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Videoinstallation
Eine Autobahn auf dem Kickertisch

Videokünstler Hanguk Lee, der Sohn des Firmengründers und Geschäftsführer Axel Peiffer und Professor Eric Lanz (von links) betrachten die Videoinstallation.
Videokünstler Hanguk Lee, der Sohn des Firmengründers und Geschäftsführer Axel Peiffer und Professor Eric Lanz (von links) betrachten die Videoinstallation. FOTO: Frank Faber
Freisen. Videokünstler Hanguk Lee gestaltet im Auftrag des Logistik-Unternehmers Pfeiffer aus Freisen eine reale und virtuelle Arbeitswelt. Von Frank Faber

Die Modellwelt wird zur Realität und umgekehrt. Videokünstler Hanguk Lee schafft den Zusammenstoß zwischen einer spielerischen und realen Ebene mit einer Videoinstallation im Freisener Logistik-Unternehmen Adolf Peiffer. Dessen Sohn und Geschäftsführer Axel Peiffer ist kunstaffin, aber die Flure des Verwaltungsgebäudes mit Gemälden aufzuhübschen, liegt ihm weniger. An den Wänden hängen Fotos aus dem Arbeitsalltag der Spedition, die während eines Langzeitprojekts mit dem Fotoclub Tele Freisen entstanden sind. „Die Fotos werfen einen anderen Blick auf das Unternehmen und seine Mitarbeiter“, ist Axel Peiffer überzeugt.


In Gesprächen mit Eric Lanz, Professor an der Hochschule für Bildende Künste Saar, ist die Idee aufgekommen, eine künstlerische Videoarbeit für die Firmenräume zu entwickeln. „Es sollte kein Imagefilm werden. Mit einer Videoinstallation wollte ich auf die vorhandene Fotoausstellung noch einen draufsetzen“, sagt Peiffer.

Der aus Südkorea stammende Diplomand Hanguk Lee hat die Herausforderung angenommen und eine Videoinstallation erarbeitet, die nun einen Platz im Treppenhaus des Verwaltungstrakts des Familienunternehmens erhalten hat.



Anfang des Jahres beginnt Hanguk Lee mit der Arbeit, filmt auf dem Firmengelände und fährt im Brummi mit. Ein Kickertisch im Besprechungsraum verpasst dem Videokünstler einen wichtigen Geistesblitz für die weitere Arbeit. „Beim Kickern spielt man zusammen, es ist eine Kooperation ähnlich den verbindenden Arbeitsabläufen und Vorgängen in einer Spedition“, findet der 35-Jährige.

Sein Außenblick auf die logistischen Handlungsabläufe gelten jedoch nicht nur den dokumentarischen Beobachtungen, sondern parallel inszeniert er Sequenzen in den Dimensionen eines Landschaftsmodells. In dieser teilweise absurden Interpretation erscheint die Autobahn als Spielfeld eines Kickertischs, auf dem die ferngesteuerten Stangen-Männchen im strahlenden Orange der Firma auflaufen.Sie versuchen dort unermüdlich und in Teamarbeit, die im Linksverkehr fahrenden Modell-Lastwagen aus schwierigen Situationen zu bugsieren.

Wenn dann auf dem zweiten Monitor zeitgleich die realen Bilder aus der Steuerungszentrale, aus der Werkstatt oder auf der echten Autobahn aufleuchten, ist die Konfrontation der beiden Perspektiven verblüffend. „Es ist eine Auseinandersetzung zwischen Kunst und Alltag“, sagt Professor Lanz.

Und die Kunst kann und darf auch mal überziehen, wodurch Hanguk Lee bewusst eine Wirkung erzielen will. Die bewegten Bilder zeigen eine Verschiebung der Perspektive, ohne dass sie dem Betrachter destruktiv erscheinen. Es entsteht eine distanzierte Sicht, nicht nur auf die alltäglichen Arbeitssituationen an den Computern und in den Fahrerkabinen, sondern genauso auf die Arbeit mit Bildern in zeitgenössischen Medien.

„Hanguk hat als kreativer Videokünstler eine gute Balance gefunden“, lobt ihn sein Mentor. Geschäftsführer Axel Peiffer will mit der Videokunst eine Brücke für ein mittelständisches Unternehmen in Richtung der digitalisierten Welt schlagen. „Der Mittelstand lebt von dem Besonderem. So geht man mal ein Thema anders an, man spinnt mal anders“, sagt er. Für ihn gehe es vor allem darum, Visionen kreativ zu denken, um sie anschließend zu gestalten.

In Hanguk Lees Modellwelt erscheint die Autobahn als Spielfeld eines Kickertischs mit den Stangen-Männchen.
In Hanguk Lees Modellwelt erscheint die Autobahn als Spielfeld eines Kickertischs mit den Stangen-Männchen. FOTO: Hanguk Lee