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| 19:16 Uhr

Sie erweckt den „Herr der Ringe“

Nicole Wolpensinger arbeitet auf dem Mittelaltermarkt an Gollum, einer der Figuren aus „Der Herr der Ringe“. Foto: Jennifer Sick
Nicole Wolpensinger arbeitet auf dem Mittelaltermarkt an Gollum, einer der Figuren aus „Der Herr der Ringe“. Foto: Jennifer Sick FOTO: Jennifer Sick
Freisen. Kreaturen aus Lehm, Gefäßflöten aus Ton, Wellness im Bottich, Schwerter und Folterinstrumente: Auf dem 16. Mittelaltermarkt in Freisen erlebten die Besucher eine vielseitige Zeitreise in die Vergangenheit. Jennifer Sick

"Kommet und staunet", hieß es im Naturwildpark in Freisen . Ritter und Burgfräulein, Wikinger und Wegelagerer, Folterknechte und Markretenderinnen waren aus ganz Deutschland angereist, um gemeinsam mit zahlreichen Besuchern den 16. Mittelaltermarkt zu feiern.

Noch ehe der Besucher seinen Fuß auf das eigentliche Marktgelände setzten kann, wird er in die Zeit des Hochmittelalters eingesogen, denn bereits auf den vielen kleinen Vorplätzen haben Händler ihre Verkaufsstände aufgebaut. Praktischerweise sind es hauptsächlich Verkäufer mit mittelalterlicher Kleidung, die sich vor dem Markt positioniert haben, so dass anpassungswillige Besucher sich noch schnell mit zeitgemäßen Roben eindecken können. In seidenen Röcken und wollenen Hosen geht es dann auf den eigentlichen Mittelaltermarkt, der mittlerweile zu den größten Lagermärkten Deutschlands gehört. Dementsprechend viel wird den Besuchern dann auch geboten. Gleich beim Betreten fällt der Stand von Lehmbauerin Nicole Wolpensinger auf. In braun-weißes Leinen gehüllt, arbeitet die Elsässerin an einer großen Lehmstatue. Keiner der Gäste braucht lange, um in dem noch unvollendeten Werk die Kreatur Gollum aus "Der Herr der Ringe " zu erkennen. Doch auch moderne Stücke gehören zu den Waren, die Wolpensinger zum Verkauf anbietet: Neben einer kleineren Gollumversion stehen fröhlich lächelnd die Minions Kevin, Stuart und Bob. "Ich lasse mich von den Wünschen meiner Kunden inspirieren", erklärt die Lehmbauerin ihr buntes Sammelsurium. "Und gerade die Kinder wünschen sich immer wieder, dass ich ihnen Minions mache."

Ein paar Stände weiter trifft der Besucher auf Luis Alba. Auch er hat sich hauptsächlich den Wünschen der kleinen Marktbesucher verschrieben und verkauft deshalb selbstgemachte Okarinas, kleine Gefäßflöten aus Ton. Wer eine erstehen möchte, bekommt von Alba nicht nur eine schriftliche Anleitung zum richtigen Spielen, sondern auch gleich noch eine erste Einweisung. Okarinas sind Albas Steckenpferd und wer genug Zeit mitbringt und der englischen Sprache mächtig ist, bekommt von ihm mit leuchtenden Augen die gesamte Geschichte des ungewöhnlichen Instrumentes von der ersten Verwendung bei den Mayas bis zu ihrem Verkauf auf Mittelaltermärkten erzählt. Und er ist nicht der einzige, der diese Leidenschaft für seine Waren aufbringt. Nahezu jeder Händler ist einem kleinen Schwatz nicht abgeneigt. Auf diese Weise können Besucher einiges lernen. Sei es über Ritterhelme, Schwerter , Tees und Gewürze, Trinkhörner oder Met. Selbst Wellness kommt auf dem Mittelaltermarkt nicht zu kurz. Warme Wadenwickel sind genauso zu bekommen, wie wohltuende Massagen aus der markteigenen Leibkneterey oder entspannende Bäder in großen Holzzubern. "Erlebbares Mittelalter", freut sich einer der Badegäste. Ebenfalls erlebbar, aber weit düsterer ist die Ausstellung des Freyvolks zu Hohenstaufen. Die Mitglieder des Vereins haben mittelalterliche Folterinstrumente mitgebracht, von denen einige auch getestet werden dürfen. Wer sich traut, kann zum Beispiel auf einem sogenannten Befragungsstuhl Platz nehmen, bei dem Lehne und Sitzfläche mit spitzen Holzdornen gespickt sind. Auch Schafott, Schandkäfig und Streckbank gehören zu den Ausstellungsstücken. "Unser Verein baut Museumsstücke selbst nach", informiert Michael Schiller. "Alle Geräte funktionieren, aber weil es keine Originalstücke sind, dürfen die Leute sie anfassen und zum Teil auch ausprobieren." Und wem das zu morbide ist, der kann sich auch von den zahlreichen Künstlern und Darstellern des Mittelaltermarktes unterhalten lassen. Neben mehreren Musikgruppen gibt es auch Heerschlachten, Reiter- und Feuershows sowie Umzüge aller Gaukler, Akteure und Teilnehmer.