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Missbrauch
„Vertrauen in den Bischof verloren“

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann.
Der Trierer Bischof Stephan Ackermann. FOTO: Harald Tittel / picture alliance / dpa
Freisen. Kritik an Stephan Ackermann. Reaktionen auf das Bistums-Votum  im Fall des Pfarrers, der des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird.

„Ziemlich erleichtert“ hat Liane Bonenberger, die stellvertretende Vorsitzende des Pfarreienrates Freisen-Oberkirchen, das Votum des Bistums Trier aufgenommen (wir berichteten). „Darauf haben wir lange gewartet“, freut sie sich, dass das Bistum nun zu einer Entscheidung im Fall des ehemaligen Freisener Pastors, der des sexuellen Missbrauchs Minderjähriger beschuldigt wird, gekommen ist. Ende Oktober hatte das Bistum die kirchlichen Voruntersuchungen für abgeschlossen erklärt. Der Verdacht des sexuellen Missbrauchs habe sich erhärtet. Der Trierer Bischof Stephan Ackermann hat den Untersuchungsbericht mit einem Votum auf Eröffnung eines kirchlichen Strafverfahrens dem Vatikan zugeleitet. Die dortige Glaubenskongregation soll nun über das weitere Vorgehen entscheiden. „Wir hoffen, dass das Strafmaß dem entspricht, was der Pfarrer in den Kinderseelen in der Pfarrei angerichtet hat“, sagt Bonenberger. Und noch etwas hofft sie: Dass jetzt wieder Ruhe einkehrt und die Seelsorge wieder in den Mittelpunkt rückt. „Und dass die Bürger merken, welcher Wolf im Schafspelz 25 Jahre lang in Freisen Pfarrer war.“



Ähnlich sieht es der Oberkircher Ortsvorsteher Roland Becker. Er sagt:  „Ich bin froh, dass jetzt endlich die Wahrheit ans Licht gekommen ist und dankbar, dass jeder nun einsehen muss, dass Pfarrer Schmitt keine Intrigen gesponnen hat, sondern dass es ihm nur um das Kindeswohl gegangen ist.“  Er geht davon aus, dass sich mit der Entscheidung des Bischofs sowohl das pfarrliche als auch das gemeindliche Zusammenleben in Freisen und Oberkirchen normalisieren wird.

„Die Graben zwischen den beiden Orten sind nicht so tief wie man denkt“, relativiert der Freisener Ortsvorsteher Gerd Bonenberger. Dennoch sei ihm in erster Linie ebenfalls wichtig, dass „in meinem Ort die Ruhe einkehrt“.

Eine wichtige Frage ist nach Ansicht Liane Bonenbergers aber noch nicht geklärt: Wie will es Bischof Ackermann schaffen, Pastor Hanno Schmitt zu rehabilitieren und ihm den Rücken zu stärken. Daher hat Bonenberger im Namen des Pfarreienrates Freisen-Oberkirchen einen Brief nach Trier geschickt. Darin heißt es unter anderem: „Die zahllosen anonymen Schreiben, die beleidigenden Inhalt hatten, waren der Gesundheit Pfarrer Schmitts ebenso wenig zuträglich wie die Aussage, die Weihbischof Brahm anlässlich des Dorfgespräches in Freisen gegenüber der Saarbrücker Zeitung machte, man könne einen Menschen (gemeint Pfarrer Schmitt) nicht einfach entsorgen.“ Dass Pfarrer Schmitt in diese „unerträgliche Situation“ geraten ist, sei dem Umstand geschuldet, dass die bischöfliche Behörde die Beurlaubung des Freisener Pfarrers, der des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird, auf Kontroversen mit seinem Dienstvorgesetzten geschoben, die Inhalte aber nicht genannt habe. Bonenberger schreibt den Bischof direkt an: „Wie Sie ja selbst wissen, ist der Konflikt wegen der Kultur der Achtsamkeit entstanden, die Pfarrer Schmitt übt.“ Dieser habe den Umgang des Pfarrers mit Kindern und Jugendlichen hinterfragt und ein kritisches Auge auch auf dessen Umgang mit Geldern geworfen, was zum Streit geführt habe.

„Da man sich seitens des Bischöflichen Generalvikariats hierzu bisher nie öffentlich geäußert hat, wäre es an der Zeit, dass das Bistum – auch im Hinblick auf die Vorhaben der Synode – sich nun an die Seite seines Mitarbeiters stellt, um Versäumtes wieder gutzumachen“, fordert Bonenberger. Und weiter: „Ferner fänden wir auch Gespräche mit Ihnen in unserer Pfarreiengemeinschaft sehr gut, denn das Vertrauen in Sie als Bischof von Trier ist bei vielen Gläubigen – auch Mitgliedern unserer Gremien – längst verloren gegangen.“

Auch Pfarrer Schmitt äußert sich erstmals zu diesem Thema. Im aktuellen Pfarrbrief schreibt er von Gläubigen, die „tief betroffen“ und „geschockt“  auf die Nachricht aus dem Bistum, der Verdacht des sexuellen Missbrauchs habe sich erhärtet, reagiert haben. Oft habe er gehört, dass man sich mit dem Gedanken trage, deshalb aus der Kirche auszutreten. Auch das Verhalten des Bistums in diesem Fall werde zunehmend Gegenstand der Kritik und Enttäuschung.

Pfarrer Schmitt kann nicht verstehen, wenn Menschen wegen eines Pfarrers oder einer Behörde aus der Kirche austreten. Dazu schreibt er:  „Ich hätte es lieber, man würde sich daran erinnern, was Kirche in ihrem Wesen ausmacht, nämlich das Wort Gottes zu verkünden, die Sakramente zu feiern und die Liebe zu leben.“

Eitel Sonnenschein herrscht nicht rund um den Kirchturm in Freisen.  Vor allem der Bischof steht stark in der Kritik.
Eitel Sonnenschein herrscht nicht rund um den Kirchturm in Freisen.  Vor allem der Bischof steht stark in der Kritik. FOTO: B&K / Bonenberger & Klos