach gestalten, indem man beispielsweise über das Wetter philosophiert. Das war jüngst nicht wirklich prickelnd. Eher stürmisch - aber als Wochenrückblick? Nö. Was ist sonst passiert? In der großen Welt recht viel - im Lokalen auch. Aber was hat mich wirklich tief beeindruckt? Hmmm. Eigentlich so einiges. Und schon ist da wieder dieses Dilemma. Ich müsste mir Gedanken machen, was ich thematisieren wollen würde (so ich denn die Stille durchbreche). Was hat mich am meisten beschäftigt? Wie stehe ich dazu? Ich müsste Position beziehen, meine Gedanken nach außen tragen - und mich damit angreifbar machen. Puuuh. Das Schweigen wird unerträglich. Es hilft alles nix, ich breche die Stille: "Ich schreibe die Woche." Mein Thema? Haben Sie gerade gelesen. Thorsten Grim