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Interview Marshall und Alexander
„Ich hatte versagt und lehnte die erste Gage ab“

Marc Marshall (links) mit seinem Gesangspartner Jay Alexander. Seit 20 Jahren ein Team, aber auch solo erfolgreich unterwegs.
Marc Marshall (links) mit seinem Gesangspartner Jay Alexander. Seit 20 Jahren ein Team, aber auch solo erfolgreich unterwegs. FOTO: Steven Haberland Images
St. Wendel. Mit sieben Jahren hatte Marc Marshall einen ersten großen Auftritt – und vergaß den Text. Danach wollte er immer besser werden. Von Stephanie Schwarz

Seit 20 Jahren sind Marc Marshall und Jay Alexander zusammen auf den Bühnen der Welt unterwegs und begeistern ihr Publikum. Am 17. Dezember kommt das Duo für ein Weihnachtskonzert auch nach St. Wendel in die St.-Annen-Kirche. Doch wie hat die Karriere von Marc Marshall überhaupt angefangen und warum hat der 55-Jährige seine erste Gage nicht angenommen? Die SZ hat in einem Gespräch nachgefragt.


Marc Marshall, Sie standen mit sieben Jahren zum ersten Mal auf der Bühne. Wussten Sie damals schon, dass Sie mal Sänger werden möchten oder hat sich der Berufswunsch erst mit der Zeit entwickelt?



MARC MARSHALL Mit fünf Jahren habe ich angefangen zu singen. Am 21. April 1971, mit sieben, war mein erster bezahlter Auftritt und am Ende verweigerte ich die Gage, weil ich versagt hatte. Ich hatte während des Auftrittes meinen Text vergessen und sang nur wenige Zeilen. Ich dachte: Ich bin das Geld nicht wert, das kann ich besser. Bereits damals konnte ich mir nichts anderes vorstellen als Sänger zu werden, ständig an mir zu arbeiten und immer besser zu werden. Auch heute denke ich noch so, sonst könnte ich ja damit aufhören. Ich versuche immer noch, mich stimmlich weiterzuentwickeln und die Menschen mit meinen tief empfundenen Gefühlen wirklich zu erreichen und nicht nur durch Show-Effekte. Denn Gesang ist das natürlichste Instrument der Welt.

Gleicht nach 20 Jahren Marshall und Alexander die Zusammenarbeit einer eingespielten Beziehung oder gibt es auch hin und wieder  auch mal Krisenmomente?

MARSHALL Unser Duo ist wie eine normale Beziehung: Man lernt sich kennen, Strukturen entwickeln sich und jeder hat seine Aufgaben. Ich habe von Anfang an im Duo die Strategie, das Konzept, die Programme und die Inhalte übernommen. Das war schon immer mein Part und Jay Alexander vertraut mir dabei komplett. Es gab Jahre da haben wir jährlich 200 Konzerte gespielt und sehr viel Zeit miteinander verbracht. Das Wichtige dabei ist, nicht die eigene Identität im Duo zu verlieren. Jeder bringt seine Stärken mit ein. So müssen wir uns nicht neu definieren und bleiben, wer wir sind. Es ist ein Glücksfall, dass wir uns begegnet sind und bis heute zusammen auf der Bühne stehen.

Neben dem Duo sind Sie auch solo unterwegs. Nutzen Sie ihre Solo-Alben unter anderem, um Lieder zu singen, die sich für das Duo nicht eignen würden?

MARSHALL Natürlich gibt es Lieder, die für Duette mehr oder weniger tauglich sind. Aber alleine kann ich mich musikalisch mehr austoben und durch die Welt der verschiedenen Genre wandeln. Ich interessiere mich für Jazz, Pop, Schlager, Chanson und singe in vielen Sprachen. Jay ist als Tenor dagegen in der Klassik zu Hause. Wir waren immer Solisten, warum sollen wir das nicht auch bleiben? Das ist eine Qualität des Duos.

Sie haben bereits mit vielen internationalen Größen auf der Bühne gestanden. Dazu gehörte auch die amerikanische Soul-Sängerin Aretha Franklin, die im August verstorben ist. War der Auftritt mit Aretha eins Ihrer Bühnenhöhepunkte?

MARSHALL Der Auftritt mit Aretha vor mehr als 20 Jahren war der Wahnsinn. Zu wissen, dass ich mit ihr singen werde, war damals schon unglaublich. Sie war ein Star mit einem unfassbaren Talent aber gleichzeitig auch die einfachste Person, die man sich vorstellen kann. Aretha kam zum Beispiel alleine zu der Aftershowparty im Jogginganzug, saß in einer Ecke und hat eine Gulaschsuppe gegessen. Das hat mich schon überrascht. Ihre Stimme ist großartig, jeder Ton geht direkt ins Herz. Der Auftritt mit ihr war ein prägendes Erlebnis. Derzeit gibt es aber keinen Sänger auf meiner Liste, den ich unbedingt treffen möchte. Ich lass die Dinge einfach passieren.

In wie vielen Sprachen können Sie singen und welche ist Ihre Lieblings-Sing-Sprache?

MARSHALL Deutsch, Italienisch, Französisch, Englisch, Russisch, Afrikanisch, Latein, .... insgesamt etwa zwölf Sprachen. Vor allem Italienisch ist sehr ausgeprägt und eine wunderschöne Sprache. Sehr wichtig ist jedoch, dass der Sänger weiß was er da singt. Konkret heißt das: zu wissen, was sich der Komponist dabei gedacht hat, welche Gefühle er vermitteln möchte. Nur so kann man auch die Gefühle richtig transportieren. Das gelingt nicht beim einfachen Lernen der Texte und Töne. Das ist bei exotischen Sprachen jedoch nicht so einfach (lacht). Ich singe auch gerne in Deutsch, obwohl ich dies jahrelang vernachlässigt habe. Warum, weiß ich gar nicht so genau.

Wie entsteht ein Konzertprogramm?

MARSHALL Über die Jahre haben wir ein großes Repertoire gesammelt. Wichtig dabei ist, dass wir mit unseren Liedern das Publikum letztlich auch erreichen. Gerne bauen wir aus diesem Grund auch stimmliche Herausforderungen ein. Aber es gibt kein bestimmtes Lied, das die Menschen von uns erwarten, wie es oft bei anderen Musikgruppen der Fall ist. Die Besucher unserer Konzerte wollen einfach, dass wir singen und sie mit unserem Gesang dann auch berühren.

In einem anderen Interview haben Sie einmal erwähnt, dass Sie sehr gerne in Kirchen singen. Warum?

MARSHALL Das hat zwei Gründe. Zum ersten ist in Kirchen die Platzwahl offen. Das heißt, die Besucher reisen früh an, sind mindestens eine Stunde vor Konzertbeginn in der Kirche und haben so Zeit komplett anzukommen – anstatt gestresst, nach langer Parkplatzsuche auf die letzten Minute. In der Kirche wartend, vergessen sie ihren Alltag, reflektieren über Erfahrungen zum Gebäude oder zur Kirche und werden offener und damit empfänglicher für die Musik.
Der zweite Grund ist die besondere Akustik. Heutzutage ist alles laut und schrill – auch die Musik. Wenn man die Technik jedoch weglässt und in einem Kirchengebäude ohne Mikrophon singt, dann trägt dies auf eine besondere Weise.

Am 17. Dezember spielen Marshall und Alexander ein Weihnachtskonzert in St. Wendel in der St.-Annen-Kirche. Was verbinden Sie mit dem Saarland?

MARSHALL Mit meinem Vater zusammen bin ich damals schon im Saarland aufgetreten. Die Mentalität sowie der Dialekt gefallen mir sehr gut. Es ist auch nicht sehr weit weg, kurz durchs Elsass und schon bin ich da. Jedes Mal, wenn ich im Saarland bin, fühle ich mich auf Anhieb wohl. Die Menschen sind fröhlich und ich habe nur positive Erinnerungen an die Konzerte hier.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

MARSHALL Dass Menschen begreifen, wie schön dieser Planet ist und ihn beschützen. Ebenso sollten sich die Menschen gegenseitig wertschätzen und das Leben zusammen genießen, anstatt nur Probleme zu machen. Beim Thema Gerechtigkeit geht es nicht um Hautfarbe oder Religion, sondern um das Menschsein. Das wünsche ich mir für die Zukunft.

Die Fragen stellte
Stephanie Schwarz