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Volleyball
Der SSC Freisen ist am Ziel seiner Träume

Die Volleyballerinnen des SSC Freisen feiern ausgelassen den Gewinn des Regionalliga-Titels und den Aufstieg in die 3. Liga. Bis der Erfolg feststand, hatten sie aber noch einmal ein ganzes Stück Arbeit zu bewältigen.
Die Volleyballerinnen des SSC Freisen feiern ausgelassen den Gewinn des Regionalliga-Titels und den Aufstieg in die 3. Liga. Bis der Erfolg feststand, hatten sie aber noch einmal ein ganzes Stück Arbeit zu bewältigen. FOTO: Dewes/Verein
Freisen. Nach zweieinhalb Stunden Nervenkitzel haben die SSC-Volleyballerinnen den größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte perfekt gemacht: Der SSC siegte am letzten Regionalliga-Spieltag mit 3:2 bei Stadecken-Elsheim und sicherte sich den Titel. Von Philipp Semmler

Sonntagabend, kurz vor halb sieben. Der Moment, in dem aus Hoffnung Gewissheit wird – und die Volleyballerinnen des SSC Freisen ihren Gefühlen freien Lauf lassen. Nach dem 3:2-Sieg am letzten Spieltag der Regionalliga beim TSV Stadecken-Elsheim liegen sich die Spielerinnen jubelnd und mit Freudentränen in den Armen. Durch den knappen Sieg im Tie-Break sichert sich die Mannschaft nach einem fast zweieinhalbstündigen Krimi die Meisterschaft – und den damit verbundenen Aufstieg in die 3. Liga Süd.


„Mir ist noch nie ein Spiel so an die Nieren gegangen. Nach dem letzten Ballwechsel ist einfach nur der ganze Druck abgefallen. Das war Wahnsinn“, jubelt SSC-Außenangreiferin Doreen Werth (22). „Für mich ist das der schönste Moment meiner Karriere.“ Auch die Gefühlslage von Freisens Trainerin Brigitte Schumacher ist irgendwo zwischen Erleichterung und grenzenloser Freude angesiedelt. „Dieses Spiel hat mich zehn Jahre meines Lebens gekostet“, erklärt die 51-Jährige lachend.

Gleichzeitig ist sie aber auch furchtbar stolz auf das Erreichte: „Dass wir als kleines Dorf in einer Liga mit Teams aus Großstädten wie Mainz oder Frankfurt Meister werden, ist einfach sensationell“, jubelt die langjährige Übungsleiter. „Und das nur mit Spielerinnen aus dem eigenen Ort und einigen wenigen Zugängen, die alle aus unteren Ligen kamen. Wie sich die Mannschaft, die teilweise schon seit Kindesbeinen zusammenspielt, in den letzten Jahren entwickelt hat, ist einfach nur toll.“

In der Tat: Noch vor wenigen Jahren hatte Freisen mit einem Großteil des aktuellen Kaders in der Oberliga gespielt. Nach dem Aufstieg in die Regionalliga gehörte der Club dort zunächst zu den Abstiegskandidaten. Doch jede Saison ging es für den SSC in der Tabelle ein Stück weiter nach vorne, jetzt folgte die Meisterschaft als Krönung.

Bis der Titelgewinn eingetütet war, hatten die Nordsaarländerinnen am Sonntag aber noch einige bange Minuten zu überstehen. Der Grund: Freisen musste die Partie in Stadecken-Elsheim gewinnen, weil sich Meisterschafts-Konkurrent TG Mainz-Gonsenheim zeitgleich klar mit 3:0 beim TSV Hanau durchsetzte. „Das haben wir auf dem Feld zwar nicht gewusst, aber wir haben es geahnt“, berichtet Werth.



Trotz der Unterstützung von 70 mitgereisten Fans hatte Freisen Mühe – auch weil die Spielerinnen mit den eigenen Nerven zu kämpfen hatten. Zwar gewann der Spitzenreiter den ersten Satz mit 25:23. Doch dann lief plötzlich nicht mehr viel zusammen. „Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, aber ich glaube wir haben alleine 15 bis 18 Aufschlagfehler gemacht“, so Schumacher. Die Folge: Die Gastgeberinnen lagen plötzlich mit 2:1-Sätzen vorne. „Da habe ich schon gedacht, das wird nichts mehr“, gibt Schumacher zu.

Die Übungsleiterin appellierte in der Pause vor dem vierten Satz noch einmal an ihre Mädels, sich zu konzentrieren. Mit Erfolg: Freisen gewann den vierten Satz klar mit 25:10 – nun musste der Tie-Break die Entscheidung bringen. In dem lagen die Gäste zumeist vorne, Stadecken-Elsheim konnte aber immer wieder ausgleichen. Beim Stand von 14:14 setzte dann Freisens Vanessa Fox zu einem Schmetterball an – und es hieß 15:14 für den Titelanwärter. Der SSC hatte Matchball!

Die 16-jährige Carolin Späth schritt nun zum folgenden Aufschlag für Freisen an die Linie. Ihre Angabe war gut, aber Stadecken-Elsheim brachte den Ball noch einmal übers Netz – jedoch nicht platziert genug. Die Gäste konnten einen Gegenangriff starten. Laura Bur bekam das Spielgerät aufgelegt und beförderte die Kugel durch die Mitte zum 16:14 für Freisen auf den Boden des gegnerischen Feldes. Der SSC war am Ziel seiner Träume.

Die Meisterschaft wurde anschließend ausgiebig gefeiert. Zunächst in der Halle des Gegners, dann in Freisen. „Das THW hat uns empfangen und wir sind mit einem Anhänger durch den Ort gefahren. Er wurde viel gejubelt und gelacht“, berichtete Schumacher. „Bei minus sechs Grad Außentemperatur war zwar kaum jemand auf der Straße, aber das war uns egal“. Anschließend ging die Feier im Clubheim des FC Freisen bis in die frühen Morgenstunden weiter. „Wir lange genau kann ich nicht sagen, aber ich hatte zum Glück am Montag frei“, erklärte Werth lachend.