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Kleine Jünger auf großen Spuren

Oberkirchen. An Palmsonntag wird an den Jesus' Einzug in Jerusalem gedacht. Wie genau der vonstattenging, hat Pastor Hanno Schmitt mit 70 Kindern in der Oberkircher Kindertagesstätte Regenbogen nachgestellt. Frank Faber

70 Kinder haben sich im Turnzimmer der Oberkircher Kindertagesstätte Regenbogen versammelt. In der Mitte des Raumes sitzt Pastor Hanno Schmitt. Der Nachwuchs weiß, warum sie Besuch von dem Kirchenmann bekommen haben. "Du willst mit uns doch eine Geschichte spielen", rufen die Kleinen dem Pastor fröhlich zu. Korrekt. Schmitt stellt mit den Kindern den Einzug Jesu am Palmsonntag in Jerusalem nach. "Die Fastenzeit geht dem Ende entgegen, und wir bereiten uns auf das Osterfest vor", so Schmitt. Das Wichtigste ist nicht der Osterhase , der Geschenke bringt, sagt er. Und erntet dafür ungläubige Blicke von den Jungen und Mädchen. "Der Osterhase will Freude schenken, weil Jesus am Kreuz wieder lebendig geworden ist", erklärt Schmitt.

Ein Torbogen aus Pappe, der das Stadttor von Jerusalem symbolisiert, ist im Turnzimmer schon aufgebaut. Jedes Kind erhält einen Stein und legt diesen auf einen aus Papier gebastelten Weg bis ans Tor. Danach wird es mucksmäuschenstill, und Schmitt nimmt seine Zuhörer in Gedanken mit auf den Weg in Richtung der Stadt Jerusalem .

"Schließt die Augen, und Ihr hört das Gezwitscher der Vögel, das Summen der Bienen, und Ihr spürt die warmen Strahlen der Sonne", stimmt der Pastor mit ruhigen Worten ein. Dann nimmt der Kirchenmann Philipp, Zoe, Maja und Luca bei der Hand und führt sie über den Weg durch das Stadttor. "Jesus ist auf dem Esel nach Jerusalem geritten. Er war ein bescheidener König und Sinnbild für den Frieden", berichtet er. Doch halt, stopp, da fehlt noch etwas: Ein König muss doch richtig empfangen werden. "Kinder, wir müssen den Weg für Jesus noch schmücken und ihm zujubeln", meint Schmitt.

Wie aufs Stichwort verteilen die Erzieherinnen Mini-Palmzweige an die Kinder. "Zum Zeichen seines Königtums haben die Menschen damals Palmzweige auf den Weg gestreut. Wir machen das aber nicht", so Schmitt. Stattdessen singt er mit allen das Lied "Jesus soll unser König sein, Hosianna, Amen". Dazu winken die Kinder mit den Palmzweigen.

Dann reichen sich alle die Hände. So entsteht grob die Form einer Krone für Jesus. Schmitt segnet alle Zweige. "Nehmt sie mit nach Hause und steckt sie hinter das Kreuz. Es ist ein Zeichen für ein neues Leben", erklärt der Pastor. Es ist das Zeichen, dass Jesus am dritten Tag nach seiner Kreuzigung wieder auferstanden ist und jetzt im Himmel lebt. Zur Feier dessen bringt der Osterhase nächstes Wochenende Geschenke vorbei.



Zum Thema:

Auf einen Blick An diesem Sonntag ist Palmsonntag. Damit beginnt die Karwoche, die auch stille Woche genannt wird. Viele Kirchen werden mit Palmzweigen dekoriert, um an den Einzug Jesu in Jerusalem zu erinnern. Am kommenden Gründonnerstag gedenken die Gläubigen dem letzten Abendmahl Jesu im Kreise seiner Jünger. Karfreitag, der in der evangelischen Kirche eine besondere Stellung einnimmt, ist der Tag der Kreuzigung Christus'. In der Nacht auf Ostersonntag feiern die Christen schließlich die Auferstehung des Erlösers. Der Oberkircher Pastor erinnert im Vorfeld von Ostern an die Bedeutung des Festes: "Es ist der höchste Feiertag. Aber heutzutage gleicht er eher einem Frühlingsfest." Er wünsche sich mehr Wertschätzung für das kirchliche Fest. Deshalb versucht er, den Kindern die Bedeutung zu vermitteln. frf