| 20:31 Uhr

Interview Andreas Kramer
Grippewelle erreicht St. Wendeler Land

Fieber, Kopfweh und Gliederschmerzen sind typische Grippe-Symptome. Wer erkrankt ist, sollte seinem Körper viel Ruhe gönnen.
Fieber, Kopfweh und Gliederschmerzen sind typische Grippe-Symptome. Wer erkrankt ist, sollte seinem Körper viel Ruhe gönnen. FOTO: picture alliance / Maurizio Gamb / Maurizio Gambarini
St. Wendel. Die Zahl der Influenza-Erkrankungen in der Region steigt. Fraglich ist, wann genau der Höhepunkt ansteht.

Husten, Schnupfen, Heiserkeit: Die Grippewelle ist wieder in vollem Gange. Auch die Menschen in der Region hat sie fest im Griff. Andreas Kramer ist Leiter des St. Wendeler Gesundheitsamtes. Im SZ-Interview erklärt er, wie man sich vor Infektionen schützt, für wen eine Grippe besonders gefährlich werden kann und ob Männer wirklich mehr leiden als Frauen.


Herr Kramer, zwei Kinder sind seit Dezember im Saarland an der Grippe gestorben. Ist sie dieses Mal besonders heftig?

Andreas Kramer Nach unseren Informationen handelt es sich dabei um tragische Einzelfälle. Es ist nicht so, dass ein besonders aggressives Super-Virus die Kinder getötet hat. Wir haben im Landkreis St. Wendel bisher auch nur vereinzelt kompliziert verlaufende Grippefälle gemeldet bekommen.



Ist die Grippewelle schon im Landkreis St. Wendel angekommen?

Kramer Ja, so wie überall in der Region Rheinland-Pfalz/Saarland. Es gibt deutlich erhöhte Fallzahlen an Atemwegsinfekten, die zu einem guten Teil auf die Grippe zurückzuführen sind. Wann genau der Höhepunkt einer Grippewelle erreicht ist, weiß man allerdings oft erst hinterher. Da dieses Jahr überwiegend Grippeviren des Typs B zirkulieren, kann es sein, dass sich die Grippewelle zeitlich etwas in die Länge zieht. Das hat man in den Vorjahren so beobachtet.

Befürchten Sie, dass es jetzt nach Fastnacht noch schlimmer wird?

Kramer Das müssen wir abwarten. In drei Wochen werden wir da schlauer sein.

Wodurch wird die Grippe denn überhaupt ausgelöst?

Kramer Es gibt unterschiedliche Grippeviren, die in der Bevölkerung weltweit zirkulieren. Sie werden in verschiedene Typen eingeteilt. Welches Virus eine Grippewelle dominiert, zeigt sich meist erst im Verlauf. Dieses Jahr sind es Influenza-Viren des Typs B der sogenannten Yamagata-Linie. Die beiden Kinder in Saarbrücken sind jedoch nicht daran gestorben, sondern an dem Influenza-A-Virus H1N1. Das ist  auch als Schweinegrippevirus bekannt.

Gibt es Personengruppen, für die eine Grippe besonders gefährlich werden kann?

Kramer Besonders gefährdet sind Menschen mit chronischen Grunderkrankungen, vor allem der Atemwege und des Herz-Kreislauf-Systems, aber auch der Leber und Nieren. Außerdem haben Schwangere und Personen, die unter einer Immunschwäche leiden, ein höheres Risiko für einen komplizierten Verlauf. Bei ihnen kann sich zum Beispiel eine Lungenentzündung oder eine Herzmuskelentzündung entwickeln.

Wie merke ich, ob ich mir eine harmlose Erkältung oder eine Grippe eingefangen habe?

Kramer Klinisch lässt sich das nicht sicher unterscheiden. Typisch für die Grippe ist ein akuter Krankheitsbeginn mit Fieber, Husten, Kopf- und Gliederschmerzen. Bei vielen Menschen verläuft die Erkrankung aber auch nur wie eine leichte Erkältung und es gibt auch viele symptomlose Infektionen.

Wie kann ich sicher gehen, dass mich die Grippe nicht erwischt?

Kramer Die beste Maßnahme, um einer Grippe vorzubeugen, ist die Impfung. Man muss allerdings dazu sagen, dass sie nicht in einem ähnlich hohen Maß vor der Krankheit schützt, wie das bei anderen Impfungen der Fall ist. Die Schutzwirkung beträgt etwa 50 Prozent.

Sie sind also ein Befürworter der Grippeschutzimpfung?

Kramer Die Grippeschutzimpfung ist sicherlich zu befürworten. Damit werden insbesondere die Menschen zu einem gewissen Grad geschützt, die ein Risiko für schwere, komplizierte Verläufe haben. Die beiden Kinder in Saarbrücken sind gestorben, ohne dass sie irgendwelche Vorerkrankungen hatten. Insofern ist es also auch nachvollziehbar, dass sich Menschen ohne Vorerkrankungen gegen die Grippe impfen lassen.

Gibt es verschiedene Impfstoffe?

Kramer Es gibt Grippeimpfstoffe, die einen Schutz gegen drei Virenstämme vermitteln sollen. Außerdem gibt es neuere Impfstoffe, die einen Schutz gegen vier Virenstämme vermitteln sollen. Die Ständige Impfkommission hat jetzt im Januar die Impfung mit einem Vierfach-Impfstoff empfohlen. Davon verspricht man sich einen besseren Schutz vor einer Grippeerkrankung.

Ist genug davon da?

Kramer Ich habe in zwei Apotheken nachgefragt, aktuell sind sowohl Drei- als auch Vierfachimpfstoffe verfügbar.

Macht es Sinn, sich jetzt noch impfen zu lassen?

Kramer Der optimale Zeitpunkt für eine Grippeschutzimpfung ist vor einer Grippewelle. Das heißt im Oktober oder November. Aber man kann sich jetzt auch noch impfen lassen. Dann sollte man jedoch darauf achten, dass man nicht vor der Impfung längere Zeit im Wartezimmer mit lauter Grippe-Kranken zusammensitzt. Denn bis ein Schutz eintritt, dauert es etwa 14 Tage. Die Inkubationszeit beträgt jedoch lediglich ein oder zwei Tage.

Gibt es noch andere Mittel, damit man nicht krank wird?

Kramer Nur bedingt. Es hilft beispielsweise, Abstand von Erkrankten zu halten und größere Menschenansammlungen zu meiden. Die Viren werden meist durch Tröpfchen übertragen, die Kranke beim Husten oder Niesen freisetzen. Es ist aber auch eine Übertragung über die Hände möglich, zum Beispiel über kontaminierte Türklinken. Daher hilft es auch, sich regelmäßig die Hände zu waschen.

Wenn ich mir die Grippe eingefangen habe, welche medizinischen Möglichkeiten gibt es dann?

Kramer Eine unkomplizierte Grippe wird in erster Linie symptomatisch behandelt. Hohes Fieber und Schmerzen werden bekämpft und die Erkrankten sollten viel trinken. Es gibt darüber hinaus auch die Möglichkeit, antivirale Medikamente einzusetzen. Deren Wirkung ist allerdings begrenzt. Sie führen bei einigen Patienten zu einer mäßigen Verkürzung der Krankheitsdauer. Bei komplizierten Verläufen kann eine Behandlung im Krankenhaus erforderlich sein.

Was kann ich sonst noch tun, dass die Grippe schneller abklingt?

Kramer Man sollte dem Körper die nötige Ruhe gönnen, bis die Grippe ausgeheilt ist. Kollegen aus dem Kreis haben darauf hingewiesen, dass die Krankheitsdauer der diesjährigen Grippe bei vielen Patienten mit zirka zwei Wochen etwas länger ist als gewöhnlich.

Trifft es die Männer wirklich schlimmer als die Frauen, Stichwort Männergrippe?

Kramer Naja, der umgangssprachliche Begriff Männergrippe beschreibt ja, dass Männer unter der echten Grippe, aber auch anderen banalen Viruserkrankungen mehr leiden sollen, wehleidiger sein sollen als Frauen. Es gibt einzelne Studien, die auf einen gegen Influenzaviren gerichteten Effekt des weiblichen Hormons Östrogen hinweisen. So richtig Fuß gefasst haben diese Erkenntnisse in der Medizin aber noch nicht. Gesichert ist hingegen, dass von der Männergrippe Befallene unter der fürsorglichen Pflege ihrer Partnerinnen rascher gesund werden.

Die Fragen stellte Sarah Konrad.

Andreas Kramer, Leiter des St. Wendeler Gesundheitsamtes.
Andreas Kramer, Leiter des St. Wendeler Gesundheitsamtes. FOTO: ???