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Job-Aussichten
Gewerkschaft rügt Befristungen

Oft gibt es im Gastgewerbe Job-
Befristungen.
Oft gibt es im Gastgewerbe Job- Befristungen. FOTO: picture alliance / Jens Schieren / Jens Schierenbeck
St. Wendel. Mark Baumeister von der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten fordert ein Umdenken. Von red

Im Landkreis St. Wendel können sich derzeit rund 470 Neu-Azubis über eine Lehrstelle freuen. So viele versorgte Bewerber zählte die Arbeitsagentur zum Start des Ausbildungsjahres.


Damit die Karriere auch nach der Abschlussprüfung weitergeht, fordert die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) nun bessere Job-Perspektiven für Berufseinsteiger. Denn eine große Hürde nach der Ausbildung sei der Trend zum Job auf Zeit – zur Befristung also, wie es in einer Mitteilung der Gewerkschaft heißt. Besonders in der Nahrungs- und Genussmittelbranche seien nach einer Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) „Arbeitsplätze mit Verfallsdatum“ verbreitet. Bundesweit seien hier knapp 54 Prozent aller Übernahmen befristet. Ähnlich sehe es bei den Neueinstellungen aus: Hier zähle die Branche mit einer Befristungsquote von 73 Prozent zu den Spitzenreitern. Auch in Hotels und Gaststätten seien diese Arbeitsverträge zum Berufsstart gang und gäbe. Dort seien, auch hier beruft sich die Gewerkschaft auf das IAB, 35 Prozent aller Übernahmen befristet.

Mark Baumeister, Geschäftsführer der NGG-Region Saar, spricht von einer „Unternehmer-Unsitte“: Es könne nicht sein, dass Betriebe trotz Hochkonjunktur in vielen Branchen so stark auf Befristungen setzten. „Wer als Job-Starter eine Familie gründen oder einen Kredit für die Wohnungseinrichtung bekommen will, der braucht einen sicheren Arbeitsplatz und keinen Zitter-Vertrag“, sagt Baumeister. Laut NGG hatten im Saarland im vergangenen Jahr 32 000 Menschen einen befristeten Arbeitsvertrag – immerhin jeder 14. Beschäftigte. Berufseinsteiger sind demnach besonders häufig betroffen.



Über Unternehmer, die darüber klagen, dass sie im Gastgewerbe oder in der Ernährungswirtschaft kaum noch Fachkräfte finden, kann Baumeister nur mit dem Kopf schütteln: „Wer nach der Ausbildung nur einen Vertrag auf Zeit anbietet, der muss sich nicht wundern, dass sich Schul-Abgänger woanders umsehen.“ Spezialisten von morgen gewinne man nur mit guten Löhnen, attraktiven Arbeitsbedingungen und klaren Karriereperspektiven, erklärt der Gewerkschafter. Befristungen sollten die Ausnahme und nicht die Regel sein. Zu den wirklich zwingenden Gründen einer Befristung gehörten etwa eine Probezeit oder Schwangerschaftsvertretung.

„In den Betrieben haben wir es aber immer häufiger mit Befristungen nach dem 08/15-Prinzip zu tun. Jobs auf Zeit werden zur gängigen Praxis“, betont Baumeister. Das Bundesarbeitsministerium plane zwar, solche Arbeitsverhältnisse einzudämmen. Befristungen ohne Sachgrund sollen danach auf 18 Monate begrenzt werden und maximal 2,5 Prozent der Belegschaft betreffen. Allerdings wären nach aktuellem Stand Betriebe mit weniger als 75 Beschäftigten vom Gesetz ausgenommen. „Ein Großteil der Beschäftigten im Gastgewerbe und im Lebensmittelhandwerk hätte davon praktisch nichts“, kritisiert die Gewerkschaft und fordert daher ein vollständiges Verbot der sachgrundlosen Befristung – unabhängig von der Betriebsgröße.