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Gratz: "Dieses Spiel war mein schönstes Fußball-Erlebnis"

Neunkirchen/St. Wendel. Vor 45 Jahren herrschte in Neunkirchen Jubel, Trubel, Heiterkeit. Der Traditionsverein Borussia, dem 1963 zum Start die Bundesliga-Mitgliedschaft verweigert worden war, hatte den Sprung nach oben geschafft. Das Stadion Ellenfeld wurde für etliche Mitglieder der Elitegarde zur Stolpergrube

Neunkirchen/St. Wendel. Vor 45 Jahren herrschte in Neunkirchen Jubel, Trubel, Heiterkeit. Der Traditionsverein Borussia, dem 1963 zum Start die Bundesliga-Mitgliedschaft verweigert worden war, hatte den Sprung nach oben geschafft. Das Stadion Ellenfeld wurde für etliche Mitglieder der Elitegarde zur Stolpergrube. Für die Moral der Neunkircher war der forsche Auftritt in Köln-Müngersdorf am 5. September 1964 ein Meilenstein gewesen. Der nun wieder entdeckte Neun-Minuten-Rekord ist mit diesen Daten belegt: Paul Pidancet (2.) und Elmar May (3.) brachten Borussia früh 2:0 in Führung. Kölns Stürmer Christian Müller (8.) verkürzte, ehe Erwin Glod (der Marpinger ist vor einigen Jahren verstorben) mit dem 3:1 für Neunkirchen in der 9. Minute die nach wie vor gültige Bestmarke festigte. Dass der Favorit vom Rhein am Ende mit 4:3 gewann, konnte am Bundesliga-Rekord nicht rütteln. Stürmer Rüdiger Gratz war in der Regionalliga-Saison 1963/64 für Neunkirchen auf 20 Einsätze gekommen, hatte zwölf Treffer erzielt. Nur Günter Kuntz, 27 Tore, stand in der klubinternen Rangliste über ihm. Die erste Bundesliga würde, das stand fest, den Tor-Tatendrang von Gratz, der Beamter im gehobenen Dienst beim Landratsamt Ottweiler war, arg drosseln. "Die Fußball-Begeisterung meines Vorgesetzten hielt sich in Grenzen", erinnert sich der einstige Außenstürmer. Seine Mannschaftskameraden, fast alle in der freien Wirtschaft tätig, wurden von ihren Arbeitgebern freigestellt, um den Bundesliga-Nebenberuf optimal ausüben zu können. Etwa der starke Mittelläufer und Kapitän Erich Leist aus Marpingen, damals beschäftigt bei einer Saarbrücker KfZ-Firma. Rüdiger Gratz aber durfte das Amt erst zum Dienstschluss um 16.30 Uhr verlassen. Dann waren die Trainingseinheiten schon gelaufen. Die Konsequenz: Der Theleyer gehörte zwar zum Aufgebot der Borussia, hatte aber keinen Stammplatz. Der 90-Minuten-Einsatz in Müngersdorf kam deshalb für den Stürmer selbst überraschend. Fazit: "Dieses Spiel vor 28 000 Zuschauern war mein schönstes Fußball-Erlebnis." wb