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Schulseelsorger
Ein Mann, dem die Schüler vertrauen

 Rouven Ballof hilft den Schülern, wenn sie Kummer haben.
Rouven Ballof hilft den Schülern, wenn sie Kummer haben. FOTO: B & K / Franz Rudolf Klos
Freisen. Rouven Ballof ist Schulseelsorger an der Gemeinschaftsschule Freisen. Für die Probleme der Schüler hat er immer ein offenes Ohr. Von Melanie Mai

Für Rouven Ballof war es eine große Ehre, von den Schülern zum Vertrauenslehrer gewählt zu werden. Und das, obwohl er gerade einmal ein halbes Jahr an der Gemeinschaftsschule Freisen war. Das geschah im Herbst 2017. Dem heute 30-Jährigen ist bewusst, dass dieses Vertrauen viel mit seinem Alter zu tun hat. „Ich bin eben noch sehr nah dran an den Schülern“, sagt er im SZ-Gespräch. Aber es ist wohl auch seine ruhige, besonnene Art, die die Jungs und Mädels schätzen und weshalb sie ihm ihre Sorgen anvertrauen.


Diese Sorgen sind vielfältig, wie Ballof berichtet. Ein großes Thema sei die Trauerbewältigung. Wenn beispielsweise die Oma oder der Opa gestorben ist, bräuchten die Schüler jemanden, mit dem sie reden können. Aber auch schlechte Noten, Liebeskummer oder Ärger mit der besten Freundin können Themen sein, mit denen sich Ballof konfrontiert sieht. „Oft sind es Dinge im häuslichen Umfeld, die auf die Schule ausstrahlen.“ Schnell merkte er: Die Regelausbildung reicht für solche Probleme nicht aus: „Da lernt man so etwas nicht.“ Die fehlende Ausbildung wollte er unbedingt nachholen. Und trat mit dem Anliegen an Schulleiter Marc-André Müller heran. „Ich habe das Angebot dankbar angenommen“, sagt dieser. Bald gibt es in Freisen also einen Schulseelsorger mit entsprechender Zusatzausbildung. Die läuft über zwei Jahre. Fortbildungen sind in sieben Blöcke eingeteilt. Jeder Block dauert von Donnerstag bis Samstag. Im September ist Ballof fertig mit der Ausbildung. Dann gehören die Fahrten nach Sulzbach der Vergangenheit an. Und der 30-Jährige kann sich voll und ganz den Schülern widmen.

Zwei Schulstunden pro Woche räumt Müller ihm für den Job als Schulseelsorger ein. Das soll auch ein Zeichen von Wertschätzung sein, betont Müller. Mit dem Schoolworker teilt sich Ballof ein Büro im neuen Anbau. Dort ist die zentrale Anlaufstelle für Schüler – und auch Lehrer – mit Problemen. Sie könnten, das betont Ballof, ihn aber auch jederzeit außerhalb des Büros ansprechen. Schließlich gebe es Probleme, die duldeten keinen Aufschub. Dazu Ballof: „Was aufs Herz drückt, muss raus, sonst bricht es.“



Ballof hört manchmal einfach nur zu. Manchmal koordiniert er aber auch externe Hilfe. Oder er vermittelt, etwa wenn ein Schüler gemobbt wird. Dann rede er mit den Beteiligten, sensibilisiere für die Situation. „Oft sind sich die Schüler gar nicht bewusst, wie sehr ihre Worte verletzen.“ Bisher habe seine Arbeit Wirkung gezeigt. Ballof ist zufrieden. Vor allem, wenn er Rückmeldung bekommt: „Ein Danke oder ein Lächeln, das ist das schönste an der Arbeit.“

Sein Amt als Vertrauenslehrer hat Ballof, der in Grügelborn aufgewachsen ist und nun in Ottweiler wohnt, übrigens aufgegeben. „Ich will keine Ämter anhäufen.“

 An der Gemeinschaftsschule Freisen haben die Kinder einen kompetenten Ansprechpartner für ihre Sorgen, Nöte und Probleme.
An der Gemeinschaftsschule Freisen haben die Kinder einen kompetenten Ansprechpartner für ihre Sorgen, Nöte und Probleme. FOTO: Melanie Mai