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Michael Becker
„Dankbar für diesen Vertrauensbeweis“

Regens Michael Becker.
Regens Michael Becker. FOTO: Bistum Trier/Zeljko Jakobovac / Zeljko Jakobovac
Freisen. Der neue Trierer Domvikar Michael Becker hat seine Wurzeln in Freisen. Diesen Sonntag wird er ernannt. Von Melanie Mai

Bischof Stephan Ackermann hat den aus Freisen stammenden Regens Monsignore Michael Becker zum Domvikar ernannt. Während eines Vespergottesdienst im Trierer Dom wird er am kommenden Sonntag, 8. April, 18 Uhr, in sein Amt eingeführt. Vorher stellte er sich den Fragen der Saarbrücker Zeitung.


Herr Becker, Sie werden zum Domvikar ernannt. Kam diese Beförderung für Sie überraschend?

Michael Becker: In der Tat war ich über die Anfrage des Bischofs an mich sehr überrascht. Ich sehe mich dadurch von ihm und den übrigen Mitgliedern des Domkapitels in der Verantwortung für unsere Hohe Domkirche mit in die Pflicht genommen und bin dankbar für diesen Vertrauensbeweis. Es gibt ja schon immer eine enge institutionelle Verbindung zwischen dem Priesterseminar und dem Dom. Diese wird nun auch wiederum personell verankert, worüber ich mich freue und wofür ich dankbar bin.



Was genau werden dann Ihre Aufgaben sein?

Becker: Ich habe mit Sorge zu tragen für die würdige Feier der Liturgie im Dom, wo ich als Domvikar auch selber Gottesdienste halten werde. Zudem überlegen die Domvikare auch, was für pastorale Angebote im Dom gemacht werden können, zum Beispiel Themen und Auswahl der Prediger für die Fastenpredigten, meditative Angebote im Advent. Es gibt eine Dom-Information, wo Haupt- und Ehrenamtliche engagiert sind – die sind womöglich auch einmal für das ein oder andere spirituelle Angebot dankbar, ebenso wie die Dom-Ministranten, die Dombrüder, welche die Sakristei betreuen. Zudem übernehme ich auch zu regelmäßigen Zeiten Beichtgespräche im Dom. Unsere erste Aufgabe als Domvikare besteht allerdings darin, den Dompropst und den Domdechanten sowie die übrigen Domkapitulare in ihren Aufgaben zu unterstützen und ihnen sozusagen zuzuarbeiten. Insofern nehme ich auch teil an den regelmäßigen Sitzungen des Domkapitels. Wenn Sie so wollen, bin ich von nun an in besonderer Weise im Dienst für unseren Dom, der mir immer schon, vor allem aber seit meiner Tätigkeit als Regens im Priesterseminar, besonders am Herzen liegt und wo ich auch, falls ich keine anderen Gottesdienste im Priesterseminar oder vertretungshalber außerhalb habe, die Liturgien dankbar und gerne mitfeiere.

Heißt das, Sie rücken nochmal näher an die Menschen heran, nachdem Sie als Regens mehr mit Verwaltungsarbeit beschäftigt waren?

Becker: Ich kann nach nunmehr über acht Jahren als Regens sagen, dass ich durch meine Gespräche mit den Seminaristen sehr nah am einzelnen Menschen und an dessen persönlicher Lebensgeschichte gewesen bin und auch Einblicke in ganz unterschiedliche Lebensbiografien erhalten durfte. Insofern wird die neue Tätigkeit als Domvikar das hoffentlich weiterführen und meinem Glauben auch weiterhin Bodenhaftung verleihen, die mir immer sehr wichtig ist.

Was reizt Sie persönlich besonders an der Aufgabe?

Becker: Das ist zum einen die Feier der Gottesdienste im Dom und zum anderen die konkrete Arbeit mit und auch die Begleitung von Menschen. Da bin ich dann vielleicht auch schon das ein oder andere Mal mehr Spiritual, das heißt geistlicher Begleiter, worin ich, denke ich jedenfalls, auch meine Stärken habe, was ich allerdings in meiner Aufgabe als Regens und damit als dem Ausbildungsverantwortlichen für die angehenden Priester unseres Bistums so nicht sein kann. Außerdem freue ich mich, nun auch zu der Gemeinschaft der Domgeistlichen dazugehören zu dürfen, die eine gutes mitbrüderliches Miteinander pflegen. Zudem will ich, sozusagen als kleine spirituelle Herausforderung für meine persönliche Gewissenserforschung, der Frage nachgehen, wie ich als Domvikar, ganz im Sinne von Papst Franziskus, den Armen nahe sein kann –  zumal ich kürzlich erfahren habe, dass in dem heutigen Kapitelsaal, wo unter anderem  die regelmäßigen Sitzungen des Domkapitels stattfinden, in früheren Zeiten einmal Arme gespeist wurden...

In Ihrer Heimatgemeinde Freisen, das war im Pfarrbrief zu lesen, sei man stolz, dass der Bischof einer der ihren für die Sorge der Kathedralkirche erwählt hat. Mit welchen Gefühlen denken Sie an Freisen? Glauben Sie, dass sich die Situation nun beruhigt, nachdem die Glaubenskongregation im Vatikan ein kirchliches Strafverfahren gegen den ehemaligen Freisener Pfarrer, der des sexuellen Missbrauchs beschuldigt wird, angeordnet hat.

Becker: In Freisen bin ich aufgewachsen und habe durch mein Elternhaus und die Vermittlung auch vieler anderer Menschen, die mir Vorbilder im Glauben waren, glauben gelernt. Jemand sagte einmal: Der Glaube kommt immer auf zwei Beinen zum Menschen. Das durfte ich in meiner Heimat wahrlich erfahren. Hier liegen also meine spirituellen Wurzeln, wofür ich bleibend dankbar bin. Noch heute bin ich, wenn es mir möglich ist, gerne dort bei meinem Bruder und seiner Familie, besuche die Gräber meiner Eltern und anderer Verwandten auf dem Friedhof, und feiere auch hin und wieder, wenn Bedarf besteht, dort gerne den Gottesdienst mit der Gemeinde. Ich kann nur hoffen – und ich bete auch täglich darum, dass sich die Situation weiter beruhigt und Friede einkehrt sowie die volle Wahrheit ans Licht kommen wird.

Die Fragen stellte Melanie Mai